Der Bambergener Ortschaftsrat hat am späten Montagabend einstimmig gegen den von der Verwaltung eingefädelten und vom Gemeinderat erwogenen Grundstückstausch gestimmt, mit dem die Stadt in Besitz des Deisendorfer Gasthofareals „Löwen“ gelangen will. Dort könnte dann – so die Idee – im Ortszentrum ein Dorfgemeinschaftshaus entstehen. Dieses Ziel war 2017 von allen Teilorten gemeinsam als Großprojekt beschlossen worden.

Der grundsätzlichen Bebauung des „Torkel“ und dem Bauvolumen hatte das Gremium in Bambergen im Vorfeld zwar mehrheitlich zugestimmt. Unter dem Druck der Bürger scheint sich nun eine geschlossen Front gebildet zu haben, die sich nicht nur gegen die Stadtverwaltung und den Gemeinderat, sondern auch gegen den Teilort Deisendorf richtet.

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Der Eigentümer und Gastwirt des „Löwen“ hatte seine Immobilie einem Schweizer Investor verkauft, dessen Pläne die Stadt an dieser Stelle keine Genehmigung in Aussicht stellte. Der Investor wollte den „Löwen“ jedoch nur im Tausch gegen eine Baufläche preisgeben, auf dem er seine Vorstellungen realisieren könnte. Die Stadtplanung selbst hatte hier in ihrem Entwurf sechs zweigeschossige Baukörper vorgesehen. „Ich kann nachvollziehen, wenn der eine oder andere sagt: Das ist nicht mein Modell“, resümierte Oberbürgermeister Jan Zeitler: „Aber aus Sicht der Stadtplanung ein Angebot, das akzeptabel und zukunftsfähig ist.“

Seit zwei Jahren im Dornröschenschlaf: Der Landgasthof Löwen in der Ortsmitte von Deisendorf. Ein Schweizer Investor ist Eigentümer und wollte das Gelände in einer Art bebauen, die dem Teilort und der Stadt zu massiv war.
Seit zwei Jahren im Dornröschenschlaf: Der Landgasthof Löwen in der Ortsmitte von Deisendorf. Ein Schweizer Investor ist Eigentümer und wollte das Gelände in einer Art bebauen, die dem Teilort und der Stadt zu massiv war. | Bild: Hanspeter Walter

Kein Tausch, sondern zwei getrennte Kaufgeschäfte

Im Verkauf des Gebiets „Torkel“ in Bambergen sah die Verwaltung für die „komplexe Aufgabenstellung“ (Zeitler) eine Lösung, der auch der Investor zugestimmt hatte. Es handle sich hier nicht um einen „Tausch“ im wahren Wortsinn, erläuterte Kämmerer Stefan Krause, sondern um zwei getrennte Kaufgeschäfte, der eine Bewertung der beiden Objekte vorausgegangen sei.

Ortschaftsrat schwenkt in Richtung Bürger-Wille

Was den Deisendorfern nur recht sein kann, passt den Bambergenern gar nicht. Gegen eine Bebauung des Gebiets „Torkel“ hätten sie zwar im Grunde nichts einzuwenden, wollen sie jedoch keinem Investor überlassen. So der Tenor, mit dem der Ortschaftsrat nun ganz auf die Wünsche seiner Bürger eingeschwenkt ist – und quasi einen Rückzieher machte. Vorausgegangen waren nach den Stellungnahmen der Räte eine weitere Stunde mit Einwänden der Bürger, von denen es aufgrund der Beschränkungen nur rund 80 in den Sitzungsraum geschafft hatten. Wobei Nils Badewien als Türsteher redlich Mühe hatte, die Wartenden auf Distanz zu halten und Verständnis für die Pandemie-Bedingungen zu finden.

„Wir fühlen uns übervorteilt“: Das sagen die Bambergener

Ortsvorsteher Daniel Plocher organisierte das Stühlerücken, um möglichst vielen Bürgern im Dorfgemeinschaftshaus Platz zu bieten.
Ortsvorsteher Daniel Plocher organisierte das Stühlerücken, um möglichst vielen Bürgern im Dorfgemeinschaftshaus Platz zu bieten. | Bild: Hanspeter Walter

„Es wird spannend, wie der Gemeinderat entscheidet“, sagte OB Zeitler nach der zweieinhalbstündigen Begegnung mit Ortschaftsrat und Bambergener Bürgern. „Diese Signal habe ich doch gesandt, dass der Oberbürgermeister auch aufnimmt, was geht und was nicht geht.“ Überrascht zeigte sich Zeitler „von der Massivität und zum Teil der Aggressivität“ der Äußerungen und sagte: „Ich hätte mir das im Ton auch anders gewünscht.“ Das ändere jedoch nichts an der Tatsache, dass ein Oberbürgermeister „eine Stimmungslage in jeglicher Form“ entgegennehmen müsse.

