Kostenlos vom Bahnhof nach Fitzenweiler ging's am Donnerstag. Denn den hatten die Umweltgruppe und das Bermatingen-Ahausener Reiseunternehmen Wegis zum „Stadtbustag“ gemacht.

Anschluss am Bahnhof hatten die Fahrgäste am Stadtbustag von morgens bis abends.
Anschluss am Bahnhof hatten die Fahrgäste am Stadtbustag von morgens bis abends. | Bild: Jörg Büsche

Ab 7.51 Uhr fuhr ein 16-Sitzer von der Stadthalle in die Südstadt oder zu den Discountern beim Schießstattweg. Bis 18.44 Uhr steuerte der Wagen übers gesamte Stadtgebiet verteilte 22 Haltestellen an, um dort Fahrgäste ein- oder aussteigen zu lassen.

Lino und Corinna Viellieber zählen mit zu den ersten Fahrgästen – und sind begeistert von dem Angebot.
Lino und Corinna Viellieber zählen mit zu den ersten Fahrgästen – und sind begeistert von dem Angebot. | Bild: Jörg Büsche

„Damit wollen wir den Markdorfern zeigen, was grundsätzlich möglich wäre“, erklärte Clemens Rid von der Umweltgruppe. Bis solche Alternativen aber auch in den Köpfen ankommen, „wird es wohl noch etwas dauern", so Rid.

Frische Erdbeeren gefällig? Clemens Rid von der Umweltgruppe verteilt süße Früchte an die Fahrgäste – und Helga Stoppke greift zu.
Frische Erdbeeren gefällig? Clemens Rid von der Umweltgruppe verteilt süße Früchte an die Fahrgäste – und Helga Stoppke greift zu. | Bild: Jörg Büsche

„Guten Tag liebe Fahrgäste“, begrüßt Peter Krupinski von der Umweltgruppe die ankommenden Reisenden auf Gleis 1 des Markdorfer Bahnhofs. „Sie haben nun Anschluss an den Stadtbus“, fährt Krupinski fort. Er ruft durch eine selbst gebastelte Flüstertüte.

Sabine Hildebrandt-Schmid, Ittendorf: „Auch die kleineren Orte sollten mit in den Busplan eingebunden werden.“
Sabine Hildebrandt-Schmid, Ittendorf: „Auch die kleineren Orte sollten mit in den Busplan eingebunden werden.“ | Bild: Lea Pollini

Selbstgebastelt ist auch die Tafel mit den Anschlussbussen, die Frieder Staerke neben dem Fahrkartenautomat aufgestellt hat. Gleich, um 10.51 Uhr, geht es weiter, so steht es auf dem handgeschriebenen DIN-A-4-Blatt.

Fahrplan-Diskussion: Siegfried Wycisk (links) lässt sich von Benno Sandkühler erklären, was die kleinen schwarzen Pfeile an Haltestationen bedeuten.
Fahrplan-Diskussion: Siegfried Wycisk (links) lässt sich von Benno Sandkühler erklären, was die kleinen schwarzen Pfeile an Haltestationen bedeuten. | Bild: Jörg Büsche

Der Bus startet vis-à-vis des Kiosks. Eine Frau fragt nach dem Fahrpreis. Freut sich, dass die Fahrt zur Stadthalle gratis ist. „2 Euro würde ich sicherlich gerne bezahlen“, erklärt sie später, als sie wieder aussteigt.

Manfred Nick, Markdorf: „Die Haltestellen passen sich organisch sehr gut an. Das ist eine effektive Initiative.“
Manfred Nick, Markdorf: „Die Haltestellen passen sich organisch sehr gut an. Das ist eine effektive Initiative.“ | Bild: Lea Pollini

Nach den Preisen wird natürlich auch gefragt. „Wie viel würden Sie für eine einfache Fahrt maximal bezahlen?“, steht auf dem Handzettel, den die Busbenutzer ausfüllen sollen – nicht müssen. Gefragt ist auch nach der vermutlichen Nutzungshäufigkeit – täglich, wöchentlich, monatlich, mehrmals pro Woche, (fast) nie.

Colleen Maunz, Fitzenweiler: „Mehr Haltestellen auch oberhalb vom Berg sind nötig, dort sind wir nicht mehr so gut zu Fuß.“
Colleen Maunz, Fitzenweiler: „Mehr Haltestellen auch oberhalb vom Berg sind nötig, dort sind wir nicht mehr so gut zu Fuß.“ | Bild: Lea Pollini

Auf dem Antwortblatt wird auch die grundsätzliche Meinung zu einem möglichen Stadtbus eingeholt, für wie wichtig er gehalten wird.

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Den gewünschten Takt gilt es anzukreuzen, stündlich, halbstündlich, alle 20, 15 oder zehn Minuten. Innenstadt, Supermärkte, Bahnhof, Sportplatz, MGH und Musikschule sind als „für Sie wichtige“ Fahrziele vorgegeben.

Miriam Rück findet die Idee eines Stadtbusses für Markdorf toll. Stelle der doch eine große Erleichterung dar, da man die schweren Einkaufstaschen nicht mehr bergauf schleppen müsste.
Miriam Rück findet die Idee eines Stadtbusses für Markdorf toll. Stelle der doch eine große Erleichterung dar, da man die schweren Einkaufstaschen nicht mehr bergauf schleppen müsste. | Bild: Jörg Büsche

Corinna Viellieber, an der Haltestelle Proma mit Sohn Lino zugestiegen, wünscht sich, „als Mutter, dass der Stadtbus morgens von Fitzenweiler in die Spitalstraße fährt“. Den könnten dann die Schulkinder bequem benutzen, den Rest zu Fuß gehen. „Dann würde der Autowahnsinn rund um die Jakob-Gretser-Schule endlich aufhören.“

Würde es den Bus immer kostenlos geben, würden sie ihn nutzen, um zur Eisdiele zu fahren: Jannis und Eric Blaschke.
Würde es den Bus immer kostenlos geben, würden sie ihn nutzen, um zur Eisdiele zu fahren: Jannis und Eric Blaschke. | Bild: Lea Pollini

Weder der Kinderwagen einer jungen Mutter noch Irmgard Dorns Rollator stellen ein Problem dar. Dort half Clemens Rid, hier Rudolf Klöck, der inzwischen hinzugestiegene zweite Busfahrer, an der bequem breiten Tür. „Super“, „einfach toll“, lauten denn auch die meisten Kommentare.

Albins Ströbele von der Umweltgruppe hat Sarah Foh den Fragebogen zum Stadtbus vorgelegt.
Albins Ströbele von der Umweltgruppe hat Sarah Foh den Fragebogen zum Stadtbus vorgelegt. | Bild: Jörg Büsche

Sarah Foh findet, „das die Zeit längst reif ist für einen Stadtbus in Markdorf“. Gerade mit Blick auf den demografischen Wandel, der auch vor dem Gehrenberghang keinen Halt macht – und mit Rücksicht auf den Klimawandel sowieso.