Der Malerpoet Hans Dieter (1881 bis 1968) hatte das große Glück, das so manchen Künstlern verwehrt bleibt, die Früchte seines Schaffen schon zu Lebzeiten genießen zu können. Der oft als "Portraitist des Bodensees" bezeichnete Künstler war wirtschaftlich erfolgreich und dass der über Deutschland hinaus bekannte Maler und Dichter zu seinem 75. Geburtstag am 14. Januar 1956 zum Ehrenbürger der Stadt Meersburg ernannt wurde, war Ausrufezeichen hinter einen Ruf, der bis heute nachhallt. Zum 50. Todestag plant der Kulturverein Meersburg, Hans Dieter mit einer großen Ausstellung zu würdigen. Ab 28. April sollen über 100 Werke zu sehen sein, "die fast alle aus Privatbesitz stammen und so noch nie zu sehen waren", sagt Michael Dörr, der die Präsentation organisiert. Aufgrund der Vielzahl der gezeigten Werke findet die Schau in zwei Ausstellungsräumen statt, und zwar sowohl im Kulturzentrum des Winzervereins Meersburg als auch im Wohnstift Augustinum Meersburg. "Das war wir zusammentragen, ist sehr respektabel", sagt Dörr, dennoch appelliert er an die Kunstfreunde der Region, die vielleicht noch einen Hans Dieter zuhause hängen haben, sich zu melden. "Vielleicht liegt ja noch der eine oder andere Hans Dieter herum, den wir noch nicht gesehen haben" (Siehe Infokasten am Ende des Artikels).

Oft wurde Hans Dieter "Portraitist des Bodensees" genannt. Der impressionistische Landschaftsmaler hinterließ in seinem großen Werk zahlreiche Ansichten des Sees. Bild: Kulturverein
Oft wurde Hans Dieter "Portraitist des Bodensees" genannt. Der impressionistische Landschaftsmaler hinterließ in seinem großen Werk zahlreiche Ansichten des Sees. Bild: Kulturverein

"Der Großteil der Bilder gehört Mitgliedern des Kulturvereins", erläutert Dörr, der selbst Hans Dieter sammelt. Aber auch von weiteren Vorstandsmitgliedern wie Axel Hinterseh oder Sebastian Schmäh kommen Gemälde. Und auch von Hilde Strommayer, die ebenfalls Gründungsmitglied sei. Und dann sei ihnen auch noch gelungen, sämtliche Werke, die der Salemer Kunstsammler Bernhard Reck von dem berühmten Bodensee- und Landschaftsmaler besitzt, in die Ausstellung zu holen. Der Seniorchef von "Reck's Hotel Restaurant" ist bekannt für seine Sammelleidenschaft, zahlreiche Kunstwerke schmücken das Familienhotel.

Bis zur Eröffnung der Ausstellung soll der Kulturverein Meersburg auch ein eingetragener Verein sein, beantwortet Dörr eine entsprechende Frage. Die Gründunsgversammlung habe bereits im Juni 2016 stattgefunden, doch seinen die Unterlagen damals auf dem postalischen Weg nach Freiburg zur Eintragung ins Vereinsregister verloren gegangen. So hätten die Gründungsmitglieder die Unterlagen nochmals unterschreiben müssen und danach seien sie per Einschreiben ans Gericht geschickt worden. "Ich rechne damit, dass wir das e.V. binnen zehn Arbeitstagen haben", sagte Dörr am gestrigen Freitag.

Seit 1919 hatte Hans Dieter seinen Lebensmittelpunkt in Meersburg. Er lebte und arbeitete 18 Jahre in der Burg, die er vielfach malte. Bild: Kulturverein
Seit 1919 hatte Hans Dieter seinen Lebensmittelpunkt in Meersburg. Er lebte und arbeitete 18 Jahre in der Burg, die er vielfach malte. Bild: Kulturverein

Zwar wurde Hans Dieter 1881 in Mannheim geboren, doch ist er ein echter "Seehase": Schon im Jahr seiner Geburt zogen seine Eltern nach Radolfzell und ein Jahr später nach Konstanz. Dort verbrachte er Jugendjahre und Schulzeit. Er besuchte ab 1895 Lehrerseminare in Gengenbach und Karlsruhe und galt dort als bester Zeichner – und bester Mathematiker. Ab 1900 arbeitete er im Schwarzwald als Zeichenlehrer. Im Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) kam er als Soldat an die Front und überlebte verwundet. Sein Freund Hans Thoma (1839 bis 1924), der auch heute noch berühmtere Maler, riet ihm zu einer Karriere als freischaffendem Künstler. 1919 zogen ihn und seine Frau Lydia der See nach Meersburg. Für 18 Jahre wohnte und malte er in der Burg, hielt sich aber im Winter oft in Freiburg auf und hatte weitere Ateliers in Karlsruhe, München, Berlin und Paris, in denen er auf seinen Reisen arbeitete. Später erbaute ihm der eigene Sohn, der Architekt geworden war, ein Atelierhaus über den Weinbergen am Menizhoferweg. Nach dem Tod seiner ersten Frau Lydia 1956 heiratete er 1959 die Pianistin Johanna Maier, die ihn nach seiner fast vollständigen Erblindung 1962 pflegte und versorgte. Was er nun nicht mehr malen konnte, fasste er in Gedichtzeilen. Am 30. Dezember 1968 verstarb er in Tuttlingen, wo er sich während der Wintermonate oft aufgehalten hatte. Der Stein auf seinem Ehrengrab trägt den Titel eines seiner bedeutendsten Werke, entstanden 1920: "Einer, der seinen Weg ging."

Demnächst soll ihr Kulturverein ein "e.V." haben: Der Vorsitzende Michael Dörr mit seinen Stellvertretern (weiter von links) Sebastian Schmäh, Axel Hinterseh und Gründungsmitglied Diethard Nowak. Bild: Kulturverein
Demnächst soll ihr Kulturverein ein "e.V." haben: Der Vorsitzende Michael Dörr mit seinen Stellvertretern (weiter von links) Sebastian Schmäh, Axel Hinterseh und Gründungsmitglied Diethard Nowak. Bild: Kulturverein

Ausstellung und Aufruf

Die Ausstellung zum 50. Todestag von Hans Dieter wird mit einer Doppel-Vernissage an beiden Ausstellungsorten eröffnet. Am Samstag, 28. April, 19 Uhr, im Wohnstift Augustinum und am Sonntag, 29. April, 19 Uhr, im Kulturzentrum des Winzervereins. Die Präsentation endet am Sonntag, 3. Juni. Der Katalog zur Ausstellung ist ab 28. April erhältlich. Der Eintritt wird frei sein.

  • Leigaben gesucht: Der Kulturverein Meersburg verbreitete gestern folgenden Aufruf: "Wer noch Gemälde von Hans Dieter in seinem Besitz hat und diese bei der Ausstellung zeigen möchte, wendet sich bitte baldmöglichst beim Kulturverein Meersburg per Mail unter irgmd@yahoo.de oder telefonisch unter der Nummer 0 75 32 / 80 73 64. (mba)