In der städtischen Verwaltung arbeiten derzeit 60 Mitarbeiter. So die Zahl, die Klaus Westhauser, Mitarbeiter eines Kommunalberatungsunternehmens in Obersulm, bei der jüngsten Gemeinderatssitzung vortrug. Sie sorgte für den Unmut von Uwe Achilles. Der Fraktionsvorsitzende der SPD monierte, dass die vom Beratungsbüro vorgelegten Tabellen fehlerhaft seien. „Ohne gescheite Unterlagen macht das Arbeiten mit den Sitzungsunterlagen keinen Spaß.“

„Mit falschen Zahlen arbeiten zu müssen, ist eine Zumutung für den Gemeinderat. Das macht keinen Spaß.“Uwe Achilles, SPD
„Mit falschen Zahlen arbeiten zu müssen, ist eine Zumutung für den Gemeinderat. Das macht keinen Spaß.“Uwe Achilles, SPD | Bild: SK

Noch harscher fiel die Kritik von FDP-Stadtrat Rolf Haas aus. Seiner Ansicht nach war das von Obersulmer Beratungsunternehmen vorgelegte Raumkonzept ein Totalausfall. Weder berücksichtige es den während der Corona-Krise eingetretenen Digitalisierungsschub, noch gehe es näher auf die Veränderungen im Arbeitsalltag von Verwaltungen ein: auf den Trend zu Telearbeitsplätzen und auf die zunehmende Teilzeitarbeit. „So ist das Raumkonzept nicht schlüssig“, sagte Haas, „Sechs, setzen!“

„Das Thema Digitalisierung fehlt völlig im Konzept, ebenso Teilzeitarbeitsplätze. Sechs, setzen!“Rolf Haas, FDP
„Das Thema Digitalisierung fehlt völlig im Konzept, ebenso Teilzeitarbeitsplätze. Sechs, setzen!“Rolf Haas, FDP | Bild: SK

Räte unzufrieden mit Verwaltung

Die Unzufriedenheit, auch von Stadträten der Freien-Wähler-Fraktion geäußert, bezog sich auf die Verwaltung. Auf den Auftrag, den die Stadt an das Kommunalberatungsunternehmen herangetragen habe, erklärte Freie-Wähler-Fraktionschef Dietmar Bitzenhofer. Denn: „Der Projektauftrag erfüllt nicht unbedingt das, was wir wollen.“

„Wenn wir das Rathaus sanieren, wollen wir für die nächsten 30 Jahre auf der sicheren Seite stehen.“Dietmar Bitzenhofer, Freie Wähler
„Wenn wir das Rathaus sanieren, wollen wir für die nächsten 30 Jahre auf der sicheren Seite stehen.“Dietmar Bitzenhofer, Freie Wähler | Bild: SK

Der Gemeinderat wünsche sich ein zukunftsfähiges Rathaus. Ein Rathaus, das auf den Wandel der Arbeitsabläufe reagieren könne. Dementsprechend, so betonte Jens Neumann von den Freien Wählern, hätten neue Arbeitskonzepte in dem Raumkonzept diskutiert werden müssen. Grundsätzlich forderte Neumann, dass zunächst mit den Mitarbeitern in der Verwaltung zu reden sei, wo denn deren Bedürfnisse liegen.

Nicht mehr zeitgemäß: die Arbeitsplätze im Rathaus.
Nicht mehr zeitgemäß: die Arbeitsplätze im Rathaus. | Bild: Jörg Büsche

Bürgermeister Georg Riedmann, der die Diskussion als „außerordentlich irritierend“ bezeichnete, verwies auf die besonderen Bedingungen, die in einer Verwaltung herrschten. Und die kaum zu vergleichen seien mit jenen in der Wirtschaft. Zu differenziert, zu individuell seinen die Aufgabenfelder der Rathausmitarbeiter. Datenschutz und die gebotene Diskretion erschwerten das Arbeiten von zu Hause ganz erheblich. Überdies erwarteten die Rathauskunden eine gewisse Konstanz. „Die möchten ihre Ansprechpartnerin im Bauamt nicht erst aufwändig suchen müssen“, sagte Riedmann.

Die Eingangssituation des Rathauses wird umgestaltet. Künftig erwartet den Bürger eine Service-Zone.
Die Eingangssituation des Rathauses wird umgestaltet. Künftig erwartet den Bürger eine Service-Zone. | Bild: Jörg Büsche

In diesem Zusammenhang verwies CDU-Fraktionschefin Kerstin Mock auf die „vielen kleinen Rattenschwänze“, die eine Einrichtung von Arbeitsplätzen im häuslichen Umfeld der Mitarbeiter nach sich zöge. Und überhaupt: „Homeoffice-Arbeitsplätze sparen keine Kosten“, erklärte Kerstin Mock.

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Joachim Mutschler, Fraktionsvorsitzender der Umweltgruppe, erinnerte ans Kernanliegen der Diskussion. „Uns fehlen etliche hundert Quadratmeter für die Verwaltung – und wir wollen, dass diese Büros vor Ort, dicht bei den Menschen sind.“ Die Digitalisierung, deren Chancen und Möglichkeiten zu erörtern, sei vor diesem Hintergrund kaum zweckmäßig, bestehe der erhöhte Raumbedarf doch mit Sicherheit weiter.

„Eine Diskussion des Themas Digitalisierung ist nicht zielführend. Die Digitalisierung ist nichts Neues.“Joachim Mutschler, Umweltgruppe
„Eine Diskussion des Themas Digitalisierung ist nicht zielführend. Die Digitalisierung ist nichts Neues.“Joachim Mutschler, Umweltgruppe | Bild: Mutschler

Den Raumbedarf sah Kommunalberater Klaus Westhauser vor allem im Bereich der Freikapazitäten. Das sind Flächen, die für zu erwartende neue Aufgaben der Verwaltung frei gehalten werden sollten. Bürgermeister Riedmann brachte das Beispiel der für die Eingliederung von Geflüchteten zuständigen Mitarbeiter. Mit weiteren neuen Aufgabenfeldern sei aber auch künftig zu rechnen, so Westhauser. Er nannte etwa die Finanzverwaltung.

Bedarf an Freikapazitäten

Insofern empfahl er, zwei bis drei Büros als Freikapazität vorzuhalten. Außerdem riet er zu Kopier- und Scan-Räumen auf jedem Rathausstockwerk sowie auch zur Einrichtung von kleineren Sitzungssälen für die Fraktionen und kleinen separaten Besprechungszimmern. Insgesamt bezeichnete Westhauser die vorliegende Raumplanung als bedarfsgerechte „runde Sache“.

Ein Urteil, auf das sich Alfons Viellieber (CDU) bezog, der Westhausers Vortrag als „schlüssig“ bezeichnete. „Ich bin kein Experte für Arbeitsabläufe in der Verwaltung“, betonte er. Ihm sei aber klar, dass man Reserven brauche, dass eine Modernisierung geboten sei. Im Übrigen zeigte sich Viellieber erstaunt über die große Organisationsexpertise seiner Ratskollegen.

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