Herr Meßmer, wie fällt Ihr ganz persönlicher Rückblick auf das Corona-Jahr aus?

Corona war für mich sowohl privat in der Familie als auch im Rathaus eine Herausforderung. Ich habe mich immer dagegen gewehrt, der Politik mit Blick auf die Entscheidungen eine Schuld zuzuschieben, sondern dafür plädiert, tolerant und vielleicht auch etwas gelassener zu bleiben. Die Pandemie war und ist für uns alle neu. Natürlich gilt es, die Regeln einzuhalten, aber man muss zum Lachen dennoch nicht in den Keller gehen.

Als Gemeinde haben wir trotz der Krise sehr viel hinbekommen, es war alles andere als Stillstand. Da gilt mein großer Dank meinem Team im Rathaus sowie dem Gemeinderat. Mit dem Corona Testzentrum hat auch unsere Gemeinde im Frühjahr einen Beitrag zu den geringen Zahlen im Kreis geleistet. Im Vergleich zu anderen Gemeinden haben wir glücklicherweise wenig Infizierte und bisher keine Todesfälle zu verzeichnen.

Im März 2020 wurde in Oberteuringen das erste Corona-Testzentrum im Bodenseekreis aufgebaut.
Im März 2020 wurde in Oberteuringen das erste Corona-Testzentrum im Bodenseekreis aufgebaut. | Bild: Helmar Grupp
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Der Neubau der Schule und der Umzug des Tennisvereins haben Sie im vergangenen Jahr ziemlich beschäftigt. Wie wird es bei diesen Projekten in 2021 weitergehen?

Bei der Tennisanlage ist der Verein der Bauherr. Soweit mir bekannt ist, geht es hier gut voran und der erste Aufschlag kann bereits im April zum Saisonstart erfolgen. Ich habe das Gefühl, dass diese gemeinsame Aufgabe die Mitglieder der Tennisabteilung noch mehr zusammenrücken lässt.

Bei der neuen Schule wurden noch vor dem Jahreswechsel die Bodenplatte und die ersten Wände betoniert. Aktuell werden die Planungen verfeinert, die technische Ausstattung abgestimmt und die Möblierung festgelegt. Den Entwurf für die Außenanlage hat der Gemeinderat noch vor Weihnachten auf den Weg gebracht. Fertig werden soll die Schule zum Beginn des Schuljahrs 2022/2023. Wir haben das Glück, mit vielen Firmen aus der Region zusammenzuarbeiten. Nicht vergessen möchten wir die Schüler in der alten Schule. Damit das Homeschooling auch hier möglich ist, mussten wir bei der technischen Ausstattung nachrüsten. Im Moment bauen wir das WLAN auf und haben für die Schüler Tablets angeschafft. Was möglich ist, werden wir in die neue Schule natürlich mitnehmen und Zuschüsse stehen auch zur Verfügung.

Die Baustelle des Oberteuringer Tennisvereins kommt gut voran: Das neue Vereinsheim hat bereits Form angenommen.
Die Baustelle des Oberteuringer Tennisvereins kommt gut voran: Das neue Vereinsheim hat bereits Form angenommen. | Bild: Claudia Wörner

Wie sieht es mit den Kosten für die neue Schule aus? Werden sie im budgetierten Rahmen bleiben?

Wir bewegen uns im Finanzrahmen und hoffen, dass wir schlussendlich den Kostenrahmen einhalten können. Der Trend ist ganz positiv. Wichtig sind für uns auch die Zuschüsse, die wir vom Land bekommen. Das war zu Beginn nicht ganz klar. Aber durch das positive Aufgabeverfahren – das heißt, die alte Schule entspricht nachweislich nicht mehr den notwendigen Anforderungen – werden wir einen Zuschuss in Höhe von rund 1,7 Millionen Euro bekommen.

Gibt es schon Pläne für das Gelände und Gebäude der alten Schule?

Unser Ziel ist, das Grundstück der alten Schule in Gemeindehand zu behalten. Manche glauben vielleicht, dass wir für diesen Standort schon fertige Pläne haben. Es existieren hierzu aber maximal erste Ideen und diese sind wenig konkret. Erst mal gilt es zu prüfen, welche Pflichtaufgaben wir als Gemeinde haben und ob hierbei dieses Grundstück eine Rolle spielt beziehungsweise spielen kann. Da müssen wir systematisch vorgehen und uns Schritt für Schritt der künftigen Nutzung nähern.

Der Bau der neuen Schule in Oberteuringen ist im Zeitplan: Noch vor dem Jahreswechsel wurden die Bodenplatte und die ersten Wände betoniert.
Der Bau der neuen Schule in Oberteuringen ist im Zeitplan: Noch vor dem Jahreswechsel wurden die Bodenplatte und die ersten Wände betoniert. | Bild: Claudia Wörner

Welche Projekte stehen im kommenden Jahr in Oberteuringen auf dem Plan?

