Als der Pfarrgemeinderat der Seelsorgeeinheit Überlingen Anfang Oktober entschied, sich von Sankt Suso zu trennen, da hätte das vor allem ältere Gemeindemitglieder betroffen gemacht. „Sie hängen an der Kirche“, sagte der katholische Pfarrer Bernd Walter. Er habe Verständnis dafür. Doch die Reaktionen seien überwiegend positiv, weil „der Prozess des Abschiednehmens“ von dem Kirchengebäude schon lange am Laufen sei, nicht erst seit dem Ratsbeschluss.

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Der katholische Kirchengemeinderat entschied Anfang Oktober, beim Erzbistum den Antrag auf Entweihung zu stellen, um das Gebäude anderweitig nutzen zu können. Im Beschluss wurde vorgegeben: „Eine Kindergartennutzung bleibt bestehen“, und „weitere Nutzungen sollen dem kirchlichen Auftrag dienen“. Zu den Rahmenbedingungen zählt für Walter außerdem, dass die Pfarrei das Grundstück nicht verkauft, sondern allenfalls langfristig über Erbbaurecht verpachtet.

Viele Ideen eingegangen

In einem Bürgerbeteiligungsprozess sollen nun Ideen gesammelt werden, wie es mit dem Gelände weitergeht. Wie Walter sagte, wolle man etwas schaffen, das der Stadt gut tut. Die Vorschläge reichten von Kletterhalle über Veranstaltungsräume bis zu Kolumbarium (Nischen für eine Urnenbeisetzung). Wohngruppen für Menschen in besonderen Lebenslagen seien vorschlagen worden, ein Gastronomiebetrieb, Seniorenwohnen, Bildungseinrichtungen, Treffpunkt für die Nachbarschaft, soziales Wohnen und vieles mehr.

Pfarrer: Teils ein Wunschdenken

In einer ersten Bewertung sagte Pfarrer Walter, dass er aus den eingereichten Ideen ein gewisses „Wunschdenken„ herauslese, nach dem Motto: „Kirche mach‘ mal.“ Er wünsche sich deshalb weitere Ideen von Personen, Gruppen oder Institutionen, die sich aktiv selbst einbringen möchten. Das Gelände solle nicht dem Profit Einzelner dienen, sondern die Stadtgesellschaft voranbringen. „Das ist nichts zum reich werden, aber drauflegen soll auch niemand.“ Wenn sozialer Wohnungsbau, „dann mit einem Träger, der auch tatsächlich für sozialen Wohnungsbau steht und die Preise nicht in zehn Jahren anzieht“. Walte: „Wir wollen nicht meistbietend verpachten, sondern an den, der etwas Gutes daraus macht.“ In diesem Zusammenhang verwies er auf die Idee, mit der sich die Caritas einbrachte.

Vorschlag der Caritas

Petra Demmer, Geschäftsführerin des Caritas-Verbands im Dekanat Linzgau, einem kirchlichen Träger, teilte auf SÜDKURIER-Anfrage mit, was bei einer Klausurtagung des Dekanatsrats an Ideen entwickelt wurde: „Pastorales Zentrum in Verbindung mit einem Haus der Sozialen Dienste auf dem Gelände Sankt Suso. Pastorales Zentrum, Kindergarten, Caritasverband mit all seinen ambulanten Diensten und Angeboten.“ Denkbar seien auch Kooperationen mit weiteren Sozialunternehmen. Wünschenswert wäre es aus ihrer Sicht, die Caritas zentral an einem Ort zu belassen, und sich inhaltlich mit neuen Angeboten zu erweitern.

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Die Frist läuft bis 15. Dezember. Vorschläge können formlos im Pfarrbüro abgegeben werden. Ab 16. Dezember befasst sich eine vom Pfarrgemeinderat eingesetzte fünfköpfige Kommission mit den Ideen.