Was ist eigentlich Salem – und wenn ja wie viele? Diese Frage stellt sich Zugezogenen, die sich bei der Orientierung schwertun. Um sich in der Gemeinde mit ihren elf Teilorten zurecht zu finden, von denen keiner Salem heißt, braucht man einen kundigen Einheimischen.

Zum Beispiel Mardiros Tavit, der hier aufgewachsen ist und gleich mit einem Beispiel anfängt: Beim jährlichen Schlossseefest dürfen nur Salemer Musikvereine auftreten. Einzige Ausnahme ist die „Harmonie“ aus Lippertsreute, die zu Überlingen gehört. Dort musizieren seit jeher Leute aus Tüfingen, dem etwas peripher gelegenen Teilort, der 1972 im Rahmen der Gemeindereform zu dem neu gegründeten Verbund Salem kam. „Der Zuschnitt für die Musikvereine ist ein anderer als der administrative“, erläutert Mardiros Tavit.

Nicht alle Ortsschilder helfen sich zurechtzufinden. Mal ist mit Salem das Kloster und mal die Gemeinde gemeint, deren Mitte Mimmenhausen ist.
Nicht alle Ortsschilder helfen sich zurechtzufinden. Mal ist mit Salem das Kloster und mal die Gemeinde gemeint, deren Mitte Mimmenhausen ist. | Bild: Sabine Busse
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Mimmenhausen ist die geografische Mitte Salems

Er schlägt vor, mit der Erkundungstour in der Neuen Mitte, also in Mimmenhausen anzufangen. Der Teilort liegt geografisch tatsächlich in der Mitte Salems. Auf dem Weg dahin erzählt Tavit, dass 1972 erst acht Orte die neu gegründete Gemeinde bildeten, weitere drei kamen später dazu. Das Ganze nannte man Salem, den Namen kennt man in der Welt wegen des berühmten Klosters und der internationalen Schule. Allerdings heißt der Ortsteil, in dem sie beheimatet sind, Stefansfeld.

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Eine Kirche, früher Indiz für das Zentrum, sucht man in der Neuen Mitte vergebens. Hier dominiert ein Neubaugebiet mit dem nagelneuen Rathaus. Das ist auch die beste Anlaufstelle, um sich einen Überblick zu verschaffen. Unten in der Tourismus-Information gibt es einen Ortsplan und oben auf der Terrasse eine tolle Aussicht.

Von der Dachterrasse des neuen Rathauses in Mimmenhausen hat man eine tolle Aussicht unter anderem auf den Schlosssee.
Von der Dachterrasse des neuen Rathauses in Mimmenhausen hat man eine tolle Aussicht unter anderem auf den Schlosssee. | Bild: Sabine Busse

Wie eine Krake mit elf Armen

Auf diese Terrasse darf nicht jeder, aber Mardiros Tavit hat Zugang. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf die Umgebung, aber selbstverständlich nicht auf alle Teilorte, das wäre zu einfach. Sogar der Schlosssee glitzert im Hintergrund. Wo bis in die 1980er Jahre Kies abgebaut wurde, ist heute ein Erlebnispark mit Freibad und anderen Attraktionen angesiedelt. Auch das Schul- und das Sportzentrum sind von oben zu sehen. Auf den Einwand, dass Salem eine Art Krake mit elf Armen und nicht gerade selbsterklärend ist, antwortet Bürgermeister Manfred Härle: „Mir ging es genauso, als ich hierherkam.“

Mardiros Tavit mag seine Heimatgemeinde und alte Bäume. Die Linde ist 400 Jahre alt.
Mardiros Tavit mag seine Heimatgemeinde und alte Bäume. Die Linde ist 400 Jahre alt. | Bild: Sabine Busse

Bei der Erkundungsfahrt im Uhrzeigersinn lichtet sich langsam der Nebel. Mimmenhausen mit der Neuen Mitte hat die meisten Einwohner und das beliebteste – allerdings auch einzige – Haushaltswarengeschäft weit und breit. Nicht weit davon steht eine 400 Jahre alte Linde neben der Aach. Den mächtigen Stamm zu umarmen, schafft Mardiros Tavit nicht, aber Spaß macht es ihm trotzdem.

Rickenbach als kleinster Teilort wird an der Fasnet von den Hennen regiert

Richtung Norden erreicht man Stefansfeld. Wer nicht wegen der historischen Klosteranlage hierher kommt, steuert wahrscheinlich das Bekleidungsgeschäft und die Bäckerei an. Richtung Westen könnten man nach Tüfingen zum Affenberg und zu den Störchen fahren. Im Nordwesten liegt mit Rickenbach der kleinste Teilort, in dem „Die Hennen“ regieren – zumindest an Fasnacht.

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Beuren bei Häuslebauern wegen seiner Aussichtslage beliebt

An der Nordgrenze der Gemeinde liegen Weildorf mit seinem beliebten Fahrradgeschäft und der schönen Kirche sowie Beuren. Das wird nur durch einige Höhenlinien von Heiligenberg getrennt und ist bei Häuslebauern wegen der schönen Aussicht beliebt. Weiter geht es wieder in Richtung Süden durch Altenbeuren nach Neufrach. Hier war bis vor Kurzem das Rathaus angesiedelt, das nun unter dem Namen Prinz Max das kulturelle Zentrum beheimatet. In dem Veranstaltungsraum probt der über 100 Jahre alte Musikverein.

Kurios: Die Kapelle und Mardiros Tavit stehen in Salem, der Ziegler Hof in Frickingen. Die Grenze geht mitten durch die wenigen Häuser im Bereich Lampach.
Kurios: Die Kapelle und Mardiros Tavit stehen in Salem, der Ziegler Hof in Frickingen. Die Grenze geht mitten durch die wenigen Häuser im Bereich Lampach. | Bild: Sabine Busse

An der Ostflanke der Gemeinde Salem befinden sich Oberstenweiler mit seiner Fachklinik für Drogenkranke sowie der quirlige Ort Mittelstenweiler. Die knapp 700 Einwohner spielen engagiert Theater, veranstalten Laufwettbewerbe und eine legendäre Karibik-Party. Solche Aktivitäten lassen die vierbeinigen Bewohner von Buggensegel kalt. Hier ist eine der letzten Schäfereien beheimatet. Auch in Grasbeuren leben Vierbeiner, hier auf einem Reiterhof, den der Landtagsabgeordnete Klaus Hoher, also ein hohes Tier betreibt.

Salemer Klosterweiher trugen ihren Namen schon vor der Gemeindereform

Um den Kreis zu schließen, geht es noch an den Weihern vorbei, die über Gräben verbunden sind. Mönche haben die Weiher einst zur Fischzucht angelegt, heute sind sie als europäisches Vogelschutzgebiet deklariert. Sie heißen Salemer Klosterweiher – immer schon und auch schon vor der Gemeindereform.