Für viele Waldorfschüler ist es der Höhepunkt ihrer Schulzeit, eine Herausforderung, an der sie gewachsen sind, ja, erst erwachsen geworden sind, wie Marie Kronauer aus der zwölften Klasse versichert. Die Schüler stellten jetzt das Ergebnis ihrer Projektarbeiten der Öffentlichkeit vor.

Waren am Wochenende die Bühnenprojekte Schauspiel, Musik und Bewegung dran, kommen am nächsten Freitag und Samstag, 29. und 30. Februar, zusätzlich Vorträge und Dokumentationen zu den unterschiedlichsten Themen zum Zuge. Mit dem Schauspiel „Räuberhände“ nach dem Roman von Finn-Ole Heinrich begeisterten der 18-jährige Baldouin Bee und der gleichaltrige Jan Samuel Stein das Publikum im großen Saal der Waldorfschule in Überlingen. Ein Jahr lang hatten die beiden geprobt, die Originalfassung gekürzt, seitenweise Text auswendig gelernt, unterstützt von ihrem Projektleiter Christian Reyer-Mattes. Das Zweimannstück begleitet Samuel und Janik, die kurz vor ihrem Abitur stehen, auf ihrer Identitätssuche. Es thematisiert rotzige Jugendsprache, sexuelle Entgleisungen, ein geordnetes Elternhaus bei dem einen, eine heruntergekommene Alkoholikerin als Mutter beim anderen, Chaos, Streit, Dramatik und als Fluchtort Istanbul. „Ich hasse es, dass Eltern die Macht haben, sich immer und überall einzumischen. Man muss sie vergessen, vergraben, oder man wird ewig ihr Kind bleiben“, sagt Janik im Stück.

Als nächster betrat Narek Alaverdian die Bühne, mit seinen 17 Jahren schon ein virtuoser Pianist. Zusammen mit dem Projektleiter und Musiklehrer Andreas Apitz am Bass und Samir Böhringer am Schlagzeug gab es Jazz-Standards. Die 17-jährige Marie Kronauer sang mit feiner, geschulter Stimme Lieder für Frieden und Freiheit wie „I have a Dream“, „Shalom aleichem“ und „Imagine“, unterstützt vom Chor ihrer Projektleiterin Anna Braun. Es ist der Glaube an den Sieg des Guten, Mut zum Widerstand und die Hoffnung auf Befreiung. Zum Motto von Nelson Mandela, „Dich selbst klein zu halten dient nicht der Welt“, passte auch das Projekt von Clara Kaupp, „und die Freiheit in Europa“: Praktische Integrationsarbeit mit Flüchtlingen in Form von Begegnungen, Theater und Gesang.

Drei Tage Staunen über außergewöhnliche Leistungen, viel Beifall von vollbesetzten Rängen, Beispiele einer erfolgreichen Pädagogik, selbstbewusste junge Menschen mit dem Hunger auf ein erfülltes Leben, das ist alljährlich die Projektpräsentation der Waldorfschule. Und dann steht da dieses hellblaue Goggomobil, Baujahr 1967, im Foyer. Sein großer Auftritt ist dann am kommenden Wochenende. Der 17-jährige Sascha Juskoviak hat es in 1000 Stunden mühevoller Arbeit restauriert, frisch lackiert und fahrbereit gemacht, ein Schmuckstück mit seinem 250-Kubik-Motor und 15 PS.

 

Das Programm der Präsentation finden Sie hier:

www.waldorfschule-ueberlingen.de