Der Kapuziner darf nicht mehr betreten werden. Die Narrenzunft Überlingen (NZÜ) war der erste der Veranstalter, welchen die Hiobsbotschaft aus dem Rathaus erreichte. Das war Mitte Dezember. Damit waren die Jugendfeten für die 14 bis 18-Jährigen schlagartig in Frage gestellt, die die Zunft gemeinsam mit dem städtischen Jugendreferat seit rund zehn Jahren am Schmotzingen Dunschdig, Fasnetssamstag und Fastnachtsmontag Feten für jeweils rund 600 Mädchen und Jungen veranstaltete und diese so von der Straße holte.

"Der Kapuziner hat dermaßen massive Schäden, dass wir ihn mit sofortiger Wirkung sperren mussten", bestätigt Baubürgermeister Matthias Längin auf SÜDKURIER-Anfrage. Bei einer Untersuchung durch einen Statiker hätten sich vor allem am Dachstuhl und an den Giebelseiten grobe Schäden offenbart. Auch der Putz sei sehr in Mitleidenschaft gezogen. "Sie müssen nur einmal mit der Hand an der Wand entlang fahren und schon bröckelt der Putz ab", sagt Längin. Erste Notsicherungsmaßnahmen seien sofort im Dezember erfolgt. Die Sperrung des historischen Gebäudes habe man den Organisatoren von geplanten Veranstaltungen im Kapuziner umgehend mitgeteilt.

Kaum vier Wochen später hatte Narrenvater Thomas Pross jetzt für die Narren- und Hänseleräte in der Dreikönigssitzung am Montagabend eine teilweise gute Nachricht. Zumindest für Donnerstag und Montag habe man "tolle Lösungen" gefunden. An diesen beiden Tagen finden die Jugendfeten, wieder in Zusammenarbeit mit dem Jugendreferat, im Kursaal statt. Das habe die Zunft bereits mit dem Betreiber des Bad Hotels vereinbart. "Noch keine Lösung haben wir für den Samstagabend." Dafür seien die beiden Feten im Kursaal aber auch von der Kapaziät her deutlich größer als vorher im Kapuziner. "Insofern hoffen wir, dass da die Jugend abfeiern kann und möglichst wenig draußen stehen muss", sagte Pross. Und: Vielleicht ergebe sich noch etwas für den Samstag, man sei in Gesprächen.

Auch am Putz sind deutliche Schäden vorhanden.
Auch am Putz sind deutliche Schäden vorhanden.

"Uns wurde im Dezember bekannt gegeben von der Stadt, dass der Kapuziner nicht mehr betreten werden darf, da hier einige Balken nicht mehr halten – oder nach einer Untersuchung nicht mehr berechnungsfähig sind, sagen wir mal so", referierte Narrenvater Pross, der im Zivilleben Architekt ist, den rund 40 Narren- und Hänseleräten in der Zunftstube. Die Situation habe sich ja angebahnt, nachdem bereits im November bekannt wurde, dass in der ehemaligen Kapuzinerkirche Untersuchungen laufen würden. Da habe er so etwas schon vermutet. Denn wer mit neuesten Berechnungsmethoden an ein 600 Jahre altes Dach herangehe, könne dessen statische Sicherheit nicht nachweisen, ohne dass man etwas daran mache.

Auch wenn die Nachricht, dass der Kapuziner ausfällt, die Zunft kurzfristig aus dem Rathaus erreichte, hatte Pross Lob für OB Jan Zeitler. Mit ihm und seiner Mitarbeiterin Adelheid Hug hatten Pross und weitere Vertreter der Zunft am Montagnachmittag, kurz vor der Dreikönigssitzung, eine Besprechung. "Herr Zeitler hat uns seine Unterstützung zugesagt, auch ihm liegt sehr daran, dass wir für die Jugendlichen ein Angebot schaffen."

