Familie Hansen hat eine Vorliebe für alte Gebäude. Mutter Sigrid wohnt im Komethof und zusammen mit ihren Kindern Frederik und Christina soll ein „Backhausverein Neufrach„ gegründet werden. Das Backhaus-Areal – bestehend aus Holzschopf, Ausgedinghaus und Backhaus – kann am bevorstehenden Sonntag, 8. September, anlässlich des Tages des offenen Denkmals besichtigt werden. Ebenso der in der Nachbarschaft stehende Komethof sowie das ehemalige Armenhaus.

Christina Hansen zeigt ein Brett der Backhausdecke. Für den Deckenbau wurden die Bretter einst mit Stroh umwickelt, kräftig mit Lehm bedeckt, dann an den jeweiligen Stellen eingesetzt. Zum Schluss wurde mit Lehm verputzt. Welpe Salomon, elf Wochen jung, beschnuppert den für ihn fremden Gegenstand.
Christina Hansen zeigt ein Brett der Backhausdecke. Für den Deckenbau wurden die Bretter einst mit Stroh umwickelt, kräftig mit Lehm bedeckt, dann an den jeweiligen Stellen eingesetzt. Zum Schluss wurde mit Lehm verputzt. Welpe Salomon, elf Wochen jung, beschnuppert den für ihn fremden Gegenstand. | Bild: Toni Ganter

Seit Februar werden auf dem Backhaus-Areal Sanierungsarbeiten erledigt. „Das wird wohl noch bis Jahresende dauern, wenn alles glatt geht und das Wetter mitspielt“, erzählt Christina Hansen. Eigentlich war geplant, während des Tages des offenen Denkmals zu zeigen, wie Backhäuser dereinst genutzt worden sind. Daraus wird leider nichts.

Der gemauerte Backofen ist funktionstüchtig, davor steht eine Stahlplatte. Der Ofen kann allerdings noch nicht genutzt werden. Es braucht eine neue Betriebserlaubnis sowie einen neuen Kamin. Der alte stürzte wegen eines Sturms ein.
Der gemauerte Backofen ist funktionstüchtig, davor steht eine Stahlplatte. Der Ofen kann allerdings noch nicht genutzt werden. Es braucht eine neue Betriebserlaubnis sowie einen neuen Kamin. Der alte stürzte wegen eines Sturms ein. | Bild: Toni Ganter

„Der Ofen wurde von einem Ofenbauer und von einem Schornsteinfeger zwar als funktionstüchtig und als in Ordnung beurteilt. Aber es fehlt ein Kamin, der wegen eines Sturms einstürzte.“ Zudem ist eine neue Betriebserlaubnis beantragt worden. Diese war schon vor Jahren erloschen, als das einstige landwirtschaftliche Anwesen nicht mehr betrieben wurde. „Wir hoffen, dass wir die Betriebserlaubnis noch dieses Jahr bekommen“, berichtet Christina Hansen.

Gegenüber vom Backofen steht ein alter, handbetriebener Schleifstein, davor ist ein Schraubstock befestigt.
Gegenüber vom Backofen steht ein alter, handbetriebener Schleifstein, davor ist ein Schraubstock befestigt. | Bild: Toni Ganter

Der zu noch gründende Backhausverein Neufrach hat sich zum Ziel gesetzt, die Gebäude auf dem Areal zu sanieren und öffentlich nutzbar zu machen. Im Ausgedinghaus – auch als Altenteil bezeichnet – soll ein Versammlungsraum eingerichtet werden.

Deckenbretter im Backhaus, umwickelt mit Stroh und mit Lehm verputzt.
Deckenbretter im Backhaus, umwickelt mit Stroh und mit Lehm verputzt. | Bild: Toni Ganter

„Der große Traum ist, familientaugliche Tagesereignisse zu veranstalten“, erzählt Christina Hansen. Das Areal solle zur Pflege der Dorfgemeinschaft genutzt werden. Außerdem sind im Freien Sitzgelegenheiten sowie ein Allmende-Kräutergarten geplant. „Dieser soll der Dorfgemeinschaft zur Verfügung stehen und mit rückenfreundlichen Hochbeeten angelegt werden.“ Über Details will sich Christina Hansen von einem Gärtner beraten lassen. Tafeln werden dann über die jeweiligen Kräuter informieren und aufzeigen, wie diese für welche Zwecke verwendet werden.

Ein Dachbodenbrett, mit Stroh umwickelt und von Lehm bedeckt.
Ein Dachbodenbrett, mit Stroh umwickelt und von Lehm bedeckt. | Bild: Toni Ganter

Aber bis dahin sind noch zahlreiche Arbeiten zu erledigen. Denn mit der Sanierung des Gebäudeensembles ist es noch längst nicht getan. „Das ganze Areal muss noch erschlossen werden“, berichtet Christina Hansen: Beispielsweise müssen die Strom- und Wasserversorgung bewerkstelligt werden.

