Die Entwürfe für die Rathaussanierung liegen vor. Nachdem dem Gemeinderat im August die Vorplanung für die Rathaussanierung präsentiert wurde ist und das damit beauftragte Freudenstädter Architekturbüro im September auch seine Entwurfsplanung vorgestellt hatte, legten nun Dietmar Kathan und Georg Schmitz vom Architektenbüro GMS Architekten, Isny und Kressbronn, die in ihrem Haus entwickelte Entwurfsplanung fürs Rathaus vor. Wie Bürgermeister Georg Riedmann dem Gemeinderat erläuterte, wende man sich an ein Architekturbüro in der Region. Das würde die weiteren Arbeiten erleichtern.

„Wir bauen im Bestand“, erklärte Architekt Dietmar Kathan. Und das Ziel sei es, „so viel wie möglich von der vorhandenen Struktur zu erhalten“. So zum Beispiel die Treppe, die sich über fünf Geschosse erstreckt und die heute architektonisch so auch gar nicht mehr denkbar sei. Fürs Gesamtgebäude besitze sie aber einen prägenden Charakter. Im Übrigen beinhaltet die von GMS Architekten vorgelegte Entwurfsplanung keine wesentlichen Veränderungen gegenüber den vom Freudenstädter Büro angefertigten Entwürfen; abgesehen von einigen nun neu angeordneten Büroräumen.

Prinzip einer größeren Offenheit zieht sich durch die Planung

Der Bürger, der ins Rathaus kommt, treffe auf einen großzügig verglasten Informationsbereich, schilderte Kathan die geplante Eingangssituation. Und Bürgermeister Riedmann ergänzte, dass es in den Wartebereichen des Erdgeschosses künftig diskreter zugehen könne als bisher.

Das Prinzip einer größeren Offenheit begegne auch beim großen Sitzungssaal im zweiten Obergeschoss, fuhr Kathan fort. Die Terrasse dort werde eine Pergola überspannen. Neu werden Sozialräume sein, aber auch die für die Fraktionen geplanten Sitzungszimmer.

Bleibt auch in Zukunft zentrales Gestaltungselement im Rathaus, die offene Treppe. Hier ein Foto von der Besichtigung beim Bürgerdialog im vergangenen Frühjahr
Bleibt auch in Zukunft zentrales Gestaltungselement im Rathaus, die offene Treppe. Hier ein Foto von der Besichtigung beim Bürgerdialog im vergangenen Frühjahr | Bild: Jörg Büsche

Bei allen Änderungen im Rathausinnern bleibe das Dach unangetastet. Das sei mit Naturschiefer gedeckt. Einem Material, das in der vorhandenen Qualität heute kaum mehr zu bezahlen sei, erklärte der Architekt. Unter dem Dach stünden aber dringende Veränderungen an. Unterdessen sei es nicht mehr zulässig, dort Akten zu lagern.

„Der Balkon kommt fort“, sagte Kathan. Die Fassade werde mit einem Klinkervorsatz verkleidet. Auf diese Weise erspare man sich den im aggressiven Bodensee-Klima gebotenen regelmäßigen Neuanstrich. „Warum das Rathaus ganz einpacken?“, hakte Dietmar Bitzenhofer (Freie Wähler) nach, um vorzuschlagen, die Südanbau-Fassade im jetzigen Zustand zu belassen. Kathan erklärte, dass nur die Rundum-Eindämmung optimalen Wärmeschutz bringe. Sein Büro verfolge das Ziel, „Ihr Rathaus so zu sanieren, dass hinterher niemand sagt: Was habt ihr da für einen Murks gemacht?“

Das Wappen am Rathaus bleibt, aber der Balkon verschwindet nach der Sanierung.
Das Wappen am Rathaus bleibt, aber der Balkon verschwindet nach der Sanierung. | Bild: Jörg Büsche

In der Gesprächsrunde begrüßte SPD-Stadtrat Uwe Achilles das Konzept. „Mir gefällt das Gebäude“, bezog er sich auf dessen Grundstruktur. Bürgermeister Riedmann beteuerte gleichfalls, heute schon „dem Rathaus eine hohe Qualität“ abzugewinnen. Arnold Holstein (Freie Wähler) erkundigte sich eindringlich nach dem Kostenrahmen – ob der überhaupt einzuhalten sei? Und Dietmar Kathan schilderte, wie sein Büro verfahre: „Wir sparen im Weglassen.“ Was Kosten verursache, müsse unter den Tisch fallen.

Laut Zeitplan, den Bürgermeister Riedmann als „ambitioniert“ bezeichnete, soll das fertig sanierte Rathaus zum Jahreswechsel 2022/23 bezugsfertig sein. Der Rat stimmte geschlossen für die vorliegende Genehmigungsplanung.

In die Jahre gekommen und alles andere als zeitgemäß: die Sanitäranlagen des Rathauses. Auch sie werden erneuert.
In die Jahre gekommen und alles andere als zeitgemäß: die Sanitäranlagen des Rathauses. Auch sie werden erneuert. | Bild: Jörg Büsche