Im Garten wartet die Arbeit, in den Wäldern haben die Holzfäller zu tun, und mit dem beginnenden Frühling setzen sich die Wanderer wieder in Bewegung. Auch am Start: die neue Zeckensaison.

  1. 2018 war ein Zeckenjahr. Wird das 2019 auch wieder so sein? Im Jahr 2018 gab es wegen des langen und warmen Sommers in Deutschland so viele Zecken wie seit zehn Jahren nicht mehr. Die Menschen haben sehr viel Zeit im Freien verbracht – und sich dabei häufig Zeckenstiche und auch Krankheiten geholt. Ob auch 2019 wieder ein Zeckenjahr wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Der milde Winter sorgt dafür, dass die Tiere bereits aktiv sind: Sobald es mehrere Tage wärmer als sieben Grad ist, erwachen sie aus der Winterstarre. Bei der Zahl der Zecken rechnen Experten dagegen eher mit einem durchschnittlichen Jahr. „Es gab 2018 nur wenige Nagetiere. Die Larven und Nymphen der Zecke nehmen aber Blut speziell von diesen Tieren auf. Deshalb erwarten wir eine normale Zeckendichte“, sagt Ute Mackenstedt, Leiterin des Fachgebiets Parasitologie an der Universität Stuttgart-Hohenheim.
    Zecken sind – wie hier auf einem Wollpulli – oft schwer zu entdecken.
    Zecken sind – wie hier auf einem Wollpulli – oft schwer zu entdecken. | Bild: (c) Pfizer | www.zecken.de
  2. Sind Zecken ein Grund zur Panik? Nein, aber man sollte mit der Zeckengefahr richtig umgehen. Infizierte Zecken können bei einem Stich die Erreger von Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Deutschlandweit wurden 2018 576 FSME-Fälle gezählt – so viele wie seit 19 Jahren nicht mehr. Spitzenreiter war dem Robert-Koch-Institut zufolge Baden-Württemberg mit 256 Fällen. Besonders häufig erwischte es Menschen im Kreis Ravensburg sowie im Ortenaukreis. „Die Gefahr von FSME wird noch immer irrtümlich unterschätzt, die Impfquoten stagnieren auf einem niedrigen Stand“, sagt Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt in Stuttgart.
  3. FSME: Was ist das noch mal? Etwa fünf bis sieben Tage nach einem Stich mit einer infizierten Zecke treten bei der Krankheit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) grippeähnliche Symptome wie Kopfschmerzen, Fieber oder Übelkeit auf. Meist ist die Krankheit damit überstanden. Bei etwa 30 Prozent der Infizierten befällt der Erreger jedoch das zentrale Nervensystem – in unterschiedlichen Ausprägungen. Unterschieden werden dem Robert-Koch-Institut zufolge die „Meningitis“ (nur die Hirnhäute sind beteiligt), die „Meningoenzephalitis“ (Beteiligung von Hirnhäuten und Gehirn) und die „Meningoenzephalomyelitis“ (zusätzlich ist das Rückenmark betroffen). Betroffene können bleibende Schäden davontragen oder sterben. FSME ist eine durch Viren ausgelöste Krankheit, die nicht medikamentös geheilt werden kann.
  4. Auch Borreliose wird durch Zeckenstiche ausgelöst. Wie macht sie sich bemerkbar? Die Borreliose wird durch Bakterien ausgelöst, die ebenfalls durch Zecken übertragen werden können. Diese Krankheit hat nur ein eindeutiges klinisches Zeichen: Die Wanderröte. Sie breitet sich zu Beginn der Erkrankung ringförmig um die Stich-Stelle und selten auch an anderen Körperstellen aus – allerdings nur bei etwa jedem zweiten Betroffenen. Beim Rest kommt es häufig zu unspezifischen Symptomen wie Abgeschlagenheit, Fieber, Lymphknotenschwellungen oder Kopfschmerzen. Auch eine Blutuntersuchung auf Antikörper gegen Borrelien verläuft gerade im Anfangsstadium oft negativ oder die Antikörpernachweise werden falsch interpretiert. „Deshalb erhalten viele Menschen in Deutschland die Diagnose einer Borreliose, obwohl ihre Beschwerden ganz andere Ursachen haben“, sagt Christian Bogdan, Leiter des Mikrobiologischen Instituts des Uniklinikums Erlangen. Ein zweites Krankheitsstadium kann nach Wochen oder Monaten auftreten. Zu den Symptomen gehören schmerzhafte Gelenkentzündungen, meist an Knien, Händen oder Knöcheln, aber auch Herzprobleme und verschiedene Symptome der Hirnhautentzündung. Eine Borreliose kann mit Antibiotika behandelt werden.
  5. Wo ist das Risiko hoch, sich eine durch Zecken übertragene Krankheit einzufangen? In immer mehr Teilen Deutschlands besteht die Gefahr, nach einem Zeckenstich an FSME zu erkranken. Das Robert-Koch-Institut hat in diesem Februar die Anzahl der sogenannten FSME-Risikogebiete um fünf neue Landkreise erweitert. In Deutschland gibt es damit nun 161 betroffene Landkreise, die hauptsächlich in Bayern, Baden-Württemberg sowie in Teilen Südhessens, Sachsens und Thüringens liegen.
  6. Wie kann man sich gegen Zeckenstiche und die von den Tieren übertragenen Krankheiten schützen? Gegen FSME gibt es eine vorbeugende Impfung, die Bewohnern von Risikogebieten empfohlen wird. Für Borreliose steht kein Impfstoff zur Verfügung. Sie kann allerdings gut verhindert werden, indem die Zecken möglichst schnell entfernt werden. Denn im Gegensatz zu FSME wird die Borreliose nicht sofort beim Stich übertragen, sondern erst nach etwa zwölf bis 24 Stunden. Infektionen können zudem gut mit Antibiotika behandelt werden, gegen FSME dagegen gibt es keine Medikamente.
