Für Lucy war der vergangene Samstag ein Arbeitstag. Beim Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Ravensburg unterstützte die zwölfjährige Mischlingshündin ihr Frauchen Lisa Binder, Rettungssanitäterin beim DRK, geduldig beim Kurs „Erste Hilfe am Hund“ als Anschauungs- und Übungsobjekt.

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Hundehalterinnen wollen für Notfälle vorbereitet sein

Von Natur aus neugierig, verspielt und in manchen Dingen unachtsam, können Hunde unerwartet in eine Notfallsituation kommen, erklärte Lisa Binder. Dann sei es manchmal sogar überlebenswichtig, dass der Mensch die Nerven behalte und wisse, was zu tun ist. Neun Teilnehmerinnen, durchweg erfahrene Hundehalterinnen, beschäftigten sich am Samstag vier Stunden lang damit, was sie in Sachen Erstversorgung für ihre Vierbeiner tun können. „Es gibt sicher vieles, was man selbst tun kann. Sich darüber zu informieren, gehört für mich zur Hundehaltung dazu“, sagte Ines Dohrmann bei der Vorstellungsrunde. Ulrike Schuhmacher macht regelmäßig Spaziergänge mit Hunden aus dem Tierheim. „Mich interessiert zum Beispiel auch, wie ich einen Hund sichern kann, wenn er Schmerzen hat“, sagte sie zu ihrer Motivation für den Kurs. Vom Tritt in eine Glasscherbe über den Insektenstich im Maul bis zur Vergiftung reichten die Interessensschwerpunkte der Teilnehmerinnen.

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Rettungssanitäterin rät: regelmäßig üben

Lisa Binder empfahl, mit dem Hund regelmäßig zu üben, um für den Notfall besser gerüstet zu sein. „Man kann dem Tier ja nicht wie einem kleinen Kind erklären, dass er jetzt ruhig halten muss.“ Zum sogenannten „Body-Check“ setzte sie sich zu Lucy auf den Boden, um ihre Nase zu befühlen, die Farbe der Schleimhaut im Maul zu überprüfen und um sich Augen und Ohren genau anzuschauen. Auch bei der Untersuchung ihres Körpers und der Pfoten hielt Lucy still.

Lucy bleibt geduldig: Ines Dohrmann (links) legt der Hündin unter Anleitung von Lisa Binder einen Kopfverband an.
Lucy bleibt geduldig: Ines Dohrmann (links) legt der Hündin unter Anleitung von Lisa Binder einen Kopfverband an. | Bild: Claudia Wörner

Worauf bei einem Pfotenverband geachtet werden muss

Das Fiebermessen ersparte Lisa Binder ihrer Hündin. „Die Normaltemperatur liegt bei 38 oder 39 Grad“, informierte sie. Erst ab 40 Grad habe der Hund leichtes Fieber. Den Puls des Tieres könne man am besten hinten an der Leiste ertasten. Dies probierten die Frauen an einer Hunde-Attrappe aus. Auch beim Anlegen des Pfotenverbands musste Lucy nur einmal als Anschauungsobjekt dienen. Geduldig ließ sie sich von Lisa Binder mit Streifen von Verbandswatte die Zwischenräume der Zehen polstern. Die selbstklebende Binde wickelte die Rettungssanitäterin anschließend um Kompresse und Verbandswatte herum. Die Teilnehmerinnen verbanden sich zur Übung dann gegenseitig ihre Hände, um den Hund nicht über Gebühr zu strapazieren.

Anlegen eines Pfotenverbands: Manuela Kling (links) und Elke Markert üben die Technik an ihren Händen.
Anlegen eines Pfotenverbands: Manuela Kling (links) und Elke Markert üben die Technik an ihren Händen. | Bild: Claudia Wörner

Wie Zecken richtig entfernt werden

Zur Sprache kam außerdem das Thema Zeckenentfernung. Die blutsaugenden Parasiten können auch auf Hunde die Krankheit Borreliose übertragen. „Bitte nicht herausdrehen. Die Zecke hat kein Gewinde“, riet Lisa Binder. Besser sei es, das Krabbeltier vorsichtig herauszuziehen, entweder mit einer Zeckenkarte, mit einer entsprechenden Zange oder einer Art Haken.

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Eine Krawatte als Schnauzenband

Die Teilnehmerinnen lernten, wie man eine Wunde säubert, wie man bei einer stark blutenden Wunde einen Druckverband anlegt und was bei einer Bissverletzung zu tun ist. Mithilfe einer ausrangierten Krawatte zeigte Lisa Binder, wie sich schnell eine Schlinge herstellen lässt, um das Hundemaul zu sichern. Auch wenn der Hund sonst noch so brav sei, könne er bei Schmerzen anders reagieren und schnappen. „Eigenschutz geht immer vor. Natürlich kann man auch die Leine oder Schnürsenkel als Schnauzenband verwenden.“

Rettungssanitäterin Lisa Binder zeigt den Teilnehmern des Kurses, welche Handgriffe im Notfall richtig sind. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Hündin Lucy, die selbst dann ruhig bleibt, wenn sie ein Band um die Schnauze gebunden bekommt.
Rettungssanitäterin Lisa Binder zeigt den Teilnehmern des Kurses, welche Handgriffe im Notfall richtig sind. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Hündin Lucy, die selbst dann ruhig bleibt, wenn sie ein Band um die Schnauze gebunden bekommt. | Bild: Claudia Wörner

Medikamente verabreichen

Verbrennung, Knochenbruch oder Kreislaufprobleme: Alles, was dem Mensch zustoßen kann, ist auch beim Vierbeiner möglich. Dass man Medikamente am besten in etwas Leberwurst versteckt, um den Hund zu überlisten, war für die Hundehalterinnen nichts Neues. Tropfen gibt man dagegen am besten mit einer Spritze direkt ins Maul, informierte die Rettungssanitäterin.

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Informationen über Adressen von Tierkliniken einholen

Von Sofortmaßnahmen bei einer Vergiftung über das Erkennen eines lebensbedrohlichen Schocks bis zu Wiederbelebungsmaßnahmen mit Herzdruckmassage und Mund-zu-Nase-Beatmung erfuhren die Teilnehmerinnen beim Erste Hilfe Kurs vieles über das richtige Verhalten in Notfallsituationen. Dazu gehört auch der Transport des Hundes. „Auch hier ist es gut, wenn man mit dem gesunden Hund übt, dass er sich tragen lässt“, erläuterte Lisa Binder. Im Notfall sehr hilfreich sei es, wenn man bereits im Vorfeld recherchiert habe, wo sich die nächste Tierklinik befindet oder wo man erfährt, welcher Tierarzt Notdienst hat. „In erster Linie geht es darum, die Zeit bis zum Besuch beim Tierarzt zu überbrücken.“