Runde Jahrestage kann Überlingens Panorama-Teilort Hödingen demnächst gleich im Dreierpack begehen. Vor 15 Jahren begann die enge Kooperation mit dem Biotopverbund Bodensee der Heinz-Sielmann-Stiftung, vor zehn Jahren formierte sich der Verein zur Erhaltung der Kulturlandschaft Hödingen und vor fünf Jahren lernten die ersten kleinen Waldrappe beim Sportplatz fliegen, die schnell zum symbolischen Wappentier des ganzen Dorfes wurden. Hier identifizierte sich nicht nur der Verein schnell mit dem spektakulären Wiederansiedlungsprojekt, unterstützte das Waldrapp-Team bei der Standortsuche, betreute dieses zweimal während der Aufzucht der Jungen und warb viele Sympathisanten.

Selteneres Mähen der Streuobstwiesen lässt die Artenvielfalt wachsen.
Selteneres Mähen der Streuobstwiesen lässt die Artenvielfalt wachsen. | Bild: Hanspeter Walter

Neue Bäume gepflanzt, Nistkästen installiert, Schafsbeweidung sorgt für artenreiche Blumenwiesen

Die Aktivitäten und deren Ergebnisse zeigen einmal mehr, was eine Dorfgemeinschaft erreichen kann, wenn viele Bürger an einem Strang in dieselbe Richtung ziehen. Hin zu einem lebenswerten und naturverbundenen Ort, der seine Privilegien – die Panoramalage und die gewachsene Kulturlandschaft – mit Hilfe von Fachleuten gekonnt in die Waagschale wirft und an Attraktivität gewonnen hat. Nicht nur als beliebtes Ausflugsziel mit besonderem Ausblick für Einheimische und Gäste, sondern als Hort der gepflegten Streuobstwiesen mit einer hohen Biodiversität, was Pflanzen und Tiere angeht.

Martin Keßler, Vorsitzender des Hödinger Vereins, beim Aufhängen von Nistkästen, die von der Heinz-Sielmann-Stiftung zur Verfügung ...
Martin Keßler, Vorsitzender des Hödinger Vereins, beim Aufhängen von Nistkästen, die von der Heinz-Sielmann-Stiftung zur Verfügung gestellt wurden. | Bild: Hanspeter Walter

Neben den Bemühungen um den Bestand wurden rund um das Dorf bis ins Jahr 2010 bereits 500 neuen Bäume gepflanzt. Zahlreiche Nistkästen erleichtern Vögeln die Brut, eine Beweidung mit Schafen sorgt für artenreiche Blumenwiesen.

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Ortsvorsteher Martin Keßler: Hochwertige Kulturlandschaft muss man auch pflegen

„Wir haben hier eine hochwertige Kulturlandschaft, die man allerdings auch pflegen muss“, sagt Ortsvorsteher Martin Keßler, der zugleich Vorsitzender des Vereins zur Erhaltung der Kulturlandschaft ist. Die Streuobstwiesen im Süden sind nur ein Teil davon, wenn auch der markanteste und mit seinen Ausblicken vom Hödinger Berg oder vom Spetzgarter Weg vielleicht beliebteste. „Man braucht hier nur einmal auf den See zu schauen und weiß, wofür man sich hier einsetzt“, sagte Keßler.

Worum es in Hödingen geht

Kontakt zur Heinz-Sielmann-Stiftung hergestellt

Wobei die systematische Pflege der Wiesen und Weiden mit den alten Obstbäumen schon vor Gründung des Vereins begann. Thomas Hepperle, heute stellvertretender Vorsitzender des Vereins, hatte den Kontakt zu der Heinz-Sielmann-Stiftung hergestellt und sie unter anderem für den Baumschnitt und später für ein Weideprojekt langfristig mit ins Boot geholt. Denn die offenen Wiesen drohten teilweise zu verbuschen und damit eine wichtige Qualität zu verlieren.

Zählen konnte Hödingen dabei stets auch auf die Unterstützung der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes und der Stadt Überlingen, wie Hepperle betont. Entscheidend war bei der Strategie allerdings die Bereitschaft der zahlreichen Grundeigentümer, sich an dem Gesamtkonzept zu beteiligen. Am Ende war es eine Win-Win-Situation.

