Markdorf soll einen dritten Grundschulstandort bekommen. Das hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstagabend mehrheitlich beschlossen. Der Abstimmung war eine anderthalbstündige Diskussion vorausgegangen, nachdem Tobias Müller vom Büro mmp, Uhldingen-Mühlhofen, vier von der Verwaltung vorgeschlagene Standorte für eine neue Grundschule plus Turnhalle im Markdorfer Süden eingeordnet und die Kostensituation sowie die Eignungen vorgestellt hatte. Das Ergebnis präsentierte Müller dem Gremium.

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Warum nun doch ein dritter Grundschulstandort?

Die Kosten für den geplanten Umbau der Jakob-Gretser-Schule sind drastisch aus dem Ruder gelaufen. Zuletzt wurden Sanierung, Um- und Erweiterungsbau vom Planungsbüro Weinbrenner. Single. Arabzadeh im Juli 2019 auf rund 28 Millionen geschätzt. Für die Erweiterung der Leimbacher Grundschule zur Zweizügigkeit wurden neun Millionen Euro veranschlagt, ergab gesamt also rund 37 Millionen Euro, aber ohne Turnhalle(n). Die Stadt zog die Notbremse, die Erweiterungspläne wurden auf Eis gelegt. Der Gemeinderat erteilte der Stadtverwaltung im Oktober 2019 den Auftrag, vier Flächen im Markdorfer Süden für einen dritten Schulstandort zu überprüfen.

Die Fläche zwischen Bildungszentrum und der westlich angrenzenden Wohnbebauung an der Ensisheimer Straße kommt in Frage.
Die Fläche zwischen Bildungszentrum und der westlich angrenzenden Wohnbebauung an der Ensisheimer Straße kommt in Frage. | Bild: Ganter, Toni

Die vier möglichen Standorte und ihre Kosten

Was würde ein dritter Schulstandort kosten?

Laut Präsentation von Tobias Müller könnte der Neubau einer zweizügigen Grundschule mit Erweiterungsmöglichkeit je nach gewähltem Standort zwischen 10 und 12,7 Millionen Euro kosten, gerechnet wurde der Mittelwert von 11,4 Millionen Euro. Der Anbau einer Mensa und Betreuungsräumen an der Grundschule Leimbach liegt bei 1,9 Millionen Euro, der Bau von zwei Ein-Feld-Sporthallen in Markdorf 6,2 Millionen Euro und die Sanierung der Jakob-Gretser-Grundschule bei 6,0 Millionen Euro. So kommt eine Summe von 25, 5 Millionen Euro (ohne Indexierung) zusammen.

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Wie soll der Zeitplan aussehen?

Der Zeitplan sieht einen Baubeginn der neuen Grundschule 2022 vor, die Erweiterung der Grundschule Leimbach ebenfalls mit Baubeginn 2022, Bestandssanierung der Jakob-Gretser-Schule ab 2021 und den Bau einer Ein-Feld-Sporthalle am neuen Schulstandort ab 2022 sowie den Bau einer Ein-Feld-Sporthalle an der Jakob-Gretser-Grundschule ab 2021. Diesen Zeitplan hielten die Stadträte allerdings für wenig realistisch. Der Punkt über die zeitliche Reihenfolge der einzelnen Bausteine der Grundschulkonzeption wurde von der Tagesordnung genommen.

Was sagt das Regierungspräsidium zu einem dritten Schulstandort?

Laut Bürgermeister Georg Riedmann ist die Stadtverwaltung zuversichtlich, dass nach Nachweis der entsprechenden Schülerzahlen und des konkreten zusätzlichen Raumbedarfs das öffentliche Bedürfnis für die Einrichtung eines dritten Schulstandortes gegeben ist. Ein Gespräch mit dem Regierungspräsidium (RP) Tübingen hätte eigentlich im Januar stattfinden sollen, der Sachbearbeiter sei dann allerdings erkrankt, so Riedmann. Es gebe vom RP bereits Signale, die Pläne eines neuen Schulstandortes zu begleiten.

Hier handelt es sich um eine Fläche südöstlich des Bildungszentrums entlang der Bahnlinie.
Hier handelt es sich um eine Fläche südöstlich des Bildungszentrums entlang der Bahnlinie. | Bild: Ganter, Toni

Wie stehen die Fraktionen und die FDP zu einem dritten Schulstandort?

 

CDU und SPD stimmten dagegen, Umweltgruppe und Rolf Haas (FDP) dafür, bei den Freien Wählern gab es zwei Enthaltungen. Für Christiane Oßwald (Umweltgruppe) ist das wichtigste Argument, das für einen dritten Schulstandort spreche, dass es mehr Züge gebe. Ohne einen dritten Standort später dann feststellen zu müssen, dass man doch zu klein geplant habe, wäre fatal. Man brauche eine schnelle Lösung, die Grundschulen warten auf eine Entscheidung, so Oßwald in ihrer Stellungnahme.

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Für Rolf Haas ist es günstiger und flexibler auf einer grünen Wiese sowohl pädagogisch also auch konzeptionell und funktionell einen dritten Standort aufzubauen und die bestehenden zwei Standorte bedacht zu sanieren und zu erweitern. „Sonst fangen wir gefühlt zum dritten Mal bei Null an. Wir können auch gar nichts machen, dann sparen wir am meisten“, kommentierte Haas die Diskussion.

Bei den Freien Wählern taten sich vor allem Jens Neumann und Markus Gantert mit einer Entscheidung schwer. Gantert wünschte sich mehr Fairness und Transparenz dem Team der Jakob-Gretser-Schule gegenüber, das federführend unter Schulleiter Andreas Geiger viele Jahre lang an einem pädagogischen Konzept gearbeitet hat.

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Warum stimmten CDU und SPD gegen einen dritten Schulstandort?

Der 23 Jahre alte Anbau (links im Vordergrund) der Jakob-Gretser-Grundschule soll für einen neuen Anbau weichen. In dem soll dann auch eine doppelte Einfeld-Turnhalle Platz finden – so der Plan im Jahr 2017.
Der 23 Jahre alte Anbau (links im Vordergrund) der Jakob-Gretser-Grundschule soll für einen neuen Anbau weichen. In dem soll dann auch eine doppelte Einfeld-Turnhalle Platz finden – so der Plan im Jahr 2017. | Bild: Grupp, Helmar

CDU und SPD reichten die im Gemeinderat vorgelegten Unterlagen für einen Entschluss nicht aus, sie forderten unter anderem von der Verwaltung, mit dem RP vorher abzustimmen, ob dort der Bedarf für einen dritten Schulstandort gesehen wird. „Zuversicht ist für mich keine Planungsgrundlage“, so SPD-Chef Uwe Achilles auf die Bemerkung von Riedmann, er habe „große Zuversicht“.

Susanne Sträßle (CDU) plädierte dafür, wieder einen Schritt zurückzugehen und eine frühere Variante des Büros Schneidermeyer aus dem Frühjahr 2017 in Betracht zu ziehen. Martina Koners-Kannegießer (CDU) betonte, es gehe nicht darum, nicht für diesen dritten Standort zu sein, sondern die „richtige Lösung“ zu finden. Für sie sei keiner der vorgeschlagenen Standorte ideal. 

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