„Die Zisterzienser und das Wasser“ – unter diesem Titel haben die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg (SSG) eine Publikation herausgebracht, die die ausgeklügelte Wassertechnik beleuchtet, die die Zisterziensermönche entwickelt haben.

In dem 316-seitigen Werk im DIN-A4-Format untersucht der Kunsthistoriker Ulrich Knapp die Wassersysteme der drei großen südwestdeutschen Zisterzienserklöster Bebenhausen, Maulbronn und Salem. „Das ist eines der besten Bücher, die die SSG bislang herausgebracht hat“, meinte SSG-Geschäftsführer Michael Hörrmann bei der Buchvorstellung in Kloster und Schloss Salem.

Grundvoraussetzung für das Klosterleben

Ulrich Knapp, ein ausgewiesener Klosterforscher, untersucht in seinem neuesten Werk die Wassersysteme der Klöster Bebenhausen, Maulbronn und Salem und vergleicht die Anlagen untereinander, aber auch über die Grenzen Deutschlands hinweg. „Wasser scheint etwas Banales zu sein“, sagte Hörrmann. Aber Wasser sei die Grundvoraussetzung für die Gründung und Entwicklung eines Klosters gewesen.

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Wasser als einzige Energiequelle

Erst in den letzten Jahren habe sich gezeigt, wie sehr das fließende Wasser und die Macht über diese Ressource die materielle Grundlage für das Leben in den Klöstern gewesen sei. Wasser sei die einzige Energiequelle gewesen. „Ohne Wasser kein Betrieb von Mühlen, keine landwirtschaftliche Bewässerung, keine Fischzucht und keine Teichwirtschaft“, betonte Hörrmann. In allen Lebensbereichen sei Wasser das grundlegende Element gewesen. Vom Trinkwasser angefangen bis zur Beseitigung von Fäkalien.

Innovationsgeist der Salemer Äbte

Ulrich Knapps Untersuchung und Betrachtung der Wassertechnik in den Klöstern Bebenhausen, Maulbronn und Salem zeige auf, wie virtuos die Zisterzienser den Wasserbau beherrscht und damit die Basis für die wirtschaftliche Prosperität der Klöster geschaffen hätten.

Insbesondere die Salemer Äbte seien dabei immer sehr innovativ vorangegangen. Zudem sei es den Zisterziensern mit ihren europaweiten Verbindungen gelungen, damaliges Wissen bis hin zu arabischen Bewässerungstechnologien zusammenzuführen und zu perfektionieren.

Europäischer Forschungsstand verständlich zusammengefasst

„Ulrich Knapp ist es gelungen, den europäischen Forschungsstand zusammenzufassen und auf Salem herunterzubrechen“, sagte Hörrmann. Es handle sich zwar um hochwissenschaftliche Ausführungen, aber dennoch seien sie verständlich geschrieben und darüber hinaus üppig illustriert. „Jede Seite ist es wert, gelesen zu werden“, erklärte er.

Viele archäologische Zeugnisse unter dem Boden des Klosterareals

Ulrich Knapp betonte, dass für Kloster Salem sehr viele schriftliche Quellen über den Wasserbau der Zisterzienser vorhanden seien. „Die Mönche hatten genaue wasserhydraulische Kenntnisse“, hob er hervor. Und unter dem Boden des Klosterareals schlummerten archäologische Schätze an Zeugnissen für die Brunnen- und Abwasserleitungen.

Die Salemer Schlossverwalterin Birgit Rückert bestätigte dies. „Wo immer wir ein Loch graben oder einen Graben zur Verlegung heutiger Kommunikationstechniken ziehen, stoßen wir auf solche archäologische Zeugnisse des Wasserbausystems der Mönche“, erklärte sie.

Leitungsnetz der Zisterzienser noch immer in Betrieb

Bis vor sieben Jahren sei noch das gesamte Schlossareal mit Internat, Bewohnern und Gewerbebetrieben über das Leitungsnetz der Zisterzienser versorgt worden. Aus hygienetechnischen Gründen habe man dann auf den Anschluss an die Wasserversorgung der Gemeinde umgestellt. Die Gartenanlagen würden aber bis heute über das Leitungsnetz der Zisterzienser bewässert.

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Neue Besucherangebote denkbar

Carla Müller, die Konservatorin der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, sieht in der Publikation über die Zisterzienser und das Wasser eine Grundlage dafür, die Salemer Klosteranlage unter einem weiteren, neuen Blickwinkel zu sehen und zu erleben. Sie ist überzeugt davon, dass sich daraus auch neue Besucherangebote entwickeln lassen.

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Thema wurde anfangs unterschätzt

Wie Carla Müller dem SÜDKURIER gegenüber erklärte, war ursprünglich nur eine kleine Broschüre zu dem Thema geplant. Je tiefer man aber eingestiegen sei, desto mehr habe sich der Bedarf an weiterer Forschung aufgetan. So seien schließlich vier Jahre hinweggegangen, bis die große Publikation fertiggestellt gewesen sei.