Könnte das Aus für das Wasserkraftwerk am Mantelhafen noch eine positive Wendung nehmen? Die fehlende Transparenz bei der unternehmerischen Entscheidung des Stadtwerks am See, die im Juni 2017 gefallen war, wirbelte seit einigen Wochen viel Staub auf und beschäftigte viele Überlinger Bürger, die dem historischen Kleinod ökologischer Energiegewinnung nachtrauern. Nun überraschte Geschäftsführer Alexander-Florian Bürkle mit der Information, dass das Stadtwerk als Eigentümer des Andelshofer Weihers diesen der Stadt zum Kauf angeboten habe. Die Kommune habe jedoch dankend abgelehnt.

Betrieb des Wasserkraftwerks unwirtschaftlich

Nach 30-minütigen Ausführungen von Alexander-Florian Bürkle im Anschluss an seinen Geschäftsbericht

vom Stadtwerk am See ("Ich denke, diese Zeit sollten wir uns hier nehmen") schien es bereits, als könne man die zuvor schlecht kommunizierte Geschichte ad acta legen. Bürkle hatte Gemeinderat und Zuhörern

die Unwirtschaftlichkeit eines weiteren Betriebs nach einer Instandsetzung der Druckleitung für 3 Millionen Euro und bei einem laufenden Defizit von 150 000 Euro pro Jahr noch einmal herausgestellt, das eigene Interesse an ökologischer Energiegewinnung jedoch bekräftigt.

Gebäude hat als Kulturdenkmal Bestand

Das Gebäude am Mantelhafen sei ein Kulturdenkmal und habe Bestand, betonte der Geschäftsführer, auch wenn unmittelbar nach den Artikeln im SÜDKURIER schon die erste Immobilienmaklerin angerufen habe.

Als Stadträtin Marga Lenski (LBU/Grüne) das Interesse mehrerer Ratsfraktionen zumindest an einer "reversiblen", einer rückgängig zu machenden Verfüllung der Druckleitung fokussierte, war es Stadtrat und Baufachmann Ingo Wörner (FDP), der auf Bitten Bürkles die Funktionalität des Materials Betonit erläuterte. "Dieses Material ist fließfähig, füllt alle Lücken aus, ist aber tragfähig wie Beton", betonte Wörner. Wenn "ein Wahnsinniger" in hundert Jahren vielleicht wieder an diese Leitung heranwollte, hätte er die Möglichkeit, diese wieder aufzubohren, "anders als bei Beton".

Gemeinderäte vom Übernahmeangebot überrascht

Völlig überrascht waren die Gemeinderäte, als Bürkle von einem Übernahmeangebot für den Andelshofer Weiher an die Stadt berichtete, das jene abgelehnt habe. "Ist das aus Ihrer Sicht ein Geschäft der laufenden Verwaltung?", wandte sich Marga Lenski rhetorisch an Oberbürgermeister Jan Zeitler. "Ich hätte zumindest erwartet, dass wir darüber Bescheid wissen." Es gebe sicher geeignetere Institutionen als die Stadt, die so einen Weiher übernehmen könnten, sagte Zeitler. Er brachte die Heinz-Sielmann-Stiftung ins Spiel.

Zweimal habe der Oberbürgermeister "zwischen Tür und Angel" eine kurze Andeutung gemacht, erinnert sich auf Nachfrage Biologe Peter Berthold, Repräsentant der Sielmann-Stifung am Bodensee. Da werde demnächst jemand auf die Stiftung zukommen. "Doch mehr weiß ich nicht."

Berthold: Keine Käseglocke über den Weiher stülpen

In der Regel erwerbe die Stiftung kein Eigentum, betont der Biologe. Doch es gebe schon Ausnahmen. Dabei sieht Berthold in dem vor nahezu 100 Jahren angelegten Stauweiher durchaus ökologisches Entwicklungspotenzial. Auf keinen Fall würde Berthold eine "Käseglocke" über den Weiher stülpen, sondern zwischen Naturschutz und Nutzung halbe, halbe machen. "Man könnte vielleicht den Wasserspiegel etwas absenken und noch ein, zwei Inseln einrichten, auf denen sogar Seeschwalben brüten könten", formuliert der Biologe adhoc einige Ideen.

Noch warnt das Badeverbotsschild vor plötzlich schwankendem Wassertspiegel. Doch diese Gefahr ist nach Einstellung des Wasserkraftwerks gebannt.
Noch warnt das Badeverbotsschild vor plötzlich schwankendem Wassertspiegel. Doch diese Gefahr ist nach Einstellung des Wasserkraftwerks gebannt. | Bild: Hanspeter Walter

Die andere Hälfte könnten weiterhin die Angler nutzen. "Ich denke, man könnte sogar eine Ecke zum Baden einrichten", erklärt der Billafinger, der sich noch an eigene Badefreuden in den 1950er Jahren erinnert. "Ich bin derzeit im Lande und ansprechbar."