Eine 1000 Personen starke Delegation aus Überlingen, darunter Vertreter aus 30 Vereinen, reiste am Sonntag von Überlingen nach Lahr: Am letzten Tag der dortigen Landesgartenschau holten sie die offizielle LGS-Fahne ab, gestalteten ein buntes Bühnenprogramm und machten damit Werbung für einen Besuch 2020 in Überlingen.

Die Jugendkapelle sorgt in Lahr für gute Töne.
Die Jugendkapelle sorgt in Lahr für gute Töne. | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

Die Szenerie am Sonntagmorgen rund um den Überlinger Bahnhof wirkte wie an einem Sonntag zur Schwedenprozession. Aus allen Richtungen strömten Trachtenträgerinnen heran, Schwertletänzer, Musikkapellen – und ein Hänsele; außerdem kamen hunderte Überlinger, die einheitlich ein grünes Oberteil trugen, die Farbe der Landesgartenschau.

Trachtenbund macht in Lahr Werbung für Überlingen.
Trachtenbund macht in Lahr Werbung für Überlingen. | Bild: Hilser, Stefan

In 20 Reisebussen war die Delegation unterwegs, zweieinhalb Stunden später strömte das Überlinger Grün auf das 38 Hektar große Gartenschaugelände in der Ortenau. Dieses Grün kam am späten Nachmittag vollends zur Geltung, als die Besucher gemeinsam ein 70 Meter langes Bild vom Bodensee zeichneten.

Vorfreude auf die erste Landesgartenschau am Bodenseeufer: Die Überlinger Delegation bildete am Abschlusstag der LGS in Lahr ein 70 Meter langes Bild vom Bodensee. Bild: Jürgen Heppeler/LGS GmbH
Vorfreude auf die erste Landesgartenschau am Bodenseeufer: Die Überlinger Delegation bildete am Abschlusstag der LGS in Lahr ein 70 Meter langes Bild vom Bodensee. | Bild: Jürgen Heppeler

Lahrs Oberbürgermeister Wolfgang Müller begrüßte die Überlinger "mit gemischten Gefühlen", wie er sagte. „Sie wollen unsere Fahne holen? Doch so leicht wollen wir sie nicht hergeben.“ Ein überzeugtes Rufen hallte ihm entgegen, wie bei einer Rathauserstürmung am Schmotzigen Donnerstag.

Video: Hilser, Stefan

Die Ausmaße des Geländes ist mit Überlingen nicht vergleichbar, es umfasst 38 Hektar, Überlingen 11,5, davon 6 im Bürgerpark. Entstanden ist die LGS Lahr auf ehemals landwirtschaftlich genutzten Ackerflächen, aufgeteilt auf drei Bereiche, den Kleingartenpark (der künftig als Kleingartenanlage genutzt wird), den Bürgerpark (der zu einem Sportpark umgebaut wird) und den Seepark (der dauerhaft bleibt).

Wolfgang Müller wird schweren Herzens an Jan Zeitler die LGS-Fahne übergeben.
Wolfgang Müller wird schweren Herzens an Jan Zeitler die LGS-Fahne übergeben. | Bild: Hilser, Stefan

OB Müller riet den Überlingern zur Gelassenheit. „Alles wird wahr. Sie werden viel ernten für sich und die Stadt.“ Immerhin habe Überlingen schon einen See. „Wir mussten erst einen bauen.“ An diesem See hatte die Landesgartenschau Überlingen GmbH in diesem Sommer eine ständige Vertretung eingerichtet und informierte schon vorab über die nächste Gartenschaustadt.

Das könnte Sie auch interessieren

Unter großem Applaus rief Moderator Reiner Jäckle dann Überlingens Oberbürgermeister Jan Zeitler auf die Bühne. „Der Drang zur Fahne ist große bei uns“, erklärte er. „Wir sind bestens vorbereitet. Wir fiebern dem Ereignis entgegen“, sagte Zeitler und animierte seine mitgereisten Bürgerinnen und Bürger, dies auch akustisch zu belegen. „Wenn Sie mal einen richtigen See sehen wollen“, warb er für die nächste Gartenschau, „dann müssen Sie zu uns kommen.“

Zug der guten Laun, von links: Landrat, OB, OB, Guggevamp.
Zug der guten Laun, von links: Landrat, OB, OB, Guggevamp. | Bild: Hilser, Stefan

Eine Gartenschau sei immer etwas für die Zukunft und für die kommenden Generationen, erklärte Gerhard Hugenschmidt, Präsident der Fördergesellschaft der Landesgartenschauen Baden-Württemberg und „soviel schönes Wetter wie hier wünschen wir auch Überlingen.“ Von der Präsenz Überlingens zeigte sich Hugenschmidt schon einmal überwältigt: „Das ist ja Wahnsinn.“ Diese sei allerdings auch wichtig für das Gartenschauteam und beweise, „wie die Überlinger hinter ihnen stehen“.

