Überlingen hat eine vitale Innenstadt. Sie ist sogar lebendiger als Städte vergleichbarer Größe. Das geht aus einer Studie hervor, die das Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) im Auftrag der Stadt Überlingen erstellte. An einem Donnerstag und an einem Samstag im September wurden rund 400 Personen befragt. Sie gaben der Innenstadt von Überlingen im Durchschnitt die Schulnote 2,1. Das ist eine halbe Note besser als der Durchschnitt aller teilnehmenden Städte. Zum Vergleich: Ravensburg kam auf die Note 2,0, Singen erhielt eine 2,6. Bundesweit wurde die Studie "Vitale Innenstädte" an 116 Standorten erarbeitet und 59 000 Interviews geführt.

Wirtschaftsförderer Schneider: "Wir sind einfach gut"

Stefan Schneider, Wirtschaftsförderer der Stadt, kommentierte das Überlinger Ergebnis: "Wir sind einfach gut. Wir sind nicht völlig problemfrei, haben aber gute Voraussetzungen, unter denen sich der Einzelhandel und die Stadt entwickeln können." Überrascht sei er vom guten Ergebnis der Studie nicht. Der Titel der Studie lasse sich übertragen: "Hier ist Leben." Das Flair der Stadt wird insgesamt als hoch bewertet. 75 Prozent der Befragten sagten, dass Überlingen einen hohen Erlebnis- und Unterhaltungswert habe, gegenüber nur 46 Prozent in Städten vergleichbarer Größe.

Stefan M. Schneider, Wirtschaftsförderer in Überlingen.
Stefan M. Schneider, Wirtschaftsförderer in Überlingen. | Bild: Stefan M. Schneider

Lob an den Einzelhandel

Und was kann die Studie dem Einzelhandel sagen? Stefan Schneider: "Man kann die Händler loben. Sie bekommen etwas hin. Sie werden als leistungsfähige Händler wahrgenommen. Wir haben funktionierende Strukturen, das hat die Studie bewiesen."

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Eine 3 fürs Parkangebot

Um die teilnehmenden Städte besser vergleichen zu können, wurden sie in Größenklassen eingeteilt. Überlingen zählt zur Kategorie bis 25 000 Einwohner. Durchweg die Noten 1 oder 2 gaben die Befragten für diese Faktoren: Erreichbarkeit (mit eigenem Auto, Fahrrad oder mit Zug und Bus), Ladenöffnungszeiten, Gastronomieangebot, Freizeitangebot und Dienstleistungsangebot. Auch den Gesamteindruck in Bezug auf Sauberkeit und Sicherheit, Lebendigkeit und Orientierung bewerteten sie durch die Bank mit den Schulnoten 1 und 2. Abzüge, beziehungsweise jeweils eine 3, gab's für die Parkmöglichkeiten. Die Einzelhandelsangebote werden folgendermaßen bewertet: Bekleidung und Schuhe erhalten eine Durchschnittsnote von 2,5. Uhren und Schmuck erhalten eine 1, Unterhaltungselektronik eine 3. Büro/Schreibwaren sowie Sport/Spiel/Hobby liegen bei einer 3+. Optiker, Bücher, Drogerie und Lebensmittel werden jeweils mit einer 1 bewertet.

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Aussagen zum Onlinehandel

Wer Kunden verdammt, sie würden sich mehrheitlich beim Fachhändler vor Ort informieren, dann aber online einkaufen, der irrt. Denn laut IFH treffe das nur bundesweit für 14 Prozent der Kunden zu, umgekehrt betrieben aber 45 Prozent der Käufer zuerst eine Informationssuche im Internet, bevor sie anschließend im Geschäft einkaufen.

