Sie reagiert freundlich, aber bestimmt. „Bitte nicht näher“, sagt Iwona Bartosch. Die weiß gekleidete Frau ist eben aus einem Kleinwagen ausgestiegen. Ihr Auto hat sie in eine schmale Lücke zwischen zwei anderen Autos mit der Aufschrift „Sozialstation“ geparkt hat. „Wir müssen aufpassen – unbedingt Abstand halten“, entschuldigt sich die Krankenschwester. Für ein Foto an der Eingangstür ist sie aber gerne bereit und holt dafür extra ihre Schutzmaske aus der Tasche, die Iwona Bartosch bei sich trägt, wenn sie unterwegs zu pflegebedürftigen Senioren ist.

Fieber messen vor dem Dienst

Hygiene werde in diesen Tagen noch größer geschrieben als ohnehin schon, erklärt Wolfgang Jauch, Geschäftsführer der Sozialstation Bodensee. Die etwa 400 Mitarbeiter des zum Caritas-Verband gehörenden Pflegedienstes betreuen aktuell rund 1800 Pflege- und Hilfsbedürftige in der Region. „Im Bereich der Hygiene können wir bei unseren Patienten daheim wirklich kaum noch mehr machen“, sagt Jauch. Aufwändiger sei die Vorbereitung der Mitarbeiter vor dem Arbeitseinsatz.

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„Vor Dienstantritt wird Fieber gemessen. Die Flasche mit dem Desinfektionsmittel ist ständiger Begleiter.“ Derzeit gebe es noch keine Engpässe. „Wenn etwas in einer Station zur Neige ging, konnte bisher immer aus einer anderen Station Ersatz besorgt werden“, erzählt Jauch. Und ein Hersteller habe ihm zugesagt, dass er weitere Schutzmasken liefert.

Die Fahrzeuge der Sozialstation Bodensee sind auch während der Kontaktsperre stets startklar, denn die häusliche Pflege geht weiter.
Die Fahrzeuge der Sozialstation Bodensee sind auch während der Kontaktsperre stets startklar, denn die häusliche Pflege geht weiter. | Bild: Jörg Büsche

Mitarbeiter putzen momentan selbst

Anders als vor der Corona-Krise werde das Reinigen der Sozialstationen gehandhabt. Die Mitarbeiter kümmern sich nun eigenständig darum. So sollen unnötigen Kontakte – etwa durch Reinigungskräfte – verhindert werden. Mit dem Ziel, Kontakte zu begrenzen, seien auch die Einsatzpläne angepasst worden: Durch zeitliche Verschiebungen begegnen sich nun weniger Mitarbeiter in den Stationen als vorher und telefonisch gebe es für kritische Situationen stets einen Ansprechpartner.

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Weiterhin würden Patienten möglichst nur noch von derselben Kraft betreut. Wolfgang Jauchs Bilanz knapp zwei Wochen nachdem die Corona-Krise zur Pandemie erklärt wurde: „Noch haben wir alles im Griff.“ Seine Mitarbeiter würden „alles Menschenmögliche dafür“ geben – auch dafür, dass sie sich nicht infizieren. Grund zur Panik bestehe nicht.

Wolfgang Jauch, Geschäftsführer der Sozialstation Bodensee, sieht derzeit keinen Grund zur Panik wegen der Corona-Krise.
Wolfgang Jauch, Geschäftsführer der Sozialstation Bodensee, sieht derzeit keinen Grund zur Panik wegen der Corona-Krise. | Bild: Jörg Büsche

Doch der Geschäftsführer sagt auch, dass die Verunsicherung groß ist. „Die Menschen sind in Sorge, sie wissen nicht, was jetzt auf sie zukommt.“ Das gelte sowohl für die Pflegebedürftigen als auch für deren Angehörige. Für die Mitarbeiter der Sozialstation bedeutet das: Sie müssen sich, so Jauch, oftmals ein wenig mehr Zeit nehmen, um auf Sorgen und Ängste einzugehen. Eine Aufgabe, die umso wichtiger sei, wenn die Pflegekräfte für die Senioren der einzige Berührungspunkt zur Außenwelt sind.

Infizierte Pflegekräfte „wären fatal“

Das schlimmste Szenario für Jauch: Wenn sich ein Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. Denn die vom Pflegedienst betreuten Menschen gehören zur Risikogruppe. In den meisten Fällen seien sie hoch betagt. Und viele seien darüber hinaus durch eine Vorerkrankung anfällig.

Wolfgang Jauch hat dieses „Worst-Case-Szenario“, wie er es nennt, längst durchgespielt. „Für die Patienten wäre das fatal.“ Fatal wäre es auch deswegen, weil sich niemand mehr um die Betreuten kümmern könnte. Deswegen achtet Krankenschwester Iwona Bartosch besonders darauf, ausreichend Abstand zu anderen Menschen zu halten. Und sie verschließt die Eingangstür der Sozialstation sofort wieder. Der Zutritt ist in diesen Tagen nur Mitarbeitern gestattet.

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