"Das wird noch ein Chaos", prophezeit Organisator Markus Dufner kurz vor 11 Uhr. Der erste Kunde des Überlinger Herbstes mit verkaufsoffenem Sonntag und Aktionstag des Wirtschaftsverbundes Überlingen (WVÜ) ist ausgerechnet Herbststurm Herwart: Kaum sind Schautafeln und Stehtische aufgestellt, bläst sie der Sturm schon wieder um oder weht sie davon. Für den Mittag wird zudem noch Regen erwartet. Doch am Ende wird Dufner für sich und den veranstaltenden WVÜ doch noch eine positive Bilanz ziehen – die Besucher kamen trotz Kälte und Regen.

Nicht unbedingt ideale Wetterbedingungen für einen verkaufsoffenen Sonntag, von dem ohnehin nicht alle Einzelhändler angetan sind: "Ich mach das nur aus Solidarität" sagt einer, der seinen Laden in der Altstadt hat, "das rentiert sich für mich nicht, das ist ein verlorener Tag." Auch einige andere Einzelhändler berichten Ähnliches. Die Zahl der Besucher mit Einkaufstüten ist an diesem Sonntag in der Tat sehr übersichtlich. Aber das liegt auch an dem Wetter. Bei OBI im Industriegebiet ist man indes zufrieden: "Wir hatten viele Besucher" heißt es kurz vor 17 Uhr an der Kasse. Das könnte aber auch an dem Rabatt gelegen haben, den es an diesem Tag gab. Beim Schnäppchenmarkt Thomas Philipps in der so genannten "neuen Mitte" lief es ebenfalls gut, auch hier gab es viel Rabatt. Dort fand zudem auch der große Flohmarkt statt, aber der war dieses Jahr nicht wirklich gut besucht.

Als Highlight auf dem Genießermarkt auf der Hofstatt entpuppt sich der Glühwein: "Vorglühen für Weihnachten" sagt ein Besucher, ein Bier wollte er bei dem Sturm und dem Regen nicht trinken, "da fliegt einem doch der Schaum weg." Zur Eröffnung um 11 Uhr spielt die Musikkapelle Nußdorf, Wäscheklammern zum Festhalten der Musiknoten waren unentbehrliches Utensil. Das Überlinger Kreativhaus in Zusammenarbeit mit dem Montessori-Kindergarten war um das Münster vertreten, doch der Zuspruch hielt sich in Grenzen. "Das ist kein Wetter für Kinder", kommentiert eine genervte Mutter, sie geht noch einmal mit ihren Kindern Karussell fahren, und macht sich dann wieder auf den Heimweg. Den vielleicht besten Platz haben Jumbo und Thommy: Die beiden Musiker spielen im Torbogen des Franziskanerturms, doch Zuhörer gibt es keine. Dabei spielen sie schon langsamer, wegen des Tempolimits, wie Jumbo scherzt. Dann stimmen sie das Lied des Tages an: "Have you ever seen the rain?"

Auf der Promenade tat sich sowieso nicht viel, denn die ist gesperrt wegen der Baustelle. Am Landungsplatz werden indes Oldtimer präsentiert, deren Scheibenwischer werden zum wichtigsten Utensil bei den Ausfahrten.

Trotz Regens wird die sonst viel befahrene Christophstraße zum Laufsteg. Die Jailhouse Jazzmen spielen bei Nikola Fischer Brautmoden und dem Wetter zum Trotz gibt es eine Modenschau im Freien auf der Straße: "Die Modenschau mit Inklusion von Behinderten war unser Highlight" sagt Nikola Fischer im Anschluss. Im Sturm und Regen sehen die Models Xenia, Daria und Melanie toll aus, aber auch verfroren. Dennoch verdienen sie sich viel Applaus.

Gisela und Ivan, Getränkeverkäufer: "Es hätte schlimmer kommen können."
Gisela und Ivan, Getränkeverkäufer: "Es hätte schlimmer kommen können." | Bild: Dieter Leder
Die frierende Linda trotzt dem Sturm auf dem Genießermarkt.
Die frierende Linda trotzt dem Sturm auf dem Genießermarkt. | Bild: Dieter Leder
"Wir sind heute hier, um neue Winterjacken zu kaufen."Heike Winder, Besucherin aus Hagnau.
"Wir sind heute hier, um neue Winterjacken zu kaufen."Heike Winder, Besucherin aus Hagnau. | Bild: Dieter Leder
"Wir haben hier ja sowieso jeden Sonntag geöffnet."Michaela Kamke, Verkäuferin in einer Bäckerei.
"Wir haben hier ja sowieso jeden Sonntag geöffnet."Michaela Kamke, Verkäuferin in einer Bäckerei. | Bild: Dieter Leder
"Wir funktioniert auch ohne Autoverkehr in der Altstadt."Nikola Fischer, Einzelhändlerin.
"Wir funktioniert auch ohne Autoverkehr in der Altstadt."Nikola Fischer, Einzelhändlerin. | Bild: Dieter Leder

"Unterm Strich doch positiv"

Am Ende eines Verkaufsoffenen Sonntags, der so kalt und regnerisch war wie seit vielen Jahren nicht mehr, zieht Organisator Markus Dufner Bilanz.

Wie war es heute?

Alle waren positiv überrascht. Meine Prognosen waren schlecht, wegen dem Wetter. Ich persönlich wäre zuhause geblieben, mir war es zu kalt. Der Genießermarkt und auch die Oldtimershow waren natürlich beeinträchtigt durch das Wetter, das war sehr schade. Aber die Händler waren rundum zufrieden. Ich habe sehr viel positive Resonanz bekommen. Und auch die Kunden waren wohl zufrieden. Ich habe viele glückliche Besucher gesehen. Unterm Strich würde ich die Veranstaltung als positiv bewerten.

Die schönste Überraschung?

Dass die Leute doch in die Stadt gekommen sind, trotz dem Wind und Regen. Das hat mich am meisten überrascht.

Gibt es nächsten Jahr Veränderungen?

Ja, auf alle Fälle: Das Wetter....

Fragen: Dieter Leder