Nachdem Bund und Länder am vergangenen Sonntag beschlossen hatten, den Alltag in der Republik ab Mittwoch herunterzufahren, traf diese Nachricht auch die Markdorfer Einzelhändler wie ein Schlag ins Gesicht. Sorgte schon der Lockdown Light vom November für ein verhaltenes Weihnachtsgeschäft, so können sie es jetzt komplett abschreiben. Dabei kritisieren die Händler die Maßnahme als solche gar nicht unbedingt, vielmehr sorgen der Zeitpunkt und das zögerliche Handeln für viel Verdruss – und volle Läden für einige Tage.

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Am Montagnachmittag hieß es vor einer Drogerie in der Markdorfer Hauptstraße Schlange stehen.
Am Montagnachmittag hieß es vor einer Drogerie in der Markdorfer Hauptstraße Schlange stehen. | Bild: Jan Manuel Heß

Große Nachfrage nach Geschenken

Beatrice Strauch, Inhaberin eines Drogerie- und Fotofachgeschäfts in der Marktstraße, hat am Montagnachmittag alle Hände voll zu tun. „Der Ansturm ist groß, die Nachfrage nach Geschenken ebenso. Dabei darf ich als Drogerie weiterhin geöffnet haben, doch viele wollen ihre Erledigungen vor Mittwoch hinter sich haben.“ Bezüglich des Zeitpunkts für den Lockdown hat sie eine klare Meinung: „Hätte man früher konsequenter gehandelt, wäre uns dies zum jetzigen Zeitpunkt vielleicht erspart geblieben.“

Beatrice Strauch ist froh über ihre Stammkunden, die ihr auch während der Krisenzeit treu blieben.
Beatrice Strauch ist froh über ihre Stammkunden, die ihr auch während der Krisenzeit treu blieben. | Bild: Jan Manuel Heß

Früherer Lockdown wäre womöglich besser gewesen

Nur ein paar Häuser weiter betreiben Marion und Helmut Schweizer ihren Geschenke- und Dekorationsladen Des&Sell. Hier gehen die Meinungen zum Lockdown etwas auseinander. Einig sind sich beide, dass ohne ihre Stammkundschaft der Umsatz richtig im Keller liegen würde, entsprechend dankbar sind sie. „Wir können uns glücklich schätzen, das gibt uns Zuversicht“, sagt Marion Schweizer.

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Anders jedoch, wenn es um den anstehenden Lockdown geht, da meint Helmut Schweizer: „Wenn man das Ganze früher durchgezogen hätte, dann hätte man jetzt auf Lockerungen hoffen können.“ Seine Frau sieht das anders: „Das kann man gar nicht wissen, ob es jetzt tatsächlich besser wäre und es Lockerungen gegeben hätte.“ Schlimmstenfalls hätte man seit November überhaupt keine Umsätze generieren können. „Und da hilft auch die treueste Stammkundschaft dann nichts.“

Marion und Helmut Schweizer von Des&Sell in Markdorf sind froh, dass Stammkundinnen wie Stefania Menga ihnen die Treue halten und viele Weihnachtsgeschenke bei ihnen kaufen.
Marion und Helmut Schweizer von Des&Sell in Markdorf sind froh, dass Stammkundinnen wie Stefania Menga ihnen die Treue halten und viele Weihnachtsgeschenke bei ihnen kaufen. | Bild: Jan Manuel Heß

Stefania Menga aus Markdorf hält nichts davon, ihre Käufe ins Internet zu verlagern, sie hat einige Sachen in ihrer Auswahl, Kuschelsocken und weihnachtliche Dekoartikel. „Ich bin eine von diesen Stammkundinnen, die sehr gerne unterstützen.“

Buchhändlerin kritisiert unnötigen Druck auf die Menschen

Über 80 Buchreservierungen sind allein am Samstag bei Kristina Deike-Müller von der Ravensbuch-Buchhandlung online eingegangen. Und auch jetzt herrscht großer Betrieb im Laden. „Das geht seit heute Morgen so“, berichtet Deike-Müller. „Interessanterweise kommen die Leute lieber persönlich vorbei, als dass sie das Online-Bestellsystem nutzen.“ Die Unternehmerin in ihr begrüße die hohe Nachfrage, aber persönlich sehe sie die aktuelle Entwicklung sehr kritisch, sagt sie. „Durch diese Maßnahme fühlen sich viele Menschen gezwungen, schnell ihre Weihnachtseinkäufe zu erledigen, das ist sicherlich nicht das planvollste Vorgehen.“

Kristina Deike-Müller, Geschäftsführerin von Ravensbuch in Markdorf, findet, dass der harte Lockdown viel früher hätte kommen müssen.
Kristina Deike-Müller, Geschäftsführerin von Ravensbuch in Markdorf, findet, dass der harte Lockdown viel früher hätte kommen müssen. | Bild: Jan Manuel Heß

Kaum Nachfrage nach Ski-Artikeln

Eher ruhig geht es bei Sportgeschäftbetreiber Manuel Raither zu. „Im Frühjahr hatte ich ja noch Hoffnung, dass Winterurlaub stattfinden kann, aber das war wohl nichts.“ Die Nachfrage nach Ski-Ausrüstung hält sich sehr in Grenzen. Nicht einmal der jährliche Ski-Service werde nachgefragt und entsprechend ruhig geht es in der ansonsten betriebsamen Werkstatt zu. „Jetzt mache ich erst mal zu und warte ab, wie sich die Krise und das Wetter weiterentwickeln. Vielleicht geht ja im März oder April noch etwas Wintersport“, sagt Raither.

Manuel Raither von Intersport Raither hat die Hoffnung, dass im kommenden März oder April, sollte es Lockerungen geben, die Nachfrage nach Wintersport-Artikeln noch mal anziehen könnte.
Manuel Raither von Intersport Raither hat die Hoffnung, dass im kommenden März oder April, sollte es Lockerungen geben, die Nachfrage nach Wintersport-Artikeln noch mal anziehen könnte. | Bild: Jan Manuel Heß