Auf Treue zum Verein können die Verantwortlichen des SC Markdorf bauen: „Ohne unsere Sponsoren und ohne unsere engagierten Trainer und Betreuer wären unsere Online-Projekte nicht möglich“, sagt Markus Kieferle, Vorsitzender der Abteilung Fußball. Gemeinsam mit Jugendkoordinator Ewald Schmid sowie F-Jugendtrainer und Ideengeber Stefan Hofmann stellte er die Trainingsaktivitäten vor Ort und vor dem Bildschirm vor, bei denen zwischen 35 und 40 Beteiligte involviert sind, und hofft für ein zweites Projekt auf weitere Sponsoren.

Schon beim zweiten Lockdown hatte man sich Gedanken gemacht, wie man die Kinder weiter begeistern könne. „Im November wussten weder Verein noch Verband wie es weitergeht“, so Ewald Schmid. Fußball in der Sporthalle war wegen der Abstandsregeln nicht erlaubt, auch Sportunterricht wurde gestrichen. In vier Monaten fehlten 270 Stunden Bewegung, hatte er ausgerechnet, die Stunden wichtiger sozialer Kontakte wie bei den Fahrten zu Auswärtsspielen nicht mit eingerechnet.

Mit Online-Training soll Bewegungsdefizit ausgeglichen werden

So kamen die Verantwortlichen auf die Idee des Online-Trainings. „Das war für mich Neuland, die Kinder am Bildschirm zu sehen und sie zu korrigieren.“ So spannte der Jugendkoordinator seinen Enkel Noah und seinen Sohn Daniel ein, die Übungen vorzumachen und ihn zu unterstützen, da er wegen einer Knie-OP eingeschränkt war.

Parallel dazu knüpfte er Kontakt zu Stefan Hofmann, weil unterschiedliche Altersgruppen eingebunden werden sollten. Ein Glücksgriff. Dieser trainiert die Sieben- bis Achtjährigen der F-Jugend und bereitete mit Kollegen das Online-Training vor.

„Das war eine Herausforderung, sich Übungen auszudenken, die auf maximal drei Mal drei Metern stattfinden können, ohne dass etwas zu Bruch geht.“
Stefan Hofmann, F-Jugendtrainer

Es entstanden Socken-Koordinationsleitern, Trinkflaschen-Slalom-Strecken, Wäschekorbtore, das Jonglieren mit Socken oder Klopapierrolle, es wurden Tennisbälle, Softballs, Fußbälle einbezogen. „Das Training neu zu erfinden war spannend, es gab ja keine Erfahrungen. Jeder Trainer hatte eine Idee“, so Hofmann. Schmid ergänzt: „Wir sind weit und breit der einzige Verein, der so etwas angeboten hat.“ Er ist begeistert, wenn er den Bildschirm mit 15 bis 20 trainierenden Kindern vor sich sieht, bei denen es öfter auch mal was zum Lachen gibt.

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Im Jugendbereich gehen Mitglieder verloren

Um die Kinder und Jugendlichen bei der Stange zu halten, sind weitere Ideen und Phantasie gefragt. „Im älteren Jugendbereich haben wir schon welche verloren. Sie betreiben jetzt Einzelsport, joggen oder fahren Mountainbike“, bedauert Ewald Schmid. Andere, so Hofmann, der auch als Lehrer Kinder in seiner Obhut hat, litten an Depressionen, seien motivations- und lustlos: „Da sehen wir uns in der Verantwortung, wir wollen gesunde, fröhliche Kinder.“

Nico, 12, (links) und Florian, 10 Jahre, freuen sich übers Training im Freien. Die Tennisabteilung hat ihren Platz zur Verfügung gestellt, da der Kunstrasenplatz noch nicht betreten werden darf.
Nico, 12, (links) und Florian, 10 Jahre, freuen sich übers Training im Freien. Die Tennisabteilung hat ihren Platz zur Verfügung gestellt, da der Kunstrasenplatz noch nicht betreten werden darf. | Bild: Christiane Keutner

Motivation ist extrem wichtig und Kinder lieben Wettbewerbe: Deshalb wurde als neuer Anreiz nach den Weihnachtsferien für jede Trainingseinheit – ob vor dem Bildschirm oder in privater Initiative radelnder oder joggender Art – Sterne vergeben und diejenigen mit den meisten Sternen wurden mit Preisen und Urkunden belohnt, die Ewald Schmid organisiert hatte. „Das war ein Riesenanreiz für die Kleinen.“ Im Bereich der älteren Kinder und Jugendlichen hatten Fitness-Apps das Training angezeigt, bei den jüngeren konnte er sich auf die Meldungen der Eltern stützen.

Jedes Training wird mit einem kleinen Geldbetrag belohnt

Da immer wieder neue Anreize gefunden werden müssen, haben sich die Verantwortlichen aktuell etwas Neues ausgedacht: Aus den Sternen wurden Bälle, es gibt einen Topf für die B-Jugend, den Sponsoren mit 2000 Euro gefüllt hatten; jedes Training wird mit einem kleinen Geldbetrag belohnt. Die Jüngeren müssen sich selbst Sponsoren in der Familie oder bei Freunden suchen, die deren Online- oder anderes Training mit einem kleinen Geldbetrag honorieren. Das Besondere: Die Summe geht an ein soziales Projekt. Das Signal: Mit dem Training tue ich nicht nur mir etwas Gutes, sondern auch anderen.

Online-Training ist ok, aber live mit den anderen Kumpels auf dem Platz zu sein, mit dem korrigierenden Trainer an der Seite, ist nicht zu toppen.
Online-Training ist ok, aber live mit den anderen Kumpels auf dem Platz zu sein, mit dem korrigierenden Trainer an der Seite, ist nicht zu toppen. | Bild: Christiane Keutner

Passend das Motto: „Weil Fußball mehr ist.“ Es geht also nicht nur um ernsthaftes (Online-)Training im Bereich Taktik, Technik, Fitness, Koordination, sondern auch um Gemeinschaft, Teamgeist, Solidarität – Werte, die der SCM ohnehin vermitteln möchte. „Wir wollen nicht nur sportlich wachsen, sondern auch sozial“, so Hofmann. Sein achtjähriger Sohn Noah ziehe sich wegen der Sinnhaftigkeit nun viel lieber die Laufschuhe an. Nun soll die Idee auch von den anderen Jugendabteilungen aufgegriffen werden. Ewald Schmid möchte die Erste als Sponsor gewinnen und damit auch Solidarität vorleben.

Das Projekt soll so lange dauern, bis das reguläre Training draußen wieder möglich ist, informiert Kieferle. Reduziert geschieht das schon. Mit dem besseren Wetter gab es Lockerungen. Von den, mit dem Ordnungsamt abgesprochenen erlaubten 20 lassen die Verantwortlichen maximal nur 16 Kinder trainieren und nur jeweils zwei – mit Abstand – miteinander.

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Fußballer trainieren auf dem Tennisplatz

Zuvor musste jedoch ein weiteres Problem gelöst werden: Da der neue Kunstrasen nicht betreten werden darf, stellte die Tennisabteilung seinen Platz zur Verfügung. Dort und auf dem Bolzplatz trainieren die Kinder und Jugendlichen. Ob das Ziel, reguläres Training nach Ostern, umgesetzt werden kann, hängt von den Corona-Faktoren ab. Die drei sind sich sicher: Die Kinder müssten raus und wieder Kontakt zu anderen haben. „Trotz unserer Bemühungen: Die mediale Welt wird niemals das reale Leben ersetzen“, so Hofmann.