Meersburg – Die Schriftstellerin Monika Taubitz wird am heutigen 2. September 80 Jahre alt. Sie hat bis dato rund 20 Bücher verfasst und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, sowohl für ihr literarisches Werk als auch ihr gesellschaftliches Engagement, vor allem für ihre Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung. Fragt man Taubitz nach den wichtigsten Meilensteinen in ihrem bisherigen Leben, dann nennt die gebürtige Breslauerin an erster Stelle als "größte Überraschung und erfreulichste Tatsache, dass die Grenzen gefallen sind zu meiner alten Heimat und ich Brücken mitbauen konnte."

In Polen erfährt sie außerordentliches Interesse, seit Jahren erscheinen ihre Texte auch auf Polnisch, sogar in einem Schulbuch sind drei ihrer Gedichte abgedruckt. Dieses Jahr noch wird die Dissertation der Breslauer Germanistin Justyna Kubocz verlegt, deren Titel lautet: "Kunst und Pflicht – zum literarischen und kulturpolitischen Wirken von Monika Taubitz".

Taubitz wurde am 2. September 1937 in Breslau geboren und verbrachte ihre ersten Lebensjahre in Markt-Bohrau, Breslau und Eisersdorf in Schlesien, im heutigen Polen. Als Kind wurde sie 1946 mit ihrer Mutter und ihrer Tante vertrieben. Es verschlug sie zuerst nach Nordenham an der Wesermündung, 1951 siedelten sie ins Allgäu um.

Ihre ersten Gedichte und Geschichten schrieb die junge Monika auf Zeitungsränder. Denn Papier war knapp und kostbar nach dem Krieg. Später wurde Taubitz Lehrerin und kam 1965 nach Meersburg. Die Stadt, in der sie nun seit 52 Jahren lebt, bezeichnet Taubitz als den "zweiten Teil meiner Heimat" und greift damit ein Zitat von Annette von Droste-Hülshoff auf.

Die Droste war es auch, die Taubitz erstmals nach Meersburg führte. Als 14-Jährige besuchte sie das Fürstenhäusle und fiel dessen Retterin und Betreiberin Helene von Bothmer sofort auf. "Du schreibst sicher auch Gedichte, schick mir welche", forderte sie das Mädchen auf. Dies war der Beginn einer langen Freundschaft, die bis zu von Bothmers Tod 1996 dauerte. Jahrzehntelang half Taubitz auch im Fürstenhäusle aus. Im vergangen Jahr stellte sie ihre Biografie Helene von Bothmers im Neuen Schloss vor. Es war Taubitz bis dato jüngste Buchveröffentlichung.

Ihre Themen sind vielfältig. Doch das gerate angesichts der Aufmerksamkeit, die sie als Autorin und Zeitzeugin für die Themen Flucht, Vertreibung und Aussöhnung errege, etwas in den Hintergrund, bedauert Taubitz. Besonders interessiert sie sich für die "Helden des Alltags", denen kaum jemand Beachtung schenkt. So schrieb sie über Euthanasieopfer in "Dort geht Katharina oder Gesang im Feuerofen" (1984) oder, in "Abstellgleis" (2007), über eine ins Altenheim abgeschobene Frau. Auch dem Bodensee widmet Taubitz immer wieder ihre Aufmerksamkeit, zum Beispiel mit dem Gedichtband "Im Anschlag der Wellen."

Taubitz erinnert sich noch an die allererste Veröffentlichung eines Gedichts aus ihrer Feder, "über Regen", das sie als Jugendliche in Nordenham verfasste. Für den Abdruck zahlte die Kreiszeitung fünf Mark Honorar. Taubitz kaufte davon ein Buch über Schlesien, ein Thema, das sie nicht loslässt.

Im Jahr 1972 war sie zum ersten Mal nach ihrer Vertreibung wieder in die alte Heimat gefahren. Die dabei geweckten Erinnerungen verarbeitete sie in "Schlesien – Tagebuch einer Reise." Danach wollte sie während des Kalten Krieges nicht mehr nach Polen reisen. Nach der Wende aber knüpfte ein Bibliothekar aus Kattowitz Kontakt zu Taubitz, polnische Germanisten wurden auf sie aufmerksam, die Universität Breslau nahm sie 2008 in ihre Deutsch-Polnische Gesellschaft auf.

Berührend sind vor allem jedoch die persönlichen Beziehungen, die im Lauf der Jahre entstanden, etwa die Freundschaft mit Elzbieta, die heute in Eisersdorf in dem Haus wohnt, in dem die Familie Taubitz einst lebte. In Eisersdorf hat man Taubitz 80. Geburtstag übrigens bereits gefeiert: Anlässlich ihres jüngsten Besuchs dort im vergangenen Mai hatten die Gastgeber ihn kurzerhand vorverlegt. Man ließ zu Ehren Taubitz sogar eine Messe feiern, erzählt sie schmunzelnd. Aus gleichem Anlass erschien ihr jüngster Gedichtband "Lob der Ebene" auf Polnisch. Doch damit nicht genug: Eisersdorfer Schüler trugen Gedichte daraus vor – "eines wurde sogar auswendig auf Deutsch aufgesagt" – und zwar in der Schule, die Taubitz einst selbst besucht hatte. Auch diese Einrichtung hat eine bewegte Geschichte: Im Krieg wurde sie in eine Panzerreparaturwerkstatt umgewandelt, danach in eine polnische Schule, die deutsche Kinder nicht besuchen durften, heute ist sie ein privates Gymnasium.

Hier schließt sich ein Kreis. Doch es ist nicht der einzige in Taubitz Laufbahn, ihre Schriftstellerkarriere geht weiter. Gerade sitzt sie an einer Erzählung mit dem Titel "Ophelias Spur". Und, so Taubitz, es könnte sein, dass sich daraus noch mehr ergebe. Auf die vergangenen Jahrzehnte zurückblickend, hebt sie vor allem hervor: "Ich bin froh, dass es mir gelungen ist zu schreiben. Schreibend bin ich zufrieden. Wenn ich das nicht mehr könnte, würde mir eine Lebenselixier fehlen."

Freude schöpfte sie aber auch aus ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten, so in der Künstler- und Literatenvereinigung "Wangener Kreis", dem sie bis heute eng verbunden ist. Auch in diesem Rahmen, bei den diesjährigen "Wangener Gesprächen" Ende September, wird Taubitz anlässlich ihres runden Geburtstags mit einer Feierstunde und einer Laudation geehrt werden. Als abschließenden Kommentar zu den vergangenen 80 Jahren fasst Taubitz zufrieden zusammen: "Ich habe immer was gearbeitet." Und: "Ich bereue nichts."

Zur Person

Monika Taubitz kam am 2. September 1937 in Breslau zur Welt, 1946 wurden sie und ihre Familie aus Schlesien vertrieben. Seit 1965 lebt Taubitz in Meersburg, wo sie bis 1997 als Lehrerin arbeitete. Ihr erstes Buch, den Gedichtband "Fallende Sterne", veröffentlichte sie 1968. Von 1996 bis 2011 leitete sie den "Wangener Kreis", Gesellschaft für Literatur und Kunst des (ehemals deutschen) Ostens. Zu den literarischen Auszeichnungen Taubitz zählen der Eichendorff-Preis (1978), der Andreas-Gryphius-Preis (2012) oder der Nikolaus-Lenau-Preis (2016). Außerdem wurde sie für ihre Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung mehrfach gewürdigt, so 2013 mit der Heimatmedaille Baden-Württembergs und 2014 mit dem Bundesverdienstkreuz. (flo)