Wieso haben Sie Ihre Meinung weg vom geplanten 300 bis maximal 600 Quadratmeter großen Pflanzenhaus und einem präferierten Platz im Stadtgarten, so der bisherige Stand der Dinge bei der LBU, hin zu der jetzt von Ihnen vorgeschlagenen Alternative geändert?

Das Pflanzbeet der bisher im Stadtgarten gezeigten Kakteenanlage hat etwa 70 Quadratmeter. Für den Neubau eines Pflanzenhauses mit immerhin 600 Quadratmetern Fläche war eine Bausumme von 2,1 Millionen Euro veranschlagt. Unser Pflanzenhaus auf dem Hofgut Rengoldshausen hat bei einer 10-fachen Größe von 6000 Quadratmetern vor zehn Jahren etwa 600 000 Euro gekostet. Da hat sich bei mir überhaupt kein Reifegefühl eingestellt, dass diese Zahlen von Kosten und Nutzen in irgendeinem Verhältnis stehen.

 

Bei meinem Ortstermin in der Stadtgärtnerei zusammen mit Rolf Geiger, dem Leiter des Grünflächenamts Überlingen, wollte ich mit eigenen Augen sehen, ob nicht die Hälfte der Größe auch ausreichend wäre. Hier sind die Pflanzen über den Winter untergebracht. Es zeigte sich mir die ganze Dimension der Sammlung und das ganze Ausmaß des Dilemmas. Es erwarteten mich dort fünf Gärtner mit großen, erwartungsvollen Augen und 1360 Großpflanzen von einem Meter bis zu 5,50 Metern Höhe, dicht zusammengedrängt auf engstem Raum. Die Sammlung beträgt über 5000 Pflanzen. Und wenn wir nur ein Drittel zeigen möchten, ist das Pflanzenhaus mit 600 Quadratmetern bereits voll. Ohne die 100 Quadratmeter, die wir noch für die Kleinpflanzen brauchen. Eine fachgerechte Bepflanzung braucht etwa einen Quadratmeter pro Großpflanze. Ganz zu schweigen davon, dass sich auch Menschen im Pflanzenhaus aufhalten könnten. Auch die Gärtner brauchen Wege, um die Pflanzen zu pflegen. Das alles stellte meine bisherigen Überlegungen quasi völlig auf den Kopf.




Sie sind dafür, dass auch die Überlinger und das Publikum der Landesgartenschau Zugang zu den Pflanzen haben und sich im Pflanzenhaus aufhalten können?

Diese Sammlung wird berühmt werden! Es sind bis zu 100 Jahre alte Kakteen dabei und echte Raritäten, die müssen wir zeigen. Klar, dass wir nicht alle Pflanzen zeigen können. Diese Sammlung stellt eine Bereicherung für uns alle dar, zu der natürlich die Menschen auch Zugang haben sollten. Mir persönlich gefällt der Orangerie-Gedanke sehr gut. Man stelle sich vor: ein kalter Wintertag, blauer Himmel, und dann ein Verweilen im warmen Pflanzenhaus mit Blick auf das glitzernde Wasser des Sees. Traumhaft schön!


 

Womit wir bei einer Kernfrage wären: Sie möchten dieses 1000 Quadratmeter große Gebäude auf das Grundstück neben dem ehemaligen Haus des Gastes erbaut sehen. War nicht gerade die LBU bisher für den Standort im Stadtgarten, um am Seeufer Raum zu lassen für die Natur?

Wir überlegten den Standort der jetzigen Kakteenanlage, das ist aus Denkmalschutzgründen nicht möglich. Dann zogen wir einen Platz hinter dem Rosengarten in Erwägung. Wohl gemerkt, immer ausgehend von maximal 300 Quadratmetern. Hier könnte zwar auch das größere Pflanzenhaus stehen, aber dann ergibt sich nur noch ein schmaler Zugang zum Stadtgarten, der diesem nicht angemessen ist. Als Umland zum Pflanzenhaus fungierte dann praktisch die Bahnhofstraße. Ich meine, dass auf dem von mir vorgeschlagenen Seegrundstück mit seinen 3600 Quadratmetern (aus Sicht von der Promenade links vom ehemaligen Haus des Gastes, Anm. d. Redaktion) genug Raum für das Pflanzenhaus und auch eine angemessene Umgebung vorhanden wären. Souveränen Umraum bietet nur der See.

 


Nimmt man damit dem Stadtgarten nicht seine Attraktivität und schafft außerdem eine neue Fassade entlang des Uferwegs, also genau das, was die LBU auf jeden Fall verhindern will?

Bei dem von mir vorgeschlagenen Haus handelt es sich um einen Glasbau, mir wäre am liebsten eine Kuppel. Durch eine durchlässige und leichte Architektur bleibt der Blick vom See her frei. Ich denke, dass der Stadtgarten auch ohne das Pflanzenhaus mit Rosengarten und so weiter attraktiv genug ist.


 

Wie hoch wäre Ihrer Meinung nach die Bausumme für ein so deutlich größeres Pflanzenhaus?

Nach meinen Recherchen würden wir damit ganz deutlich unter 1 Million Euro liegen. Das wäre bei den jährlich eingesparten 50 000 Euro, die das Umsetzen der Gruppe jetzt kostet, und bei einem Zuschuss von 50 Prozent für das Bauvorhaben doch sensationell.


 

Handeln Sie sich mit Ihrer Meinung jetzt große Probleme in Ihrer Partei ein?

Ich spreche hier, wie gesagt, für mich allein. Ich habe mich auf eine Reise begeben und eine lange Abwägung hat mich zu diesem Ergebnis geführt. Mein Vorschlag entspricht einem Gefühl der Verantwortung für die Pflanzen und einer Vision für uns Menschen.

 

Fragen: Stef Manzini


Zur Person

Walter Sorms ist gelernter Landwirt. Seit 1985 ist er einer der Leiter des Hofguts Rengoldshausen, das unter anderem auf einer Fläche von 200 Hektar biologisch-dynamische Landwirtschaft betreibt. Der Vater von vier Kindern ist seit 2009 im Überlinger Stadtrat für die LBU.