Im dritten Anlauf klappt es mit der Ausstellung über die Salemertalbahn. Die heimatverbundenen Organisatoren um Joachim Löchle bestücken derzeit das ehemalige Büchereigebäude im Salemer Feuchtmayerhaus mit ihren Exponaten. Am Donnerstag, 16. September, um 18 Uhr findet die Vernissage statt.

„Wir ordnen die Salemertalbahn zunächst geschichtlich ein und gehen dann auf eine Reise mit dem Frickingerle von Frickingen nach Unteruhldingen“, erklärt Mitorganisator Rudolf Koch, was die Ausstellungsbesucher erwartet. Dafür hat die Gruppe in Archiven gestöbert, alte Zeitungsartikel und Fotografien gesichtet und Zeitzeugen befragt.

Bahnverbindung war damals eine Sensation

Die Heimatautoren Albert Mayer und Hugo Gommeringer haben ihren Kollegen von der Arbeitsgemeinschaft Salemertalbahn ihr Recherche-Wissen zur Verfügung gestellt, das sie für den dritten Band „Linzgau-Mosaik“ zusammengetragen haben.

Der Fokus des Buches liegt ebenfalls auf der Bahngeschichte von Salem und Umgebung. Historisch gesehen sei die Eisenbahn für die Menschen aus der Region Anfang des 20. Jahrhunderts eine Sensation gewesen, vergleichbar mit TV und Internet, sagt Koch.

Die Buchautoren Hugo Gommeringer und Albert Mayer freuen sich mit den Organisatoren Heiko Sobotta, Joachim Löchle und Rudolf Koch von der AG Salemertalbahn auf die Ausstellung.
Die Buchautoren Hugo Gommeringer und Albert Mayer freuen sich mit den Organisatoren Heiko Sobotta, Joachim Löchle und Rudolf Koch von der AG Salemertalbahn auf die Ausstellung. | Bild: Martina Wolters

Das Frickingerle, wie die Leute aus der Region die 18 Kilometer lange Verbindung zwischen Salem und Frickingen liebevoll bezeichnet hätten, habe bis sie 1953 eingestellt wurde, eine zentrale Rolle gespielt. „Endlich waren die Menschen mobil“, erklärt Mitaussteller Heiko Sobotta.

Zum einen für den Transport von Gütern wie Obst und im Krieg für Rüstungstransporte. Auf der anderen Seite seien die Menschen zur Arbeit gefahren und hätten sich sonntags als Freizeitvergnügen für 50 Pfennig zum See nach Unteruhldingen bringen lassen.

Rund um die Bahnverbindung von Frickingen über Salem zum Bodensee rankt sich die Ausstellung, die ab 17. September in Salem zu sehen ist.
Rund um die Bahnverbindung von Frickingen über Salem zum Bodensee rankt sich die Ausstellung, die ab 17. September in Salem zu sehen ist. | Bild: Arbeitsgemeinschaft Salemertalbahn

Wie ehrfürchtig die Landbevölkerung damals mit der technischen Errungenschaft umgegangen ist, lässt sich an einer Anekdote aus der früheren Zeitung „Seebote“ ablesen. Löchle hat sie gelesen und berichtet. Eine Dame sei an der ersten Station in das noch völlig leere Frickingerle gestiegen.

„Wegen mir müssen Sie keine Umstände machen und losfahren“, habe die Passagierin dann zum Schaffner gesagt. Als dann endlich in Neufrach ein neuer Fahrgast dazukam, sei sie heilfroh gewesen, nicht mehr alleine zu sein, erzählt Löchle schmunzelnd. Diese und noch mehr Geschichten werden den Ausstellungsgästen bis Sonntag, 3. Oktober, im Feuchtmayerhaus und ab dem 7. Oktober für drei Wochen im Frickinger Rathaus präsentiert.

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Ausstellungsstücke bis 150 Kilogramm schwer

Dazu haben die Ausstellenden einige alte Schätzchen im Angebot. „Von zehn Gramm bis 150 Kilo sind unsere Ausstellungsstücke schwer“, verrät Löchle. Eisenbahnschwellen, Beleuchtung, Geldtaschen, Briefe, Pläne, Karten und Fotos werden zu sehen sein.

Auch, wenn der private Besuch der Queen erst zwölf Jahre nach der eigentlichen Stilllegung des Frickingerles stattfand, wird dieser Teil der Bahnhistorie ebenfalls gestreift. Eine Medaille, wie sie Königin Elisabeth II. von England an die Dienstmädchen in Schloss Salem überreichte, hat Löchle im Angebot, ebenfalls eine Urkunde mit Stempelnachweisen der königlichen Reisestationen.

Die Monarchin hatte im Rahmen eines Staatsbesuchs zusammen mit ihrem mittlerweile verstorbenen Ehemann, Seiner Königlichen Hoheit Prinz Philip Herzog von Edinburgh, eine zweitägige Pause in Salem eingelegt. Die Ankunft der Queen im Mai 1965 auf Salems altem Bahnhof in der Leopoldstraße verhalf der für den Personenverkehr stillgelegten Bahnstrecke sogar zu europaweiter Aufmerksamkeit.

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Salemertalbahn, Rudolf Koch, Joachim Löchle und Heiko Sobotta, versprechen für ihre Schau Raritäten wie diesen Uralt-Fahrkartenschalter.
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Salemertalbahn, Rudolf Koch, Joachim Löchle und Heiko Sobotta, versprechen für ihre Schau Raritäten wie diesen Uralt-Fahrkartenschalter. | Bild: Martina Wolters
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