Immenstaad (kck) Lärm, den Motorräder und Autos mit Sportauspuff erzeugen, hat den Ortsvorstand der Grünen in Immenstaad veranlasst, die Politik einzuschalten. Mit einer Mail an das Bundesverkehrs- und Umweltministerium fordern die Grünen, dem "ständig zunehmenden, unnötigen und vermeidbaren Lärm entgegenzuwirken", schreibt Karl Guter. Sonst seien sämtliche Lärmaktionspläne von Städten und Gemeinden obsolet. Unverständlich sei, warum solche Fahrzeuge überhaupt auf die Straße dürften, obwohl sie laut Straßenverkehrsordnung "illegal" unterwegs seien. Denn diese schreibe unter anderem vor, dass unnötiger Lärm verboten sei. Und: "Warum ist es nicht verboten, dass technische Vorrichtungen angeboten und eingebaut werden dürfen, die diesen Vorschriften widersprechen", fragen die Grünen. Firmen oder Messen wie die Tuning World Bodensee dürften sogar dafür werben.

Das Problem ist nicht neu. Seit fast zehn Jahren gibt es unter dem Dach des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) einen Arbeitskreis Motorradlärm, der versucht, politisch am Rad zu drehen. Während es relativ einfach ist, gegen Fahrer vorzugehen, die verbotenerweise den "Dezibel-Killer" am Auspuff ausbauen, verhält sich die große Masse der Krachmacher auf zwei Rädern gesetzestreu. Auf der Internetseite www.motorradlaerm.de der Aktivisten heißt es: "Viele Motorräder lassen sich mit etwas Disziplin mit einer akzeptablen Lautstärke bewegen, aber es geht auch anders: Beschleunigungsorgien in kleinen Gängen, die Gänge voll ausdrehen und immer am Limit fahren, das ist in der Regel sehr laut." Mit solch einem Fahrstil könne man den Pegel um 20 Dezibel hochtreiben.

Den Vorwurf der Immenstaader Grünen, warum die Polizei nichts oder zu wenig unternehme, um solche Fahrzeuge aus dem Verkehr zu ziehen und die Fahrer zu bestrafen, kann Markus Sauter nicht nachvollziehen. Der Sprecher der Polizeidirektion Konstanz erklärt auf Anfrage: "Einzelfälle gibt es sicherlich." Wenn bei Kontrollen zu laute Auspuffgeräusche auffallen, werde eine Messung veranlasst. Zahlen allerdings liegen nicht vor, weil sie nicht erfasst werden, so Sauter. Was die Tuning World Bodensee angeht, so seien Kontrollen in dem Umfang wie früher nicht mehr nötig. "Die Verstöße, was nicht zulässige technische Umbauten angeht, sind stark zurückgegangen."

Probleme mit zu lauten Motorrädern haben aber nicht nur die Immenstaader Grünen. Ende Februar fragte die CDU-Landtagsabgeordnete Sylvia Felder bei der Landesregierung an, wie dicht Motorräder in ihrem Wahlkreis Rastatt (Schwarzwald) überwacht werden, ob sie zu laut und schnell unterwegs sind. Begründung: In verschiedenen Gemeinden und Ortsteilen werde über eine unverhältnismäßige Belastung durch Motorradfahrer geklagt. Die Antwort steht noch aus.