  7. Wann sollte man sich impfen lassen? Zecken sind meist von März bis November aktiv, bis der Impfschutz erreicht ist, dauert es rund zwei Monate. Am besten impft man sich also während der Wintermonate. Da die meisten Zeckenstiche im Hochsommer passieren, ist aber auch jetzt noch ein guter Zeitpunkt für eine Impfung.
  8. Ist es sinnvoll, sich schnell noch impfen zu lassen, wenn man einen Zeckenstich entdeckt? Nein. Ein sicherer Schutz wird erst nach der zweiten Teilimpfung erreicht und die erfolgt im Abstand von etwa sechs Wochen. Und dann dauert es nochmals etwa zwei Wochen bis sich schützende Antikörper gebildet haben, erklärt das Robert-Koch-Institut.
  9. Sollten auch Kleinkinder geimpft werden? Der Impfstoff ist zwar ab einem Jahr zugelassen. Da Kleinkinder auf die Impfung jedoch vergleichsweise häufig mit Fieber reagieren, empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) sie erst ab dem vollendeten dritten Lebensjahr. Manche Kinderärzte impfen auch erst ab dem sechsten Lebensjahr. Der Grund: „Nur zwei bis acht Prozent aller FSME-Erkrankungen in Europa treten bei Kindern unter sechs Jahren auf. Und wenn sie daran erkranken, sind die Verläufe meist gutartig“, sagt Christian Bogdan, Mitglied der Ständigen Impfkommission des Robert Koch-Instituts und Leiter des Mikrobiologischen Instituts des Uniklinikums Erlangen.
  10. Was ist von Anti-Zecken-Sprays zu halten? Die Mittel halten die Tiere ab – aber nicht zuverlässig. So empfiehlt die Stiftung Warentest selbst bei den für gut befundenen Produkten einen zusätzlichen Schutz durch lange Kleidung. Außerdem weisen die Tester auf die Nebenwirkungen hin: Alle Produkte können die Augen reizen und allergische Reaktionen auslösen. Gesicht und Hände sollte man insbesondere bei Kindern deshalb keinesfalls einsprühen.
    Zur Größe einer Bohne aufgebläht: Diese Zecke hat sich mit Blut vollgesaugt.
    Zur Größe einer Bohne aufgebläht: Diese Zecke hat sich mit Blut vollgesaugt. | Bild: (c) Pfizer | www.zecken.de
  11. Warum werden manche Menschen eher von Zecken gestochen als andere? Zecken gehen nicht auf jeden Menschen. „Sie finden den individuellen Körpergeruch verschiedener Menschen als unterschiedlich attraktiv“, sagt Dorian Dörge vom Forschungszentrum Senckenberg Biodiversität und Klima in Frankfurt. Wer sich häufiger in der Natur aufhält, wird dort mit höherer Wahrscheinlichkeit einer Zecke begegnen. Auch Haustiere wie Hunde oder Katzen bringen Zecken mit.
  12. Es ist eine Riesen-Zecke nach Deutschland eingewandert. Wie gefährlich ist diese? Und ist mit weiteren neuen Zeckenarten zu rechnen? Fünf Mal so groß wie der heimische Holzbock , auffällig gestreifte, behaarte Beine und sehr widerstandsfähig: das ist die Hyalomma-Zecke. Experten gehen davon aus, dass die Larve der Zecke mit Zugvögeln aus Afrika nach Europa gelangt ist. Hyalomma kann gefährliche Erreger wie das Krim-Kongo-Fieber-Virus oder Fleckfieber-Bakterien auf Menschen und Tiere übertragen. Bei Pferden verursacht diese Zeckenart häufig heftige Geschwüre. Bislang wurden in Deutschland rund 30 Hyalomma-Exemplare gemeldet, zwei davon in Baden-Württemberg. Bei keinem der Tiere konnte das Krim-Kongo-Virus nachgewiesen werden, wohl aber Rickettsien-Bakterien, welche Fleckfieber verursachen. Kommen aufgrund des Klimawandels ungewöhnlich warme Sommer wie im Jahr 2018 künftig häufiger vor, rechnen die Experten jedoch damit, dass sich die Zeckenart Hyalomma in Deutschland etabliert. „Auch weitere Zeckenarten werden sich dann bei uns ansiedeln“ sagt Ute Mackenstedt, Leiterin des Fachgebiets Parasitologie an der Universität Stutttgart-Hohenheim.
    Die Zecken Gemeiner Holzbock (l, Ixodes ricinus) und Hyalomma marginatum liegen in der undatierten Aufnahme zum Größenvergleich nebeneinander. Funde mehrerer tropischer Zecken in Deutschland beunruhigen Forscher. In Niedersachsen und Hessen registrierten Wissenschaftler in 2018 insgesamt sieben Exemplare der Gattung Hyalomma, wie die Mitarbeiter der Universität Hohenheim und des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr mitteilten.
    Die heimische Zecke Gemeiner Holzbock (l.) und die tropische Zecke Hyalomma marginatum liegen zum Größenvergleich nebeneinander. In Niedersachsen und Hessen registrierten Wissenschaftler 2018 insgesamt sieben Exemplare der Gattung Hyalomma. | Bild: Lidia Chitimia-Dobler
  13. Was kann man tun, wenn man sich häufig Zeckenstiche im eigenen Garten holt? Die gute Nachricht: Wer letzten Sommer viele Zecken im Garten hatte, wird diesen Sommer vielleicht gar keine sehen, weil die Zeckendichte stark schwankt. „Grundsätzlich halten sich Zecken auch überwiegend in Wäldern, Wiesen und an Waldrändern auf“, sagt Ute Mackenstedt, Leiterin des Fachgebiets Parasitologie an der Universität Stuttgart-Hohenheim. Tiere wie Füchse, Rehe und Nagetiere bringen die Zecken jedoch in die Gärten mit. Dort lauern sie dann aber nicht – wie immer wieder behauptet wird – auf Bäumen und Sträuchern, um sich bei Gelegenheit auf Menschen fallen zu lassen. „Sondern die Zecken sitzen mit ausgestreckten Beinen auf Grashalmen und Ästchen, bis jemand vorbeiläuft und sie abstreift“, sagt Sina Zotzmann vom Forschungszentrum Senckenberg Biodiversität und Klima in Frankfurt. Weshalb es hilft, Rasen und Hecken kurz zu halten. Wer eine Bienenwiese im Garten anlegt, sollte nicht darin herumlaufen.

