Seit mehr als zwei Jahren liefen die Überlegungen zu Standort, Anforderungen und Lösungsmöglichkeiten für ein neues Feuerwehrgerätehaus in Owingen. Jetzt gab der Gemeinderat in einem Aufwasch grünes Licht für die erforderliche Bebauungsplanänderung und die Realisierung des Neubaus. Die Einsatzkräfte um Kommandant Matthias Pasewaldt warten schon lange auf eine neue Zentrale.

Projekt wird 200 000 Euro teurer

Nach den aktuellen Kostenberechnungen von Architekt Josef Prinz kostet das Projekt 4,6 Millionen Euro. Um rund 200 000 Euro günstiger war zuvor die Kostenschätzung des Planers aus Ravensburg ausgefallen. "Diese fünf Prozent gehen noch, es sind auch einige Mehrleistungen dabei", sagte Bürgermeister Henrik Wengert, nahm die Zahlen jedoch nicht auf die leichte Schulter. "Für eine Gemeinde wie Owingen ist diese Differenz schon ein ganz schöner Batzen." Das Gremium trug diese Konkretisierung mit Fassung. Allerdings mahnte Gemeinderätin Susanne Riester auch zur Wachsamkeit vor dem Hintergrund der guten Baukonjunktur. "Was machen wir, wenn wir dann am Ende bei 5,6 Millionen Euro Kosten landen?"

Rückblick auf gemeinsames Projekt Kultur|O

Weder Architekt Prinz noch Bürgermeister Wengert teilen diese Sorgen und haben dabei auch das gemeinsame Projekt Kultur|O im Blick. "Bisher haben wir bei unseren Ausschreibungen immer großes Glück gehabt", verwies Henrik Wengert auf die jüngsten Erfahrungen, unter anderem beim Bau des Bürgerzentrums Kultur|O. "Gegebenenfalls können wir eine Ausschreibung bei zu großen Abweichungen immer aufheben", sagte der Bürgermeister.

"Verpflichtung" zur Funkanlage

Riester hinterfragte den Aufwand von 33 000 Euro für eine Funkanlage. Der Kommandant verwies auf die Verpflichtung, eine solche Anlage fest zu installieren. "Wir sind inzwischen eine von wenigen Feuerwehren, die das nicht haben." Es diene der optimalen Kommunikation zwischen den Einsatzkräften vor Ort und ihrem Stützpunkt.

Irritation über Bedenken des Landratsamts

Irritiert war Bürgermeister Henrik Wengert über die Bedenken des Landratsamts hinsichtlich des Artenschutzes und des Immissionsschutzes im Bebauungsplanverfahren. Die Einwände und deren Abwägung erläuterte Planer Helmut Hornstein. Dass acht Bestandsbäume, darunter einige Linden, dem Neubau geopfert werden müssten, veranlasste das Umweltschutzamt, eine Verlegung des Feuergerätehauses ins Gespräch zu bringen. Eine Untersuchung durch zwei anerkannte Biologen, darunter Wolfgang Fiedler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell, konnte Beeinträchtigungen sowohl von Fledermäusen als auch von Höhlenbrütern ausschließen.

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Die untere Immissionsschutzbehörde des Landratsamts zweifelte, "ob aufgrund der Anzahl nächtlicher Abfahrten mit Sondersignal (Martinshorn) die Immissionsrichtwerte der TA Lärm bei den benachbarten Wohngebäuden überschritten oder eingehalten werden." Doch die Behörde kam bei ihren Überlegenungen selbst zu dem Resultat, dass die nächtlichen Abfahrten "als ortsüblich gewertet werden könnten, da das alte Feuerwehrhaus auf dem innerhalb der Planfläche liegenden Grundstück steht".

Standort im Zentrum sinnvoll

Tatsächlich war lange Zeit die Frage offen, ob der Standort für ein neues Feuerwehrhaus im unmittelbaren Zentrum möglich und sinnvoll sei. Doch mit der Entwicklung der Owinger Mitte mit Sporthalle und Kultur|O und nachdem die Gemeinde das zum aktuellen Feuerwehrhaus benachbarte Raiffeisengebäude, das schon abgerissen ist, erwerben konnte, waren sich Feuerwehr, Verwaltung und Gemeinderat einig, diese Konstellation zu nutzen. So können die Einsatzkräfte im aktuellen Bestand tätig sein, während der Neubau nebenan erstellt wird.

Mit einem Baubeginn rechnet Henrik Wengert im Herbst 2019, mit der Fertigstellung 2021. Erst im Anschluss kann auch der Rest der Freifläche gestaltet werden, für die die Gemeinde im Rahmen einer Bürgerwerkstatt schon erste Ideen gesammelt hat.