„Doch, die Saison verlief wirklich sehr gut, besser, als ich erwartet hätte.“ Ein Lächeln huscht über das Gesicht von Johanna Siebler vom Leichtathletik-Club (LC) Überlingen, wenn sie an das zurückliegende Jahr denkt. Die 17-Jährige belegte bei der U18-Weltmeisterschaft im Juli in Nairobi in Kenia den zweiten Platz im Siebenkampf, der Königsdisziplin der Leichtathletinnen, mit 5602 Punkten; außerdem wird sie in der Weltrangliste mit 5756 Punkten auf Platz zwei geführt. Doch das ist noch nicht alles: Bei der Deutschen Meisterschaft in Filderstadt-Bernhausen im August wurde sie mit 5389 Punkten erneut Deutsche Meisterin, und das zum dritten Mal in Folge, trotz starker Konkurrenz. „Dies gelang in den vergangenen Jahren keiner Jugendathletin in Deutschland. Sie führt die Deutsche Bestenliste mit knapp 300 Punkten Vorsprung an“, freut sich ihr Vater Bernd Siebler, Diplomsportlehrer und Vorsitzender des LC Überlingen. Er trainiert Johanna seit 2009. „Johanna übertraf alle gesteckten Saisonziele deutlich und verbesserte fast alle persönlichen Bestleistungen. In fünf Disziplinen ist sie in der Deutschen Bestenliste unter den Top 10; in sechs Disziplinen führt sie die Badische Bestenliste an, was ihre Vielseitigkeit beweist“, sagt er. Das sei die Krönung einer hervorragenden Saison und ein weiterer großer Schritt in der Karriere der jungen Bundeskaderathletin gewesen.

Es war im Jahr 2005, als Johanna Siebler mit der Leichtathletik in Salem erstmals in Berührung kam: Seinerzeit trainierte dort ihr älterer Bruder und Vorbild Jakob. Drei Jahre später hatte sie ihren Wettkampf. „An der Leichtathletik mag ich, dass das Training draußen ist, wodurch man immer frische Luft bekommt, und dass sie abwechslungsreich ist“, sagt die 17-Jährige. Betätigte sie sich anfangs nur einmal pro Woche sportlich, so hat sich das nach und nach gesteigert. Bis zu sechs Mal die Woche trainiert die gebürtige Deisendorferin täglich zweieinhalb Stunden, jetzt im Winter etwas weniger. Dienstags ist sie in der Kreissporthalle, mittwochs und donnerstags in der Wiestorhalle anzutreffen, „ansonsten muss ich gucken, wo wir trainieren“. Denn die Trainingsbedingungen seien in Überlingen zurzeit nicht optimal, sagt sie. „Ins Stadion Ob der Mühlen können wir wegen der Bauarbeiten zurzeit nicht“, bedauert sie. Deswegen weiche sie unter anderem auch nach Deisendorf auf den Fußballplatz aus. Ein reines Sprinttraining sei aber nur in der wärmeren Jahreszeit möglich, in Überlingen seien die Hallen dafür zu kurz. Deshalb geht es immer wieder in die Leichtathletikhallen nach Stuttgart oder München. Die Schule leidet durch ihren intensiven Sport nicht, davon ist Johanna Siebler überzeugt. Sie besucht in Meersburg die elfte Klasse des Droste-Hülshoff-Gymnasiums und sieht es als Vorteil, dass sie hier nicht wie im regulären Gymnasium das Abitur nach der zwölften Klasse machen muss. „Dadurch ist einfach mehr Zeit.“ Und dann? „Irgendwas mit Medizin studieren.“

Über 100 Meter Hürden steht Johanna Sieblers persönliche Bestlesitung bei 13,82 Sekunden.
Über 100 Meter Hürden steht Johanna Sieblers persönliche Bestlesitung bei 13,82 Sekunden. | Bild: Privat

Rückblickend auf die Weltmeisterschaften in Nairobi sagt sie, beeindruckend sei die Kulisse von bis zu 60 000 Zuschauern gewesen, die sie richtig angefeuert hätten. „Das habe ich so noch nie erlebt.“ Da sie aber von einer Trainerin betreut worden sei, die sie fast nicht gekannt habe, habe sie ihre Bestleistungen nicht abrufen können, bedauert ihr Vater. „Es gab ein paar Höhen und Tiefen“, ergänzt Johanna Siebler. So akkreditiere der Deutsche Leichtathletikverband als einziger Verband der Welt nicht die Heimtrainer. Bernd Siebler sagt: „Gerade im Mehrkampf ist das alles andere als leistungsfördernd.“ Trotzdem sei Johanna mit nur zehn Punkten Rückstand Vizeweltmeisterin geworden.

In dieser Saison ist Johanna Sieblers Ziel die Teilnahme an der Leichtathletik-U20-Weltmeisterschaft vom 10. bis 15. Juli im Ratina-Stadion in der finnischen Stadt Tampere. Als jüngerer Jahrgang wird sie um das Ticket aber erst wieder kämpfen müssen – schließlich ist die Konkurrenz groß. Deshalb hat die Vorbereitung bereits intensiv begonnen. Die für die Teilnahme vorgeschriebene Punktzahl möchte sie schon vor den deutschen Meisterschaften Anfang Juni in Bernhausen erreichen. „Mal sehen, wie's läuft“, lächelt Johanna Siebler. Für sie wäre es eine besondere Anerkennung, Sportlerin des Jahres in Überlingen zu werden. „Es wäre auf jeden Fall eine Ehre.“

Zur Person

  • Johanna Siebler: Die 17-Jährige Sportlerin des Leichtathletik-Clubs Überlingen ist Bundeskader-Athletin seit 2016, derzeit im C-Bundes-Kader. Sie hat im Vorjahr in ihrer Altersklasse herausragende Erfolge erzielt. Bei der Weltmeisterschaft in Nairobi in Kenia am 14. und 15. Juli wurde sie im Siebenkampf Vizeweltmeisterin mit 5602 Punkten. Wie schon in den beiden Vorjahren wurde sie im August im Siebenkampf Deutsche Meisterin. Sie ist Nachwuchsathletin der Jahre 2014 bis 2017 des Leichtathletik-Bezirks Hegau-Bodensee und erhielt 2016 den Talentförderpreis der Stadt Überlingen. In der aktuellen Weltrangliste belegt Johanna Siebler mit 5756 Punkten den zweiten Platz.

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