Unsere Baumaßnahme an der Schule läuft weiter. Dann wollen wir unsere Neubaugebiete in Bitzenhofen und Hefigkofen mit insgesamt rund 20 gemeindlichen Bauplätzen im ersten Halbjahr planerisch voranbringen. Ziel ist, Ende des Jahres in die Erschließung zu gehen. Schon jetzt haben wir eine starke Nachfrage und es ist abzusehen, dass die Bauplätze nicht reichen werden.

Hinzu kommen verschiedene Nachverdichtungsprojekte im gesamten Gemeindegebiet. Abhängig vom Regionalplan wollen wir außerdem ein neues Gewerbegebiet auf den Weg bringen. Neben den Bau- und Gewerbegebietsplanungen steht ein weiteres Großprojekt mit dem Ausbau der Kläranlage an und nicht zu vergessen, die notwendige Erweiterung des Feuerwehrgebäudes.

Die geplante Erweiterung des Oberteuringer Feuerwehrhauses stand bereits im vergangenen Jahr auf der Tagesordnung des Gemeinderats.
Die geplante Erweiterung des Oberteuringer Feuerwehrhauses stand bereits im vergangenen Jahr auf der Tagesordnung des Gemeinderats. | Bild: Claudia Wörner

In diesem Jahr hatten Sie eine außerordentliche Gewerbesteuereinnahme in Höhe von knapp 3 Millionen Euro. Haben Sie sie bereits verplant? Inwiefern hilft sie der coronabedingt klammen Gemeindekasse?

Leider verbleiben von der Gewerbesteuer über die Jahre gesehen nur etwa 20 Prozent in der Gemeindekasse. Aber natürlich hilft uns das und wir werden für den Neubau der Schule voraussichtlich weniger Kredite aufnehmen müssen. Unter dem Strich war 2020 dank dieser außerordentlichen Einnahme für uns in finanzieller Hinsicht ein gutes Jahr. 2021 wird hingegen eine Herausforderung.

Für welche Bereiche war die Corona-Krise in der Gemeinde, abgesehen von Gastronomie, Schule und Kitas, besonders hart?

Unsere Kultur in der Mühle mit ihren Ehrenamtlichen hat es samt den bereits engagierten Künstlern hart getroffen. Programmhefte wurden erstellt, wieder verworfen und neu gemacht. Man hat schon Zeit und Geld investiert. Unterm Strich war es aber wichtig, dass man es versucht und ein Signal an die Kulturtreibenden gesendet hat. Ähnliches gilt für die Mediathek.

Musikprobe mit Abstand: Die Trachtenkapelle Oberteuringen nutzte die Pferdekoppel eines Vereinsmitglieds im Sommer für das gemeinsame Musizieren unter Corona-Bedingungen.
Musikprobe mit Abstand: Die Trachtenkapelle Oberteuringen nutzte die Pferdekoppel eines Vereinsmitglieds im Sommer für das gemeinsame Musizieren unter Corona-Bedingungen. | Bild: Musikverein Oberteuringen

Hart war und ist die Corona-Krise für die Vereine. Immer wieder höre ich, wie sehr die gemeinsamen Veranstaltungen und Treffen fehlen. Ein Beispiel sind die Musiker, die auf einmal gar nicht mehr wussten, woraufhin sie proben sollten. Ähnliches berichten fast alle Vereine. Eine Gefahr ist, dass das eine oder andere Mitglied dem Verein den Rücken kehrt. Das tut mir leid, da unsere Vereine alle super engagiert sind und ihr Bestes geben. Wenigstens die Narren von Bitzenhofen konnten in diesem Jahr noch von ihrem erfolgreichen Jubiläum zehren. Für besonders betroffen halte ich auch die Jugendlichen, Singles, die jetzt keinen neuen Partner finden können, und nicht zu vergessen die älteren Menschen, vor allem die, die alleine leben.

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Was sagen Sie, um den Bürgern und Vereinen von Oberteuringen Mut zu machen?

Im bunten Kleid: Der festlich beleuchtete St. Martin-Platz an den Weihnachtsfeiertagen.
Im bunten Kleid: Der festlich beleuchtete St. Martin-Platz an den Weihnachtsfeiertagen. | Bild: Claudia Wörner

Unsere Botschaft aus dem Rathaus war eigentlich von Anfang an, positiv zu bleiben, nach vorne zu schauen und Zuversicht auszustrahlen. Das sollte auch die Botschaft unserer beleuchteten Gebäude und Christbäume in der Advents- und Weihnachtszeit – wir nannten sie Glanzlichter – sein.

Wir haben den Impfstoff und er wird uns hoffentlich in absehbarer Zeit unser normales Leben zurückbringen. Bis dahin müssen wir aus den gegebenen Möglichkeiten einfach das Beste machen. Behalten wir weiterhin unsere Mitmenschen im Blick und verschicken zum Beispiel einfach mal eine Postkarte als wertvolles Zeichen unserer Gemeinschaft und Verbundenheit.

Welche Pläne der Gemeindeverwaltung haben sich durch die Corona-Krise relativiert oder werden verschoben?