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Verein als gemeinsames organisatorisches Dach

Um ein gemeinsames organisatorisches Dach zu schaffen, war schließlich im Jahr 2012 der Verein zur Erhaltung der Kulturlandschaft gegründet worden. Dies erleichterte es, Fördergelder für die Landschaftspflege zu beantragen. Denn aus dem Landesprogramm werden die genehmigten Maßnahmen über das Landratsamt zu 70 Prozent bezuschusst, den Rest übernahm die Heinz-Sielmann-Stiftung. Wobei der Verein seine Arbeit ehrenamtlich leistete.

Die Statik der Baumriesen wird geprüft: Matthias Gommlich (Mitte), Baumsachverständiger, bohrt mit einer schnell rotierenden dünnen ...
Die Statik der Baumriesen wird geprüft: Matthias Gommlich (Mitte), Baumsachverständiger, bohrt mit einer schnell rotierenden dünnen Nadel den Stamm an. Dabei wird der Zustand des Holzes anhand des Widerstands gemessen. Baumwart Hans Thomer (links) und Birnenspezialist Thomas Hepperle vom Hödinger Verein für die Erhaltung der Kulturlandschaft sind gespannt auf die Ergebnisse. | Bild: Hanspeter Walter

Zugute kam Hödingen die große Fachkenntnis von Thomas Hepperle als Obstsortenspezialist. Dank seiner Kontakte kam es zu Untersuchungen einiger Baumriesen und zu wichtigen Erhaltungsmaßnahmen bei seltenen Birnbäumen. Erst im Herbst 2021 pflanzte der Verein in einer Sonderaktion eine seltene Sipplinger Klosterbirne – natürlich mit Blick auf den See.

Gemeinsam packten die Hödinger im vergangenen Herbst an: Eine selten gewordene Sipplinger Klosterbirne wird gepflanzt.
Gemeinsam packten die Hödinger im vergangenen Herbst an: Eine selten gewordene Sipplinger Klosterbirne wird gepflanzt. | Bild: Hanspeter Walter

Rund um Hödingen wachsen heute noch 120 verschiedene Apfel- und Birnensorten

Insgesamt wachsen rund um Hödingen heute noch 120 verschiedene Apfel- und Birnensorten. In Zusammenarbeit mit dem Landratsamt nimmt Hepperle derzeit eine digitale Kartierung dieser hochstämmigen Streuobstbäume vor. „Am Ende hat jeder Baum eine Nummer“, sagt er, „und die Standorte der einzelnen Sorten können abgerufen werden.“ Für den Experten ist deren Pflege und Erhalt umso wichtiger, als in ganz Baden-Württemberg binnen zwei Jahrzehnten rund zehn Millionen Bäume verloren gegangen seien.

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Verein und Vorstand

Thomas Hepperle: „Wir machen das vor allem auch für die Menschen“

Wichtig zum Erhalt einer gewissen Artenvielfalt bei den Wiesenpflanzen ist eine kontrollierte Mahd und die Beweidung mit Schafen, für die in Kooperation mit der Sielmann-Stiftung größere Areale eingezäunt wurden. „Wir machen dies nicht nur für die Natur, wir machen das vor allem auch für die Menschen“, betont Thomas Hepperle. Dies könne man auch an jedem sonnigen Wochenende sehen, wenn sich Einheimische und Feriengäste an den Panoramawegen quasi ein Stelldichein geben.

„Im Prinzip müssten wir am Beginn des Spetzgarter Weges und auf dem Hödinger Berg ein Kartenhäuschen aufstellen“, flachst der Hödinger, „um Eintritt für unser Landschaftskino zu kassieren.“ Da dies kaum kommen wird, hofft Hepperle auf weitere Unterstützung für den Verein, der inzwischen nahezu 100 Mitglieder hat. Dafür wollen er und seine Mitstreiter auch beim großen Jubiläumsabend werben, der am 18. Juni gemeinsam gefeiert wird.

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