Nach mehr als einer Stunde hitziger Diskussion musste selbst Baubürgermeister Matthias Längin einsehen: "Ich nehme mit, dass Sie nicht wirklich zufrieden sind." Eigentlich war er gemeinsam mit den beiden Geschäftsführern der LGS GmbH, Edith Heppeler und Roland Leitner, nach Goldbach gekommen, um den Anwohnern aufzuzeigen, wie die Silvesterkapelle und das Grundstück westlich davon an den Uferpark angebunden werden soll, der derzeit für die Landesgartenschau entsteht. Was als Bürgerinformation gedacht war, entwickelte sich schnell zum Spießrutenlauf. Bürgermeister und LGS-Geschäftsführer wurden mit vielen Vorwürfen und Unverständnis konfrontiert. Als Leitner mitteilte, dass das "Goldbacher Strändle", ein kleiner Sandstrand, gebildet durch die vom Killbach angeschwemmten Sedimente, während der Landesgartenschau nicht frei zugänglich sein wird, gab es gar vereinzelt Buhrufe.

So stellen sich die Planer die Wegeführung vor.
So stellen sich die Planer die Wegeführung vor.

Während der Gartenschau soll Waldrapp-Aufzucht präsentiert werden

Doch worum geht es überhaupt? Die katholische Kirchengemeinde, beziehungsweise ihr Stiftungsrat, hat einer Vereinbarung mit der Stadt Überlingen zugestimmt, wonach auf ihrem Grundstück unterhalb der Silvesterkapelle ein zwei Meter breiter Fußweg angelegt werden darf. Bisher war die Kapelle nur über eine Fußgängerfurt an der Bahnlinie erreichbar. Der neue Weg soll nun neue Ansichten auf die aus dem 9. Jahrhundert stammende Kapelle ermöglichen, vor allem aber den Uferpark mit einem rund 2000 Quadratmeter großen Grundstück westlich des Killbachs verbinden, das die Stadt 2016 von der Deutschen Bahn AG gekauft hat. Auf dieser Fläche soll während der Gartenschau die Aufzucht der Waldrappe demonstriert werden, auch die Heinz-Sielmann-Stiftung denke derzeit darüber nach, dort ein Projekt zu präsentieren, erklärte Leitner. Nach dem Ausstellungsjahr soll die Fläche der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Goldbacher befürchten Jugendpartys

Wie bisher soll ein Zaun den ehemaligen Friedhof vor Fußgängern schützen.
Wie bisher soll ein Zaun den ehemaligen Friedhof vor Fußgängern schützen. | Bild: Martin Deck

Trotzdem, oder gerade deshalb haben die Goldbacher viele Einwände, die sie am Donnerstagabend auch lautstark zum Ausdruck brachten. Das Problem: Bislang wurde das "Strändle" mehr oder weniger nur von Goldbachern und Hödingern genutzt, die einen Schlüssel für das Gartenstor hatten. Das nun von der Stadt gekaufte Grundstück wurde von einem Privatmann genutzt. Durch die Öffnung dieser Bereiche fürchten viele Goldbacher um ihre Ruhe, da sie von einem großen Besucheransturm ausgehen – insbesondere von Jugendlichen, die am Strand und beim ehemaligen Friedhof feiern. "Können Sie sicherstellen, dass wir Goldbacher künftig nicht nur Scherben und Überbleibsel einer durchzechten Nacht vorfinden", fragte etwa Josef Zeiler, der sich auch darüber echauffierte, dass den Goldbachern ihr Strändle "einfach so weggenommen" werde. Die Stadtverwaltung beschäftige sich derzeit intensiv mit dieser Frage, betonte Bürgermeister Längin. Aber auch ihm sei klar: "Es wird diese Ausschweifungen geben, das können wir nicht verhindern. Aber Sie können für individuelle Fehlverhalten nicht die Stadtverwaltung verantwortlich machen." Roland Leitner ergänzte, dass man im Uferpark "jede Menge Möglichkeiten – auch für Jugendliche" schaffe, sodass er davon ausgehe, "dass sich der Nutzungsdruck verteilt".

Gassenpfleger: "Die Stimmung ist nicht gut"

Der Maschendrahtzaun im Wasser soll entfernt werden.
Der Maschendrahtzaun im Wasser soll entfernt werden. | Bild: Martin Deck

Auch die Wegeführung südlich der Kapelle störte viele Anwesenden, da dieser über den alten Friedhof führe. Es gebe doch bereits die nördliche Umgehung. Dies sei mit der Kirchengemeinde so abgesprochen, auch um die Kapelle von Norden her besser vor Schäden durch direkt daran vorbeilaufende Fußgänger zu schützen, erklärte hingegen Roland Leitner. Außerdem: "Es geht um die Öffentlichkeit und nicht nur um die 300 Leute, die einen Schlüssel haben."

Beruhigen konnte er die anwesenden Bürger damit nicht. "Die Stimmung ist überhaupt nicht gut", fasste der Goldbacher Gassenpfleger Hubert Regenscheit nach der Versammlung zusammen. "Das kommt aber auch von dieser Bulldozer-Mentalität. Viele sind aufgebracht, dass wir nicht miteinbezogen wurden."

Baubürgermeister sichert Bürgerbeteiligung zu

Zumindest bei der Gestaltung des Geländes westlich des Killbachs sollen die Bürger mit in die Planung einbezogen werden, versprach Längin: "Eine Bürgerbeteiligung sage ich ausdrücklich zu – allerdings nicht nur für Goldbacher, sondern für alle Überlinger." Bislang sei nur vorgesehen, zwei Treppen zu ertüchtigen, ansonsten sei dort noch nichts geplant. Dass die Goldbacher tatsächlich ihre Ideen einbringen können, glaubte jedoch keiner der Befragten. Christian P. Rassaerts, emeritierter Architekturprofessor, kann sich nicht vorstellen, dass die Stadt das Grundstück gekauft hat, ohne ein konkretes Nutzungskonzept zu haben. "Ich habe den Eindruck, dass sie uns nicht alles sagen – und das ärgert mich."

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