Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ist auch für die Stadt Meersburg eine Herausforderung. Deshalb soll nun die Stadtplanungsfirma „die STEG“ ein Konzept erstellen, wie der Sommertalparkplatz künftig doppelt, als Wohn- und Parkraum, genutzt werden könnte. Für ein Pauschalhonorar von 29 400 Euro soll die STEG eine Projektierung entwickeln. Letztere wird voraussichtlich rund drei Jahre dauern und umfasst Schritte, die von einer Standortanalyse über ein Planungs- und Nutzungskonzept bis hin zur Akquisition von Investoren und der Durchführung eines freiwilligen Bieterverfahrens reichen. Der Gemeinderat bewilligte die Beauftragung jetzt mit 13 Ja-Stimmen bei fünf Ablehnungen und einer Enthaltung.

Stadt will bei möglicher Ausschreibung Einfluss nehmen können

Man erhoffe sich von diesem Standort eine „Ideallösung für Parken und Wohnen“, sagte Bürgermeister Robert Scherer. Das landesweit bekannte Büro die STEG habe sich bereits im Vorfeld ausführlich mit einer Entwicklung im Sinne der Stadt sowie den Ansprüchen der Bürgerschaft beschäftigt. Besonders die Einflussnahme der Stadt auf eine mögliche Ausschreibung sei für die Verwaltung ein wichtiges Argument.

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Beauftragte Firma „die STEG“ ist unabhängig von Investoren

„Wir wollen keine Planung überstülpen“, unterstrich denn auch Götz Hofmann von der STEG, der deren Vorgehensweise erklärte. Er betonte die Unabhängigkeit der STEG von Investoren. „Wir wollen Ihnen eine Auswahl von Bauträgern bieten.“ Wer den Zuschlag letztlich bekomme, entscheide die Stadt, die im Vorfeld Kriterien wie etwa einen Mindestkaufpreis festlegen könne. Die STEG habe ein starkes Interesse an einem umsetzbaren Projekt – allein schon, weil sie nur bei einer Verwirklichung ihr „Erfolgshonorar“ in Höhe von drei Prozent der Nettobaukosten vom Investor bekäme.

Krititsche Fragen nach verbleibendem Parkraum

Natürlich müsse ein Projekt wirtschaftlich sein, das bedeute aber nicht, dass ein Grundstück „bis auf den letzten Quadratmeter ausgemostet wird“, hob Hofmann mehrfach hervor. Ihm sei etwa wichtig, dass man einen „relativ breiten Wohnungsmix“ anbiete. Wer denn eine Nutzermischung auswähle, fragte Anna-Lena Murzin (Grüne), der eine „gemischte Nutzung“, etwa durch Familien und Senioren wichtig wäre. „Der Investor letztendlich, die Gemeinde kann aber Kriterien vorgeben“, meinte Hofmann. Markus Waibel (FW) sagte: „Ich lege großen Wert auf bezahlbaren Wohnraum.“ Aber er wolle schon auch wissen: „Wie viele Parkplätze habe ich zum Schluss noch?“ Denn diese würden auch von vielen Berufstätigen genutzt. Der Sommertalparkplatz sei „nicht das Lieblingsbaugebiet der Freien Wähler“, sagte Waibel ferner. Mit dieser Ansicht stand er nicht allein. So meinte Georg Dreher (CDU), er könne sich angesichts des sumpfigen Geländes nicht vorstellen, dass dort bezahlbarer Wohnraum möglich sei. Außerdem brauche die Stadt die Parkplätze. Drehers Fazit: „Der Platz ist mir für diesen Zweck zu schade.“ CDU-Fraktionschef Peter Schmidt sah das ähnlich und fand, das alte Bauhofgelände sei prädestiniert für Bebauung, ebenso die Dr.-Zimmermann-Straße.

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Georg Dreher (CDU) hat Bedenken wegen des Untergrundes

Der Bürgermeister sagte zu Dreher, er verstehe die Bedenken wegen des Untergrunds. Aber erstens müsste man, selbst wenn man zwei Parkebenen verwirkliche, nur teilweise ins Gelände hinein und zweitens: Je tiefer man gehe, desto eher komme man auf tragfähigen Grund. Außerdem habe die Stadt auch noch andere Parkplätze.

Christine Ludwig (Grüne) spricht von „komplett falscher Stelle“

Christine Ludwig (Grüne) sagte: „Ich bin auch keine Freundin von diesem Standort. Ich denke wir planen an der komplett falschen Stelle.“ Die Untere Daisendorfer Straße „ist für mich vorrangiges Gebiet, wo wir uns Gedanken machen müssen.“

Peter Krause (Umbo): „Endlich bezahlbaren Wohnraum schaffen“

Scherer sagte, er sehe es vielmehr als Chance, den Sommertalparkplatz in eine Gesamtplanung mit einfließen zu lassen. Peter Krause (Umbo) schlug vor, einen Bebauungsplan aufzustellen, „wo wir die ganze Schützenstraße reinpacken.“ Er sei für die Projektierung. „Wir müssen schauen, dass wir endlich bezahlbaren Wohnraum schaffen und nicht schon wieder im Vorfeld Argumente suchen, warum‘s nicht geht.“ Sein Fraktionskollege Christian Herter pflichtete ihm bei: „Ich sehe die 30 000 Euro als Investition. Mal schauen, was dabei rauskommt.“

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Ludwig hob zum Schluss hervor, sie würde eine Wohnbaugenossenschaft einem Investor vorziehen. Monika Biemann (Umweltgruppe) sekundierte ihr: „Wenn ich Investor höre, weiß ich, der will was verdienen.“

Hofmann sagte, die Stadt müsse sehr früh schauen, welches Instrumentarium sie vorgebe. Er räumte ein: „Ich gebe Ihnen recht, wenn Sie selbst Eigentümer sind, haben sie ein ganz anderes Instrumentarium.“ Aber die Stadt müsse dann auch selbst investieren. Er nehme aus der Sitzung mit: Stellplätze und bezahlbarer Wohnraum seien dem Rat ganz wichtig, so Hofmann.

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