Bald fällt der Schlüssel ins Schloss und die Ladentüren bleiben dicht. Ab Montag beginnt der zweite Corona-Lockdown: Gastronomen, Kulturschaffende und die Betreiber von Kosmetikstudios dürfen beispielsweise nicht öffnen. Viele Überlinger Betroffene bringt das nicht nur erneut in eine finanzielle Notlage. Sie finden die Maßnahmen auch übertrieben und unverhältnismäßig.

Hat nach den Corona-Beschlüssen nicht viel Grund für Optimismus: der Kinobetreiber Thomas Lailach.
Hat nach den Corona-Beschlüssen nicht viel Grund für Optimismus: der Kinobetreiber Thomas Lailach. | Bild: Hilser, Stefan

Für Thomas Lailach, Betreiber des Kinos Kammer & Tivoli und der Cinegreth Kinos am Landungsplatz, sind die Corona-Beschlüsse der Bundesregierung und Länderchefs ein herber Rückschlag. „Es ist sehr frustrierend und demotivierend“, sagt er zu den neuen Verordnungen. „Wir hatten das Gefühl, dass das Kino endlich langsam wieder Fahrt aufgenommen hat.“ In Anbetracht der Tatsache, dass es bundesweit keine einzige Corona Erkrankung gebe, die auf einen Kino Besuch zurückzuführen war, sei es für ihn und sein Team umso unverständlicher, dass ihre Bemühungen und Anstrengungen umsonst waren.

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Zum Kostenausfall durch den zweiten Lockdown sagt er: „Uns bricht von den wichtigen Herbst- und Wintermonaten der Umsatz weg.“ Generell habe sein Kino natürlich lange nicht die Besucherzahlen der Vorjahre. Die 450-Euro-Kräfte, die sein Kino noch eingestellt hat, werden bis auf Weiteres nichts mehr verdienen. Ob er jemals wieder öffnet, hängt von der Länge des Lockdowns ab. „Wir sind mittlerweile skeptisch und wollen natürlich sehr zeitnah wieder mit einem abwechslungsreichen Programm unsere Gäste ins Kino zu locken“, so Lailach. Dankbar sei er für jeden, der seinen Betrieb die vergangenen Monate unterstützt hat.

Kosmetikerin Ulrike Born fühlt sich vor den Kopf gestoßen

Auch Nagel- und Kosmetikstudios müssen ab Montag schließen. Ulrike Born, Betreiberin von Born Kosmetik in Überlingen, akzeptiert die Maßnahmen, kann sie als Unternehmerin jedoch nicht nachvollziehen. „Ich bin total enttäuscht“, sagt sie. „Ich habe mich seit März intensiv um die Hygiene in meinem Laden gekümmert und sogar eine Luftreinigungsanlage angeschafft. Ich habe alles getan, was ich nur tun konnte und die Auflagen übererfüllt.“ Die neuen Beschlüsse seien für sie ein Stoß vor den Kopf. „Ich fühle ich mich ein bisschen bestraft“, sagt sie.

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Zudem könne sie nicht verstehen, warum beispielsweise Dental-Techniker oder Friseure weiter arbeiten dürften, während sie schließen muss. „Wir haben als Kosmetikbranche einfach keine Lobby“, bemängelt sie.

Hat wegen Corona den Sommer durchgearbeitet: Ulrike Born, Betreiberin von Born Kosmetik.
Hat wegen Corona den Sommer durchgearbeitet: Ulrike Born, Betreiberin von Born Kosmetik. | Bild: Cian Hartung

Kunden, die in der kommenden Lockdown-Woche einen Termin gehabt hätten, muss sie nun auf die verbleibenden Arbeitstage legen. „Auch am Sonntag werde ich arbeiten“, sagt sie. Im Sommer habe sie bereits mehr als zwölf Stunden am Tag gearbeitet, um die Verluste des ersten Lockdowns zu kompensieren. Für die kommenden Monate sehe sie schwarz. „Ich bin seit 27 Jahren im Geschäft und muss auch an meine Rente denken“, sagt sie. Sparen und Geld zur Seite legen könne sie in diesen Zeiten nicht.

Gastwirt glaubt dank Corona-Finanzpaket ans Überleben

Ausgetrunken: Ab Montag bleiben die Biergläser wie hier in der Kneipe Galgenhölzle vermutlich leer.
Ausgetrunken: Ab Montag bleiben die Biergläser wie hier in der Kneipe Galgenhölzle vermutlich leer. | Bild: Cian Hartung

Michael Jeckel, Gastwirt der Überlinger Kneipe Galgenhölzle, hält den zweiten Lockdown für „völlig überzogen“. Er meint: „Es kann nicht sein, dass die Politiker den einfachen Weg gehen.“ Er hätte sich erhofft, dass Kommunen regionale Veranstaltungen wie Hochzeiten vorerst verbieten. Diese bergen laut Jeckel ein deutlich höheres Ansteckungsrisiko als die Gastronomie, die seit März verantwortungsbewusst die Hygieneregeln einhielte. „Ich kann die Entscheidung nicht nachvollziehen. Wir haben uns an die Regeln gehalten.“ Aus diesem Grund will er Bundeskanzlerin Angela Merkel und einigen Landtagsabgeordneten Protestbriefe schreiben.

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Im ersten Lockdown musste seine Kneipe in der Münsterstraße finanzielle Einbußen von bis zu 180 000 Euro hinnehmen, gibt er zu. Damals musste er auch seine Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. „Das ist ein Ausfall, den ich nicht kompensieren kann“, so Jeckel. Sollte das angekündigte Finanzpaket der Regierung wirklich 75 Prozent der Betriebskosten übernehmen, so könnte er den Lockdown verkraften. „Das wäre okay. Damit könnte man überleben.“