Bei unseren großen Plänen gibt es aktuell keine Verschiebungen. Schade ist, dass die Pächterin des Cafés am Teuringer aufgeben musste. Aber vielleicht können wir ja bald eine Nachfolge präsentieren. Im Rathaus haben wir Kapazitätsprobleme, da das Thema Corona vieles überlagert.

Aktuell befindet sich das Café im Haus am Teuringer im Winterschlaf: Oberteuringens Bürgermeister Ralf Meßmer geht davon aus, dass in diesem Jahr mit einer neuen Pächterin öffnen wird.
Aktuell befindet sich das Café im Haus am Teuringer im Winterschlaf: Oberteuringens Bürgermeister Ralf Meßmer geht davon aus, dass in diesem Jahr mit einer neuen Pächterin öffnen wird. | Bild: Claudia Wörner

Wir würden die Digitalisierung und das Ratsinformationssystem gern schneller voranbringen, aber dafür fehlt uns aktuell die Kapazität. Mit Blick auf den Haushalt 2020 stellen wir fest, dass die geplanten Bauprojekte weitestgehend abgearbeitet wurden. Der Bausektor läuft zum Glück auch im Lockdown relativ normal weiter.

Oberteuringen hat sich dem neu gegründeten Zweckverband Breitband Bodenseekreis angeschlossen. Wie schnell können die Bürger, die in weißen oder hellgrauen Flecken, das heißt mit weniger als 100 Mbits pro Sekunde surfen, mit leistungsfähigem Internet rechnen?

Zum Glück haben wir in Oberteuringen nur sehr wenige weiße Flecken. Die erste Aufgabe des Zweckverbandes besteht darin, das Backbone-Netz auszubauen. Das ist Sache des Landkreises. Parallel gehen die Kommunen ihre Schwachpunkte an. Sobald Tiefbaumaßnahmen für Gas, Strom, Wasser oder Abwasser anstehen, werden wir mit dem Zweckverband Glasfaser oder zumindest ein Leerrohr mitverlegen.

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Darüber hinaus wird nach und nach der flächendeckende Ausbau bis zu jeder Haustür vorangetrieben. Wichtige Aufgabe des Zweckverbandes ist auch die Beantragung der notwendigen Zuschüsse bei Bund und Land. Bis zum Glasfaseranschuss in jedem Haus, wird es jedoch noch einige Jahre dauern. Mit dem Zweckverband sind wir jetzt auf jeden Fall gut aufgestellt und die Planungen werden vorangetrieben. Man kann davon ausgehen, dass Gewerbegebiete und die neue Schule vorrangig behandelt werden.

Wie lautet Ihr Fazit für das vergangene Jahr. Das Wort „Corona“ dürfen Sie nicht nennen.

Da gibt es doch so einiges! Wir hatten den ersten Neujahrsempfang mit Ehrung der Ehrenamtlichen in Oberteuringen, es gab eine tolle Fasnet mit dem 60-jährigen Jubiläum der Narrenzunft Bitzenhofen. 15 neue Flüchtlinge aus Schwarzafrika sind in die Gemeinschaftsunterkunft in Neuhaus eingezogen. „Rettet die Biene“ mit dem Konflikt zwischen Naturschutz und Landwirtschaft war ein Riesenthema und es ist ein ziemlicher Spagat, hier allen Seiten gerecht zu werden.

Ausgefallen sind leider meine bereits im Wahlkampf angekündigten Bürgerinformationen in den Ortsteilen. Diese werde ich jedoch zu gegebener Zeit nachholen. Positiv war wiederum Oberteuringens Re-Zertifizierung beim European Energy Award. Hier konnten wir uns weiter verbessern und bekamen den Silberstatus bestätigt. Mit der katholischen Kirche zusammen konnten wir den neuen Spielplatz am St. Martin Kindergarten einweihen.

Das neue Außengelände des Kindergartens St. Martin in Oberteuringen ist eingeweiht. Bild: Claudia Wörner
Das neue Außengelände des Kindergartens St. Martin in Oberteuringen ist eingeweiht. Bild: Claudia Wörner | Bild: Claudia Wörner

Außerdem haben wir ein neues Feuerwehrfahrzeug in Betrieb genommen. Ein Teil des Radwegs in Richtung Urnau ist fertig, die Planungen und Gespräche für den zweiten Bauabschnitt laufen. Ganz wichtig, Oberteuringen ist jetzt an die Regiobuslinie von Ravensburg über Markdorf nach Konstanz angeschlossen.

Seit dem 2. November bindet die neue Regiobuslinie 700 auch die Gemeinde Oberteuringen an die Strecke Ravensburg – Konstanz an.
Seit dem 2. November bindet die neue Regiobuslinie 700 auch die Gemeinde Oberteuringen an die Strecke Ravensburg – Konstanz an. | Bild: Grupp, Helmar
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Hier bekomme ich viele positive Rückmeldungen. Unter dem Strich hat der Neubau der Schule für uns die höchste Priorität. Wir sind voll im Zeitplan und das ist wichtig. Gut ist auch, dass wir die Verhandlungen über die Verlagerung der Tennisanlage mit der der Tennisabteilung erfolgreich und in gutem Einvernehmen abschließen konnten.