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Er finde es „schade“, dass mit den Plänen „ein Keil zwischen Bambergen und Deisendorf getrieben wird“, sagte Ortsvorsteher Daniel Plocher am Ende: „Ich hoffe, dass wir auf einen Nenner kommen.“ Kämmerer Krause hatte dem Ortsvorsteher zwischendurch schon vorgehalten, dass er in anderen Gremien auch andere Positionen vertreten habe.

Ortschaftsratssitzung in Deisendorf lief harmonischer

Vier Stunden zuvor war eine Ortschaftsratssitzung in Deisendorf harmonischer abgelaufen und nach seiner nichtöffentlichen Beratung war das Gremium guter Dinge. Zunächst in Deisendorf, dann in Bambergen hatte Fachbereichsleiter Stefan Krause, der für Finanzen und Liegenschaften verantwortlich zeichnet, den Rahmen für die ganzen Verhandlungen und die geplanten Transaktionen abgesteckt. Mehrere „Gerüchte“ versuchte Krause mit seinen Klarstellungen aus der Welt zu schaffen. Es habe beim „Löwen“ nie ein Vorkaufsrecht für die Stadt gegeben. „Wir wurden von dem Verkauf ebenso überrascht wie alle anderen“, ergänzte Oberbürgermeister Jan Zeitler. Wörtlich zitierte er auch die Einschätzung des Investors, an anderer Stelle in Deisendorf seine Vorstellungen nicht realisieren zu können.

Oberbürgermeister Jan Zeitler und Deisendorfs Ortsvorsteherin Karin Müller.
Oberbürgermeister Jan Zeitler und Deisendorfs Ortsvorsteherin Karin Müller. | Bild: Hanspeter Walter

Vier Maßnahmen nannte die Verwaltung zur „Gegenfinanzierung“ eines Dorfgemeinschaftshauses (DGH) auf dem Löwen-Areal. Den sukzessiven Verkauf des Deisendorfer Rathauses und des derzeitigen DGH sowie eine zurückhaltende Bebauung am Rande des Schulsportplatzes und eine Teilbebauung des Löwen-Areals. Bei allem wäre der Deisendorfer Ortschaftsrat mitgegangen, allenfalls bei einer Wohnbebauung auf dem Löwen-Grundstück zeigte sich der eine oder andere noch skeptisch.

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Ansonsten kam kein öffentlicher Widerspruch und Ortsvorsteherin Karin Müller war nach der nicht öffentlichen Sitzung schon guter Hoffnung, einer Lösung des komplexen Problems näher gekommen zu sein. Eines Besseren belehren lassen musste sich Müller später in Bambergen.

„Wo darf ich Wohnraum schaffen?“ – OB Zeitler sieht sich in einer Zwickmühle

Die Wurzeln des Problems sieht Jan Zeitler nicht in der fehlenden Kommunikation. Schuld sei zum einen „die Komplexität der Aufgabenstellung“. Doch es gebe eben auch unterschiedliche Ansichten, was eine passende Bebauung sei. „Wir haben den Siedlungsdruck“, erklärt Zeitler. Der Regionalverband erwarte die Schaffung von Wohnraum. Dort gelte inzwischen die Richtschnur, auch in den Dörfern dürfe „2 + Satteldach“ entstehen. „Das ist für mich nichts Schlimmes“, sagt Zeitler: „Doch das ist etwas, was man hier nicht sehen möchte.“ Da kämen eben unterschiedliche Vorstellungen zum Tragen. Doch stelle sich für ihn die Frage: „Wo darf ich Wohnraum schaffen? Soll ich in die Fläche gehen? Soll ich in die Höhe gehen?“

Während Daniel Plocher das Hohelied des beschaulichen Bambergen sang, in dem schon heute manche Zuzügler nicht voll und ganz integriert seien, hielt Oberbürgermeister Zeitler die Vorzüge des Neuen entgegen. „Aus meiner Sicht ist Zuzug von außen doch etwas Positives“, sagt Zeitler: „Das kann sogar zum Erhalt der Dorfkultur beitragen.“

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