Die Trachtenfrauen aus Überlingen, von links: Luisa Randecker, Marga Lenski, Heidrun Dett
Die Trachtenfrauen aus Überlingen, von links: Luisa Randecker, Marga Lenski, Heidrun Dett | Bild: Hilser, Stefan

Mit einer kleinen Delegation aus dem Landratsamt angereist war Landrat Lothar Wölfle. „Das ist Ehrensache“, sagte er. Die Landesgartenschau werde schließlich ein Fest der ganzen Region sein. In seinem Grußwort hatte Wölfle gleich Pflöcke eingeschlagen und für die größte Obstregion Deutschlands am Bodensee geworben.

Der Turnverein macht eine gute Figur.
Der Turnverein macht eine gute Figur. | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

Gelegenheit, die erntefrischen Äpfel zu verkosten, hatten die Gartenschaubesucher am Sonntag auf dem Gelände, wo die Vereine mit Leiterwagen und Obstkisten unterwegs waren. „Das ist ein roter Boskop“, bewies Renate Rösler vom Kneipp-Verein auf Nachfrage von begeisterten Besuchern ihre Sortenkenntnis. Mit Wassergüssen und Qigong hatte der Kneipp-Verein auf der Römerwiese für sein Heilbad am Bodensee geworben. Dort hat Lahr mehrere Baumgruppen angelegt, die der Silhouette einer römischen Villa entsprechen. Um mögliche archäologische Relikte nicht zu gefährden, wurden die Bäume einfach einen Meter höher gelegt

Die Schwertletänzer.
Die Schwertletänzer. | Bild: Hilser, Stefan

Noch etwas früher als die anderen 19 Busse hatte sich die Schwerttanzkompanie schon um 7 Uhr auf den Weg in die Ortenau gemacht. „Auch wenn wir auswärts einen Auftritt haben, nehmen wir vorher möglichst an einer Messe teil“, sagte Fridolin Zugmantel , der erste Platzmeister. Eric Hueber erläuterte dem Publikum die lange Tradition und Frido Zugmantel sagte: „Hoch lebe die Gartenschaustadt Lahr! Hoch lebe Überlingen und die Gäste!“

Christa Nietzel aus Emmendingen war bereits auf der Landesgartenschau in Lahr im Dauereinsatz. Auch bei der LGS in Überlingen will sie ehrenamtlich helfen. Bild: Stefan Hilser
Christa Nietzel aus Emmendingen war bereits auf der Landesgartenschau in Lahr im Dauereinsatz. Auch bei der LGS in Überlingen will sie ehrenamtlich helfen. Bild: Stefan Hilser | Bild: Hilser, Stefan

Für Christa Nietzel aus Emmendingen steht schon fest, dass sie 2020 nach Überlingen reisen wird. Nicht als normale Besucherin, sondern sie will auch dort als ehrenamtliche Helferin tätig werden. Für sie hätte "in der vierten Lebensphase" nichts Besseres passieren können, als sich ehrenamtlich bei der Landesgartenschau in Lahr zu engagieren. An 68 Tagen wirkte sie mit. Sie habe so viele Gäste getroffen, "die frohgemut waren und sich einfach nur gefreut haben".

Repräsentieren den Bodensee, von links: Julia Pfaff-Weber (von Obst vom Bodensee), Sabrina Heiß (Bodensee-Apfelkönigin), Ruth Pietsch (von Obst vom Bodensee) und Pia Dreher (Bodensee-Weinprinzessin).
Repräsentieren den Bodensee, von links: Julia Pfaff-Weber (von Obst vom Bodensee), Sabrina Heiß (Bodensee-Apfelkönigin), Ruth Pietsch (von Obst vom Bodensee) und Pia Dreher (Bodensee-Weinprinzessin). | Bild: Hilser, Stefan

Ähnlich äußerte sich Susanna Hagenmüller aus Kehl, die für Lahr eine Dauerkarte besaß. Die Krankenschwester berichtet, dass sie zuvor die Diskussionen in Kehl mitbekam, als man sich über den Bau einer neuen Rheinbrücke aufregte. Wie in Kehl, so hätte sich jetzt auch in Lahr die Erkenntnis durchgesetzt, dass den Bürgern dauerhaft etwas bleibt.

Video: Hilser, Stefan

Der junge Vater Alexander Wernet, der es wegen der Geburt seiner Tochter in diesem Jahr erst auf den letzten Drücker nach Lahr schaffte, berichtete gestern von ähnlichen Debatten aus seinem Heimatort Neuenburg, wo 2022 die LGS stattfinden wird. "Bei uns gibt es um eine Kleingartenanlage, die umgesiedelt werden soll, Diskussionen." Es gebe gleichermaßen überzeugte Befürtworter der LGS 2022 wie Gegner. Die wenigen Stunden, die er gestern in Lahr war, haben ihn und seine Frau überzeugt. "Es ist für jeden etwas dabei", finden sie.