So werde ich eine Zecke wieder los

Zur Frage "Wie entferne ich eine Zecke" kursieren falsche Ratschläge. Dazu gehört, die Zecke mit Sonnencreme oder Öl zu fixieren, damit sie daran erstickt und abfällt. Das ist genauso falsch wie die Legende, dass Zecken auf Ästen oder Blättern auf Menschen warten, um sich auf sie herabfallen zu lassen. So entfernt man eine Zecke:

Bild: (c) Pfizer | www.zecken.de

Mit einer feinen Pinzette (Uhrmacherpinzette) wird die Zecke im Bereich der Mundwerkzeuge – das bedeutet nah an der Hautoberfläche – gefasst.

Bild: (c) Pfizer | www.zecken.de

Beim Schließen darauf achten, den Hinterleib nicht zu quetschen, damit durch den Saugkanal keine (weiteren) Erreger in den Körper fließen.

Bild: (c) Pfizer | www.zecken.de

Die Pinzette fest umschließen und die Zecke senkrecht zur Haut abziehen, um den Parasiten möglichst an einem Stück zu entfernen.

Bild: (c) Pfizer | www.zecken.de

Sollten dennoch Teil der Zecke in der Haut bleiben – keine Panik! – sie werden vom Körper abgestoßen. Die Wunde sollte desinfiziert werden. (mic)