Im Cristallo, dem Eiscafé nah am Münster, treffen wir Günter Hornstein, er ist mit dem Fahrrad gekommen. Der CDU-Stadtrat und Polizist spricht über Sport und christliche Werte. Er findet offene Worte über die Macht und Ohnmacht bei seiner Arbeit im Überlinger Gemeinderat, die sich in völlig anderer Relation auch widerspiegelt, wenn er als Polizist die Nachrichten im Fernsehen anschaut.

Entspannt sei er mittlerweile meistens im Gemeinderat, aber das sei früher anders gewesen, sagt Hornstein. Der CDU-Politiker sitzt seit 25 Jahren am Überlinger Ratstisch. Er greift den Begriff „Silberhochzeit“ auf. Ähnlich wie in einer guten Ehe seien ihm persönliche Gespräche sehr wichtig. Er „schieße“ nicht mehr so in ein Thema rein wie als junger Stadtrat, erlebe die Euphorie bei neuen Kandidaten und sehe sich selbst prinzipiell als optimistischen Realisten. „Vieles erklärt sich durch persönliche Gespräche und man kommt damit weiter. Ich lasse mich auch mal vom Gegenteil überzeugen und ändere dann meine Meinung noch direkt am Ratstisch“, bekennt Hornstein. Heute herrsche ein menschlich gutes Einverständnis im Rat. Man bräuchte einander, es käme nicht mehr nur auf eine oder zwei Stimmen an, erklärt der Stadtrat, das wäre früher oft der Fall gewesen. Die neuen Medien trügen jetzt dazu bei, dass man Sachverhalte schneller kommunizieren könne, so Hornstein. „Das erleichtert uns schon enorm unsere Tätigkeit“. Dem CDU-Stadtrat ist es auch wichtig, dass man sich spätestens bei dem Treffen der Räte nach den Sitzungen, der sogenannten Nachsitzung, wieder zusammenraufe, betont Hornstein. Privat käme er gut mit fast allen Stadträten klar, egal von welchen Parteien.

Keine schlaflosen Nächte

Schlaflos wäre er eigentlich nie nach einer Gemeinderatsitzung. Hornstein kann nach eigenen Worten politisch und dienstlich gut abschalten. „Nach dem Stadtrat brauche ich noch eine halbe Stunde, da höre ich meistens Musik und dann ist gut, auch beim Sport kann ich gut abschalten“. Selbstverständlich gebe es Themen, die ihn emotional mitnehmen würden, diese bespreche er dann im Familienkreis. Das wären aber meist Themen, die mit der Überlinger Stadtpolitik nichts zu tun haben, wie die aktuellen Missbrauchsfälle im niedersächsischen Hameln. Die Geschehnisse dort berührten ihn so sehr, dass er das Fernsehgerät dann sogar ausschalten müsse. „So was will ich gar nicht wahrhaben, da fühle ich mich machtlos“.

Erleichterung im Nachhinein

Politisch halte er ja oft die Macht in Händen und nicht immer entpuppte sich eine gefällte Entscheidung im Nachhinein auch als richtig. „Bei der Therme waren die Gegner des Thermenbaus am heutigen Standort im Irrtum, sie wollten ja im Industriegebiet bauen. Jetzt zweifelt schon lange niemand mehr an, dass die Therme ein Riesen-Erfolg ist. Das macht mich stolz, denn ich war ja von Anfang an dafür“. Bei der Entscheidung das Krankenhaus in Überlingen zu behalten, die er mit „mulmigem Gefühl“ mitgetragen habe, sei seine Erleichterung im Nachhinein riesengroß gewesen. „Hoffentlich geht das gut“, mit dieser Frage gehe er bei manchen Entscheidungen nach Hause und verlasse sich dann ab und zu auch auf Gutachter, manchmal entgegen der eigenen Überzeugung. „Wenn dann etwas schiefgeht wie bei der Schulmensa, ich war gegen eine eigene Mensa für jede Schule, dann ärgert mich das im Nachhinein schon. Wichtig ist aber dann, den gleichen Fehler nicht zweimal zu machen“.

Machtlos fühlt sich Günter Hornstein in der Frage der Bauentwicklung in der Stadt. „Bezahlbarer Wohnraum ist ein Schlagwort und das treibt mich schon lange um, ohne das ich bis jetzt konkrete Lösungen habe“, bekennt der Stadtrat.

Wirbt für Engagement

Engagiert gibt sich Hornstein bei seinem Werben für die Stadtpolitik. „Die Linke und die AfD schließe ich zwar aus, aber ich möchte die Bürger für eine politische Tätigkeit gewinnen. Hier kann man aktiv mitmachen, etwas gestalten und verändern. Es lohnt sich und ohne ein bürgerschaftliches Engagement in den Städten und Gemeinden wäre unser Land nicht denkbar“, sagt Hornstein. Christlich sei er getauft und erzogen, bekennt der Katholik, ohne zu verheimlichen, dass er nicht so oft in die Kirche ginge. Dennoch räumt er ein, nicht mit allem in der katholischen Kirche einverstanden zu sein. „Das ist wie mit der CDU, aber das meiste stimmt eben für mich“.

Anstrengende Verkehrsdebatte

Anstrengend nennt Günter Hornstein die jahrzehntelange Verkehrsdebatte in der Stadt. „Demokratie ist eben auch mal anstrengend, aber sie ist gut“. Nun hoffe er sehr, diese Debatte zum letzten Mal im Wahlkampf zu führen, und nennt seine Haltung dazu verhalten optimistisch. Es gebe bei diesem Thema so viele verschiedene Interessen zu berücksichtigen, dies mache es so schwer und langatmig. „Außerdem ist es bei der Verkehrsdebatte ja wie beim Fußball, jeder hat Ahnung davon und redet mit“, schmunzelt Hornstein. Der Stadtrat ist seit 30 Jahren im Vorstand des FC 09 Überlingen.

Vorfreude auf Landesgartenschau

Freudig erwartet der Politiker die Landesgartenschau. „Für mich auch ein Grund wieder zu kandidieren, denn ich möchte schon als Stadtrat Anteil daran haben, wie nun alles umgesetzt wird“, erklärt Hornstein. Wenn er vom Westen in die Stadt komme, freue er sich über die Weite und den unverstellten Blick auf den See. Den Bürgerpark nennt Hornstein einen großen Gewinn für die Stadt, auch darauf freue er sich sehr.