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Und wie sieht hierzu die Kundenerwartung in Überlingen aus? 48 Prozent der hier befragten Menschen antworten, dass sie verstärkt online einkaufen und deshalb die Innenstadt zum Einkaufen seltener besuchen. 35 Prozent sagten, dass sie online gar nicht einkaufen. Mehr als ein Drittel der in Überlingen befragten Kunden erwartet, dass der örtliche Handel online gewisse Angebote macht: 37 Prozent sagen, dass sie sich online über Geschäfte aus der Innenstadt und deren Angebote informieren möchten. Fast 32 Prozent erwarten, dass sie bei den Geschäften auch online bestellen können. Und 25,6 Prozent wünschen sich, dass sie online bestellte Ware in den Geschäften in der Überlinger Innenstadt abholen können.

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Laut Schneider für den Strukturwandel gewappnet

Nach Einschätzung Schneiders, der sich in seiner Sicht von der Studie und einem zusätzlich erstellten Onlinebarometer bestätigt fühlt, haben die Händler in Überlingen die Bedeutung des Onlinehandels erkannt. Sie seien auf einem guten Weg, sich dem Strukturwandel zu stellen. Laut Onlinebarometer, der in nächster Zeit noch näher vorgestellt werde, seien 80 Prozent der hiesigen Händler online präsent, 32 Prozent hätten eine Kauffunktion im Netz und 43 Prozent seien in den sozialen Medien aktiv. Schneider: "Wir sind nicht so ungewappnet wie man denkt."

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Studienergebnisse im Einzelnen

  1. Befragte Personen: 400 Personen wurden im Auftrag der Stadt für die IFH-Studie "Vitale Innenstädte" an zwei Tagen befragt: Am Donnerstag 27, und Samstag, 29. September. 31,5 Prozent der Befragten wohnen in der Stadt. 68,5 Prozent kamen von außerhalb. 57 waren weiblich und 43 männlich. Im Durchschnitt waren sie 46 Jahre alt. Und wie oft kommen die Besucher? Täglich zu 20 Prozent, wöchentlich zu 46 und monatlich zu 22 Prozent.
  2. Ladenfrequenz: Wie viele Geschäfte steuerten sie an? 25 Prozent besuchten keines, kamen also zum Sightseeing. 21 Prozent sagten ein Geschäft, 27 Prozent besuchten zwei, und 17 Prozent gaben an, dass sie drei bis fünf Geschäfte besuchen.
  3. Anreise: Fast 23 Prozent kamen mit ÖPNV (nur 10 Prozent waren es laut der IFH-Studie in Orten vergleichbarer Größe). 40 Prozent kamen mit dem Auto (53 Prozent im Ortsgrößendurchschnitt).
  4. Grund des Besuchs: Warum besuchten Sie die Innenstadt von Überlingen? Zu 37 Prozent zum Einkaufen oder Bummeln, zu 36 Prozent zum Restaurantbesuch und zu fast 23 Prozent zum bloßen Verweilen (Sightseeing). In diesen drei Kategorien gibt es deutliche Abweichungen zum Durchschnitt der Städte in vergleichbarer Größe. Einkaufen und Bummeln gaben hier fast 53 Prozent der Befragten an, 23 Prozent nannten den Restaurantbesuch und nur 14,5 Prozent das Sightseeing. Wirtschaftsförderer Stefan Schneider schließt daraus, dass Überlingen mit den Werten einer historischen Altstadt und einem guten Gastronomieangebot punktet.
  5. Aufenthaltsdauer: Man hält gerne einfach so in Überlingen auf. Das zeigt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer, die ebenfalls über dem Ortsgrößendurchschnitt liegt. Immerhin 27 Prozent, also fast ein Drittel der Befragten, bleiben weniger als eine Stunde, während dies in Überlingen nur 15 Prozent sind. Ein bis zwei Stunden lang verweilen 40 Prozent der Befragten in vergleichbaren Städten, während es in Überlingen 36 Prozent sind. Doch jetzt kommt der große Unterschied: Während in Orten vergleichbarer Größe nur 27 Prozent der Befragten es mehr als 2 Stunden gut aushalten, bleiben in Überlingen 37 Prozent der Befragten mehr als zwei Stunden.