Michael Schlegel lächelt. Obwohl Gewitterwolken aufziehen und sich der Himmel von Süden her deutlich verdunkelt. Weder das meteorologische Ungemach noch die Widrigkeiten des Baumarkts können die Gemütslage des Bauamtsleiters nachhaltig eintrüben. Bis jetzt zumindest. „Wie sich die Situation weiter entwickelt, das kann derzeit noch keiner absehen“, erklärt Schlegel mit Blick auf die durch die aktuelle Ukraine-Krise noch verschärften Materialengpässe und ruckelnden Lieferketten.

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Unternehmen reagieren zögerlich

Die jüngsten Beispiele für dadurch bedingte Probleme musste der Bauamtsleiter den Räten bei der Gemeinderatssitzung Anfang Mai berichten. Schlegel erläuterte, warum die Stadt für die Sanierung des Bestandsgebäudes der Jakob-Gretser-Grundschule bis auf Weiteres keine Vergabepakete mehr schnüren kann. Allzu ungewiss sei für die ihre Angebote abgebenden Unternehmen, wie sich ihre Kosten entwickeln. Für die drei zuletzt unbeschränkt und europaweit ausgeschriebenen Gewerke – Heizung, Sanitär und Lüftung – bedeutete das, dass sie nun neuerlich ausgeschrieben werden mussten.

So sieht es auf der Baustelle aus.
So sieht es auf der Baustelle aus. | Bild: Jörg Büsche

Beschränkt, weil auf die erste, unbeschränkte Ausschreibung niemand geantwortet hatte. Unterdessen vergab der Gemeinderat die Sanitärarbeiten an ein Markdorfer Unternehmen. Und die Arbeiten an der Belüftungsanlage gehen an eine Firma mit Sitz in Konstanz. Das Gewerk Heizung wird erst noch zu vergeben sein.

Rundgang durch die neue Turnhalle

Rundgang durch die neu entstandene Turnhalle der Jakob-Gretser-Grundschule: „Die Fassade ist fertig“, freut sich Schlegel. Die rückwärtige Fassade des in den 1960er Jahren erstellten Grundschulanbaus wurde ausgebessert und neu gestrichen.

Schon fertig: die Fassade des 1960er-Jahrebaus.
Schon fertig: die Fassade des 1960er-Jahrebaus. | Bild: Jörg Büsche

Neu seien auch die Fensterfassungen. Gleichfalls neu ist die Fotovoltaikanlage auf dem Dach. Eine zweite wurde auf dem Dach des alten Gebäudeteils aus den 30er Jahren installiert. Für die Schüler freut sich Schlegel wegen der Bewegungshalle, in der sie künftig spielen können. „Da haben sie schon eine Menge Platz“, findet der Baumamtschef. Schließlich wird die alte Turnhalle nicht für ganz andere Zwecke genutzt, weil auf dem Freigelände vor der Schule eine neue Sporthalle entsteht. Geturnt und getobt werden kann auch weiterhin in der früheren Halle – nur dass die laut Plan nicht mehr Turnhalle, sondern Bewegungshalle heißt.

Brandschutz wird groß geschrieben

Auf dem Weg in die Bewegungshalle, das Treppauf und Treppab, das irritierende Durchqueren fensterlose Bereiche blieb erhalten, weist Schlegel mit dem Finger zur Decke. Dort liegen Kabelkanäle offen. Sie bereiten Kopfzerbrechen. Fürs Gewirr der Stränge fehle jede Orientierung. Zwar lägen Pläne vor. Das darin Eingezeichnete entspreche aber nicht der Situation der Kabel und Kanäle, was das Arbeiten nicht gerade leichter mache. Und es koste Zeit, weil immer wieder gesucht, probiert, getestet werden muss. Mit den heutigen strengen Auflagen des Brandschutzes sei die alte Leitungsanlage schlechterdings nicht mehr zu vereinbaren, erklärt Schlegel.

Verwirrend: die Leitungen unter den Decken des Bestandsgebäudes.
Verwirrend: die Leitungen unter den Decken des Bestandsgebäudes. | Bild: Jörg Büsche
Hier unter dem Dach entstehen neue Klassenräume.
Hier unter dem Dach entstehen neue Klassenräume. | Bild: Jörg Büsche

Aufwändig waren auch die Arbeiten unterm Dach des 30er-Jahre-Baus. Damit dort neue Klassenräume entstehen konnten, mussten die alten Holzböden mit Stahl und Beton ertüchtigt werden. Hinzu kam der notwendige Schallschutz. Unterm Dach weist Schlegel auf erneuertes Gebälk. „Da geht einem das Herz auf, wenn man so viel handwerkliches Können sieht“, lobt er die Arbeit eines Markdorfer Zimmerei-Unternehmens.

Pandemie und Holz bereiten Probleme

Fertig wie vorgesehen wird aber nicht alles. Insbesondere durch die Lieferprobleme beim Bauholz sei man in Verzug gekommen, erklärt Bauamtsleiter Schlegel. Weiterer Grund für die Verzögerung sei die Pandemie.

Durch Corona sei es immer wieder zu Ausfällen ganzer Arbeitskolonnen gekommen. Nicht wie vorgesehen, schon mit Beginn des neuen Schuljahres, sondern erst im Herbst werden die Schüler ihre neue Turnhalle nutzen können. Immerhin: Das Dach der Halle ist schon jetzt dicht – und der Einbau der Fenster steht unmittelbar bevor.

Die hölzerne Dachkonstruktion der Turnhalle.
Die hölzerne Dachkonstruktion der Turnhalle. | Bild: Jörg Büsche