Rund 30 auf 20 Meter in der Grundfläche und fast 10 Meter hoch: Mit diesen Maßen baut die Stadt im Kurgarten ein Pflanzenhaus, es kostet eine Million Euro und wird zu 50 Prozent vom Land bezuschusst. Es erfüllt zwei Zwecke erfüllt: Erstens soll es während der Landesgartenschau 2020 dem Land Baden-Württemberg als Treffpunkt und Pavillon dienen. Zweitens nach 2020 als Daueranlage für Überlingens Kakteen, die bisher zwischen Sommer- und Winterstandort transportiert werden mussten, was für die Stadtgärtner gefährlich und die Pflanzen schädlich war.

Nein von Krezdorn und Biniossek

Der Gemeinderat gab der holländischen Firma Smiemans in seiner Sitzung am Mittwochabend mit großer Mehrheit den Zuschlag. Gegenstimmen kamen von Ulrich Krezdorn (CDU) und Roland Biniossek. Während die Mehrheit des Gemeinderats den Entwurf als gelungen oder zumindest brauchbar bewertete, konnten sich Krezdorn und Biniossek mit der Optik nicht anfreunden und forderten dazu auf, sich weitergehende Gedanken zu machen.

Für eine neue Diskussionsrunde wäre es aus Sicht von Rolf Geiger, dem Leiter des Grünflächenamts, jetzt zu spät. "Die Zeit drängt. Wir warten seit vielen Monaten darauf, dass es endlich weitergeht."

So sah der preisgekrönte Entwurf aus, der aber nicht kommt, weil zu teuer und technisch nicht umsetzbar. Bild: Schaltraum Architekten
So sah der preisgekrönte Entwurf aus, der aber nicht kommt, weil zu teuer und technisch nicht umsetzbar. Bild: Schaltraum Architekten | Bild: Schaltraum Architekten, Hamburg

Nachdem vor über vier Jahren, im Juli 2014, der Siegerentwurf eines Hamburger Architekturbüros gekürt wurde, stellte sich später heraus, dass er weder bezahlbar ist, noch dass er technisch funktioniert. Gedacht war ursprünglich an eine Balkenfassade, die optisch mit dem gegenüber liegenden Parkhaus korrespondieren sollte. In der Übergangszeit von OB Becker auf OB Zeitler verkündete Bürgermeister Längin im Januar 2017, dass die Stadt sich das Pflanzenhaus komplett sparen werde, das Projekt gestoppt habe. Das war eine eigenmächtige Entscheidung Längins, die der frisch gekürte OB Jan Zeitler im Februar 2017 wieder kassierte. Fortan galt es, mit dem Kostenrahmen von einer Million Euro klar zu kommen und eine technisch einwandfreie Lösung zu präsentieren, und zwar mit Blick auf die LGS 2020.

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Auf Funktion geachtet, weniger auf Optik

Diese Vorgabe zu erfüllen, war gar nicht so leicht, wie Rolf Geiger im Gemeinderat am Mittwoch vortrug. Man hatte schon Sorge, dass sich auf die "Funktionalausschreibung", die, wie der Name schon sagt, die Funktion und weniger die Optik im Blick hat, und die den Kostenrahmen strikt eingrenzt, gar kein Anbieter melden würde. Letztlich lagen aber drei Angebote auf dem Tisch, von dem nach Bewertung durch ein Fachbüro und durch die Expertise des Grünflächenamts noch ein Anbieter aus Holland übrig blieb, die Firma Smiemans.

Der Konkurrenzentwurf eines unterlegenen Bieters. Bild: Stadt Überlingen
Der Konkurrenzentwurf eines unterlegenen Bieters. Bild: Stadt Überlingen

Die Mitbewerber, so die Zusammenfassung Geigers, erhielten Punkteabzug, weil sie den Kostenrahmen sprengten oder Glasscheiben mit zu geringem Lichtdurchlass anboten, weil sie eine zu massive Architektur angeboten oder schlicht zu niedrig gewesen seien, um den hohen Kakteen Platz zu bieten. Nicht zuletzt wurden Glashäuser geboten, die nur mit hohem Aufwand gereinigt werden hätten können oder deren technisches Konzept bislang nicht erprobt war.

"Gute Raumwirkung"

Der positiven Würdigung Geigers und des Fachbüros, was das Angebot aus Holland betrifft, schloss sich die große Mehrheit des Gemeinderats an. Geiger: Die Kubatur entspreche am ehesten den Vorgaben, zugleich gebe es im Süden Platz für eine Terrasse, die dreischiffige höhengestaffelte Bogenanlage wirke wie eine Basilika und sei dennoch "eine elegante Erscheinung mit einer guten Raumwirkung", die sich städtebaulich einfüge. Außerdem gefielen die konstruktiven Elemente, die wohl proportioniert seien. Aus Sicht des Grünflächenamts überzeugten die größeren Glaselemente und der geringere Aufwand für Wartung und Reinigung. Die Technik mit Lüftungsklappen auf zwei Ebenen sei andernorts erprobt worden.

Maximal eine Million Euro

Auf einer Million Euro netto deckelte die Stadt die Kosten. Hinzu kommen 39 000 Euro für den Bau eines im Pflanzenhaus integrierten Gebäudetrakts, in dem Teeküche, Heizanlage oder Toiletten unterkommen. Dieser Kubus könne wie eine Tribüne betreten werden und für Veranstaltungen oder Ausstellungen genutzt werden, stellte Geiger in Aussicht. Auf Antrag von Ralf Mittelmeier (FWV) wird geprüft, diesen Kasten nicht wie vorgeschlagen an der Nordseite zu platzieren, sondern an der Seitenwand zum Haus des Gastes hin, so dass man von der Bahnhofstraße aus durchs Glashaus auf den Bodensee blicken könne.

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