Die Zwischenräume, „Gefache“ des Fachwerks des Ausgedinghauses. Es wurden Holzstäbe eingesetzt, Weiden gespalten und ähnlich wie beim Weben geflochten. Darüber wurde mit einem Stroh-Lehm-Gemisch verputzt und schließlich mit Kalk getüncht, damit das Wasser abgewehrt wird.
Die Zwischenräume, „Gefache“ des Fachwerks des Ausgedinghauses. Es wurden Holzstäbe eingesetzt, Weiden gespalten und ähnlich wie beim Weben geflochten. Darüber wurde mit einem Stroh-Lehm-Gemisch verputzt und schließlich mit Kalk getüncht, damit das Wasser abgewehrt wird. | Bild: Toni Ganter

Die Gebäude des Backhaus-Areals entstanden zwischen 1811 und 1867. „Der Holzschopf ist das älteste Gebäude“, berichtet Hansen. Anhand des Alters des verwendeten Holzes könnte der Schopf um 1817 entstanden sein, dafür spreche auch die Art der Konstruktion. „Genaue Altersbestimmungen sind nur schwer möglich. Denn das Archivmaterial ist auf mehrere Standorte verteilt und noch nicht gesichtet“, erzählt die Mitinitiatorin des künftigen Backhausvereins Neufrach.

Ein Teil des Aufbaus des Ausgedinghauses: unten Natursteine als Fundament, darauf eine Schwelle aus Eichenholz, weil widerstandsfähiger gegen Wasser, darüber eine Balkenlage und Pfosten.
Ein Teil des Aufbaus des Ausgedinghauses: unten Natursteine als Fundament, darauf eine Schwelle aus Eichenholz, weil widerstandsfähiger gegen Wasser, darüber eine Balkenlage und Pfosten. | Bild: Toni Ganter

Das Backhaus-Areal sei vom Landesdenkmalamt als historisch, heimatgeschichtlich und bautechnisch als bedeutsam bewertet worden. Man arbeite eng mit den Denkmalschützern zusammen. Die Sanierungsarbeiten sollen möglichst authentisch und originalgetreu erledigt werden.

Die Angebote in Salem-Neufrach

Blick auf den Holzschopf (links) und das Ausgedinghaus (Mitte). Rechts ein benachbarter Neubau. Dort stand einst das Hauptgebäude des landwirtschaflichen Anwesens an der Haldenbühlstraße.
Blick auf den Holzschopf (links) und das Ausgedinghaus (Mitte). Rechts ein benachbarter Neubau. Dort stand einst das Hauptgebäude des landwirtschaflichen Anwesens an der Haldenbühlstraße. | Bild: Toni Ganter

Das Backhaus mit zwei Nachbargebäuden gehörte ursprünglich zu einem bäuerlichen Anwesen, das abgerissen wurde. Die erhaltenen Gebäude entstanden zwischen 1811 und 1867. Führungen um 12.20, 14.20 und 16.20 Uhr – jeweils etwa 30 Minuten; freie Besichtigungen zwischen 11 und 18 Uhr. Veranstalter Familie Hansen; Informationen: Christina Hansen, info@backhaus-neufrach.de, Telefon 0 75 53/8 36 00 47; Treffpunkt: Haldenbühlstraße 2/1, 88682 Salem-Neufrach; Imbiss/Bewirtung gegen Spende beim Komethof.

Der Komethof, einst Landgasthof Zur Linde, in Salem-Neufrach kann am Tag des offenen Denkmals besichtigt werden. Dort wird gegen Spenden bewirtet.
Der Komethof, einst Landgasthof Zur Linde, in Salem-Neufrach kann am Tag des offenen Denkmals besichtigt werden. Dort wird gegen Spenden bewirtet. | Bild: Toni Ganter

Der Komethof wurde bereits im 13. Jahrhundert erwähnt. Das Haus wurde bis Ende Januar 2016 saniert und kann teils besichtigt werden. Führungen um 11, 13, 15 und 17 Uhr jeweils etwa 60 Minuten; Veranstalter: Christina Hansen; Informationen: info@backhaus-neufrach.de, Telefon 0 75 53/8 36 00 47; Treffpunkt: Nüffernstraße 16, 88682 Salem-Neufrach; maximal 10 Personen pro Führung; Anmeldung erforderlich bis 6. September, 12 Uhr, per Mail: info@backhaus-neufrach.de

In Nachbarschaft zum Komethof steht an der Riedlestraße dieses einstige Armenhaus, das derzeit saniert wird.
In Nachbarschaft zum Komethof steht an der Riedlestraße dieses einstige Armenhaus, das derzeit saniert wird. | Bild: Toni Ganter

Einstiges Armenhaus: Das Gebäude wurde laut bauhistorischen Untersuchungen etwa 1561 erbaut. Ab 1728 wurde es als Armenhaus genutzt, seit den 1970er Jahren als Wohnhaus. Es dient auch künftig wieder Wohnzwecken. Besichtigungen von 11 bis 18 Uhr; Führungen um 11, 13 und 17 Uhr – jeweils etwa 60 Minuten; Veranstalter Christina Hansen; Informationen: info@backhaus-neufrach.de, Telefon 0 75 53/8 36 00 47; Treffpunkt: Riedlestraße 12, 88682 Salem-Neufrach. Für alle drei Angebote gilt: Am besten öffentliche Verkehrsmittel oder Fahrräder nutzen. Es gibt vor Ort keine Parkplätze. Parkmöglichkeiten sind beim Prinz-Max-Saal oder Rathaus, Leutkircher Straße 1.