Auch die aus dem früheren Hänseleball entstandene Narrensause wird in ihrer dritten Auflage am Freitag, 2. Februar, 20 Uhr, nicht im Kapuziner stattfinden wie die beiden ersten Narrensausen. Hänselerat Jens Choinowski und seinen Mitstreitern sei das angesichts der laufenden Untersuchungen in der Kapuzinerkirche zu unsicher gewesen, sagt Pross, deshalb hätten sie sich schon Ende November entschieden, ins Dorfgemeinschaftshaus Nußdorf auszuweichen. Aus Sicht der Hänseleräte ist das "verbunden mit großen Vorteilen: Es ist warm und die Toiletten sind im Haus."

Doch wie geht es weiter mit dem Kapuziner? Die Stadt wolle in der ersten Jahreshälfte ein Sanierungskonzept erstellen, erklärt Baubürgermeister Längin. Noch im Januar sei eine Besichtigung mit dem Gemeinderat geplant, bei der die Stadträte über die die Schäden detailliert informiert werden sollen. "Ziel ist es, die Dachsanierung bis Ende 2018 fertig zu stellen", sagt Längin. Welche weiteren Maßnahmen darüber hinaus notwendig sind, werde sich erst nach Fertigstellung des Sanierungskonzept ergeben.

Was passiert mit den Veranstaltungen im Sommer?

  • Kultur imKapuziner: "Es ist eine Katastrophe", sagt Organisator Reinhard Weigelt, der vor drei Wochen von der Stadt informiert wurde, dass ihm die Kapuzinerkirche in diesem Jahr nicht für sein Kleinkunstfestival zur Verfügung steht. Er befinde sich aber in guten Gesprächen mit der Stadt für einen Alternativstandort. Um die Verhandlungen nicht zu gefährden, will er konkrete Ideen noch nicht verraten. "Ich vertraue auf die Verwaltung und den Oberbürgermeister, dass wir gemeinsam eine gute Lösung finden." Geht es nach Weigelt, muss schon bald ein Ergebnis feststehen, "spätestens Ende Januar". Zwar habe er das Programm für das diesjährige "Kultur im Kapuziner" bereits zusammengestellt und Verträge mit den Künstlern abgeschlossen, für seine wirtschaftliche Planung sei er aber darauf angewiesen, mit welchen Zuschauerkapazitäten er rechnen könne und welche Zusatzleistungen eventuell anfielen. Neben der Eisbahn ist das Kleinkunstfestival die wichtigste Einnahmequelle für den Eventmanager.
  • Sommertheater: "Wir sind am rotieren", sagt auch Thomas-Michael Becker, Vorsitzender des Fördervereins Sommertheater. Seit der Verein im Dezember davon erfahren habe, dass der Kapuziner auch im Sommer gesperrt sein wird, folge eine Krisensitzung auf die nächste. Ganz überrascht ist Becker von der nun anstehenden Sanierung aber nicht. Als er hörte, dass Statiker die ehemalige Kirche untersuchten, habe er das Gespräch mit den beiden Architekten gesucht, die die jüngsten Sanierungsarbeiten am Kapuziner 2004/05 und 2014/15 geleitet hatten. Laut Becker hätten beide Architekten der Stadt schon damals mitgeteilt, dass am Dach der Südseite Handlungsbedarf bestehe. Vonseiten der Stadt habe es aber geheißen, es fehle das Geld. Trotz der jetzigen Sperrung zeigt sich Becker optimistisch, dass es auch in diesem Jahr ein Sommertheater geben wird. Die Idee des Vereins: Die Aufführungen werden in den Badgarten verlegt. "Allerdings brauchen wir hier eine gute Überdachung", sagt der Vorsitzende mit Blick auf das Wetter. Um in die Planung einsteigen und eine entsprechende Bühne und Tribüne anmieten zu können, brauche der Verein aber eine baldige Zusage der Stadt. "Ich hoffe, dass wir unserer Mitgliederversammlung am kommenden Montag schon Genaueres sagen können." (mde)