Nie wieder in Feuerwehr-Ausrüstung auf Rekordjagd gehen? Kai Eichler hat sich das schon mehr als einmal direkt nach einer seiner strapaziösen Aktionen geschworen – um dann immer wieder mit etwas Abstand zu sagen: „Sag niemals nie.“

Im Oktober sind 15 000 Höhenmeter das Ziel

Nach fünf Weltrekorden (siehe weiter unten) will er im Oktober einen weiteren Versuch starten. Diesmal geht es darum, sehr viele Höhenmeter auf einer Treppe zurückzulegen. Das Rekord Institut Deutschland habe ausgerechnet, dass er innerhalb von 24 Stunden 15 000 Höhenmeter schaffen müsse, damit die Leistung als Weltrekord anerkannt werde, so Eichler: 7500 Meter rauf und genauso viele runter.

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„Treppenlaufen ist für einen Feuerwehrmann ja nicht untypisch“, erklärt Eichler. Falls es in einem Hochhaus brenne, könne die Feuerwehr ja auch nicht den Fahrstuhl benutzen. Deshalb seien er und seine Kameraden von der Immenstaader Feuerwehr zum Beispiel auch schon übungsweise das Treppenhaus in einem der Hochhäuser am Spiegelberg in kompletter Ausrüstung hochgelaufen. Das sind 13 Stockwerke.

Volle Unterstützung von Arbeitgeber MTU

Für seinen Rekordversuch will Eichler das Flucht-Treppenhaus des Jean-Raebel-Hauses im MTU-Werk 1 nutzen. Wie viele Stockwerke sind das? Es sei ein Industriebau, erklärt Eichler. Die Höhe entspreche etwa fünf Stockwerken. Um die verlangten Höhenmeter zu erreichen, müsse er etwa 310-mal rauf und wieder runter. Genau könne er das erst sagen, wenn die Höhe unter Zeugen genau vermessen worden sei. Sein Arbeitgeber unterstütze ihn wieder voll und ganz, sagt Eichler dankbar. Er habe schon ein paar mal im Treppenhaus trainiert – natürlich immer nur vor oder nach seinem Dienst.

Weltrekordversuch im Oktober 2017: Kai Eichler kann sich der Unterstützung seiner Familie gewiss sein. Und auch Rolls-Royce-Power-Systems-Chef Andreas Schell lief auf dem Laufband mit. (Archivbild)
Weltrekordversuch im Oktober 2017: Kai Eichler kann sich der Unterstützung seiner Familie gewiss sein. Und auch Rolls-Royce-Power-Systems-Chef Andreas Schell lief auf dem Laufband mit. (Archivbild) | Bild: Gisela Keller

Erfahrung im Treppenlaufen über extrem viele Höhenmeter hat Eichler bereits 2012 beim Sächsischen Mount Everest Treppenmarathon in Radebeul gesammelt. Damals lief er die 84.4 Kilometer lange Strecke mit 8848 Höhenmetern in normaler Laufkleidung. „Ich habe den Gipfel ohne Sauerstoffflasche erreicht“, scherzt er. „Jetzt werde ich zwar eine dabei haben, aber die wird mir nichts nützen.“ Im Gegenteil: Die Flasche mit Atemluft, die er auf dem Rücken tragen wird, gehört zur kompletten Ausrüstung für einen sogenannten Innenangriff der Feuerwehr, die Eichler beim Rekordversuch tragen wird. Dazu gehören neben der Schutzkleidung samt Helm und Stiefeln ein Atemschutzgerät sowie der Gurt, an dem neben der Atemschutzmaske auch ein Beil hängt.

Nur bei Durst zu trinken, hat schon zu Problemen geführt

310-mal rauf und runter – die Zahl sei schon ein bisschen einschüchternd, sagt Eichler. Deshalb wolle er sich den Lauf in Blöcke einteilen und auch immer wieder visualisieren, wie viel schon geschafft sei. Essen könne er während so einer Strapaze nicht, er werde aber darauf achten, die herausgeschwitzten Mineralien wieder auszugleichen und Energie in Form von nahrhaften Gels zu sich zu nehmen. Auch darauf, ausreichend zu trinken, wolle er diesmal besonders achten. Nur bei Durst zu trinken, habe bei anderen Läufen schon zu Problemen geführt.

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„Es ist eine enorme Herausforderung“, sagt der mehrfache Weltrekordler. „Die körperliche Belastung ist anders als auf der Ebene. Rauf ist anstrengender, aber runter wegen der Stauchung belastender.“ Er könne absolut nicht sagen, ob er den Rekord schaffen könne, aber sei optimistisch.

Rekordversuch zugunsten des Kinderhospizdienstes Amalie

Warum mutet Kai Eichler sich so etwas zu? „Noch bin ich nicht zu alt für neue Herausforderungen“, sagt er. Eine Woche nach dem Rekordversuch, der am 19. Oktober um 10 Uhr beginnen und spätestens 24 Stunden später enden soll, wird Eichler 47 Jahre alt. Im Frühjahr 2020 soll sein drittes Enkelkind zur Welt kommen.

Eichler engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich als Pate beim Kinderhospiz Amalie und will während seines Rekordversuchs eine Spendenkasse dafür aufstellen. „Neben meinem Ehrgeiz ist es eine Kraftquelle für mich, etwas für Kinder tun zu können, denen es nicht so gut geht, wie mir und meiner Familie.“ Zuschauer sind während des gesamten Laufs willkommen.

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Die Weltrekorde von Kai Eichler

Weltrekorde Kai Eichlers in kompletter Feuerwehr-Schutzausrüstung:

  • 24. September 2016: Kai Eichler unternimmt den Versuch, in 24 Stunden 100 Kilometer zurückzulegen und schafft 90,03 Kilometer. Als Weltrekord anerkannt von „The Book of alternative Records“
  • 2. und 3. Dezember 2016: Eichler legt in 22 Stunden, 55 Minuten und 6 Sekunden 100 Kilometer auf dem Trimmpfad Immenstaad zurück: Als „schnellster 100-Kilometer-Marsch in Feuerwehrschutzkleidung“ vom Rekord Institut Deutschland (RID) sowie von „The Book of alternative Rekords“ als Weltrekord anerkannt
  • 20. bis 22. Oktober 2017: Eichler läuft 41 Stunden und 22 Minuten nonstop auf einem Laufband im Trainingscenter der MTU in Friedrichshafen. Als Weltrekord anerkannt vom RID.
  • 17. März 2018: Kai Eichler, David Fischinger, Andreas Michalitz und Stefanie Saul legen im Team 100 Kilometer in 14 Stunden und 50 Minuten zurück. Als „schnellste 4-mal-25-Kilometer-Staffel in persönlicher Feuerwehr-Schutzausrüstung“ vom RID als Weltrekord anerkannt. (gik)