Der Bau des „Post Village“ auf dem ehemaligen Heiligenberger Postareal rückt näher. Geologe Achim Zimmermann war vom Bauunternehmen Betz und Weber Baupartner beauftragt, die Bodenwerte für die letzten Bauplanungen zu ermitteln. Insbesondere die Belastbarkeit des Bodens ist dabei von Bedeutung. Fünf mehrgeschossige Einzelhäuser, die mit einer Tiefgarage verbunden sind, sollen sicher an der Heiligenberger Bergkante stehen.

Die Tiefe bis zum felsigen Grund wurde mit fünf Metern gemessen. Von links: Investor Alexander Weber, Projektleiter Nicolas Pichler und Geologe Achim Zimmermann.
Die Tiefe bis zum felsigen Grund wurde mit fünf Metern gemessen. Von links: Investor Alexander Weber, Projektleiter Nicolas Pichler und Geologe Achim Zimmermann. | Bild: Mardiros Tavit

Beruhigende erste Ergebnisse

Nicolas Pichler, Projektleiter des Ravensburger Investors, war eigens angereist, um die Bodenbeschaffenheit selbst in Augenschein zu nehmen. Die ersten Ergebnisse beruhigten ihn. Die Baggerschaufel stieß nach gut fünf Metern Erde und Kies auf felsigen Grund. „Deckenschotter“ konkretisierte Geologe Zimmermann. Während der Eiszeit bis vor 15 000 Jahren lag hier auf der Endmoräne ein Eispanzer von 800 bis 1000 Metern Höhe und verdichtete den Grund zum Fels.

Reste vom Vorbau, die wahrscheinlich als Füllmaterial verwendet wurden.
Reste vom Vorbau, die wahrscheinlich als Füllmaterial verwendet wurden. | Bild: Mardiros Tavit

Ton wäre problematisch

Mit dem Bauen direkt auf dem Felsgrund ist die Gefahr eines Hangrutsches somit nicht gegeben. Das wäre anders, wenn eine Ton-Schicht zu Tage gekommen wäre. Dauerregen hätte den Boden sättigen können. Dann hätte sich eine seifenartige Schicht im Untergrund bilden können. So wie vor einem Monat in Schopfheim bei Lörrach oder in Primisweiler bei Wangen im Allgäu. Dort rutschten Hänge von Wohngebieten ab. Anders in Heiligenberg, hier kann relativ nah an die Bergkante gebaut werden.

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Wenn sich die Räder heben, stößt die Schaufel auf festen Grund. Der Bagger hätte seinen Arm 20 Meter ausfahren können, doch schon nach fünf Metern stieß die Schaufel auf Felsen.
Wenn sich die Räder heben, stößt die Schaufel auf festen Grund. Der Bagger hätte seinen Arm 20 Meter ausfahren können, doch schon nach fünf Metern stieß die Schaufel auf Felsen. | Bild: Mardiros Tavit

Wie der Gefahr durch Erdbeben begegnen?

Eine weitere Gefahr besteht in der Region. Erst zwei Tage vor den Bodenuntersuchungen in Heiligenberg bebte die Erde unter der Reichenau. „Wir befinden uns hier in der Erdbebenzone zwei“, sagt Projektleiter Nicolas Pichler. Für Statikberechnungen gebe es Parameter, die je nach Erdbebenzone in die Gleichungen eingesetzt würden. Die Bauten in der Region müssen entsprechend eine Intensität von 7 bis 7,5 aushalten können. Das bedeutet, dass bei einem Beben schwere Schäden an den Häusern entstehen, wenn nicht vorgesorgt wurde. „Diese Gefährdung ist in den statistischen Berechnungen berücksichtigt“, klärt Pichler auf. Entsprechend werden die Fundamente gebaut.

Projektleiter Nicolas Pichler zeigt die Bodenhöhe der Tiefgarage an.
Projektleiter Nicolas Pichler zeigt die Bodenhöhe der Tiefgarage an. | Bild: Mardiros Tavit

Das „Post Village“ werde quasi auf Pfählen gebaut, die dann auf dem Felsengrund stünden. Aber wie diese Stützen gebaut werden müssen, hänge von den Ergebnissen der aktuellen Bodenproben ab. „Ob bewehrt oder unbewehrt, oder ob wir mit Magerbetonplomben arbeiten können, zeigen erst die Werte der Untersuchungen“, beschreibt der Projektleiter seine Möglichkeiten. Auf dem zweistufigen Terrassengelände könnten aber auch unterschiedliche Lösungen gefunden werden.

Für den Laien wäre es an der Grubenkante sehr gefährlich. Für den Geologen Achim Zimmermann ist es Alltag. Fünf Meter geht es steil in die Grube.
Für den Laien wäre es an der Grubenkante sehr gefährlich. Für den Geologen Achim Zimmermann ist es Alltag. Fünf Meter geht es steil in die Grube. | Bild: Mardiros Tavit

Seit zehn Jahren Interesse an dem Grundstück

Ende Mai sollen die Ergebnisse vorliegen. Dann gehe es in die Detailplanung, erst dann könne eine seriöse Zeitplanung erstellt werden. „Es macht keinen Sinn, vorab ein Datum für den Baubeginn zu veröffentlichen“, so Investor Alexander Weber, „nichts ist schlimmer, wie wenn Baubeginn oder Bauende immer wieder verschoben werden müssen“. Auch Weber war vor Ort, als die Baggerschaufel die Erde aufbrach. Über zehn Jahre sei er an dem Grundstück dran gewesen. „Ein Bekannte erzählte mir, dass dieses Grundstück verkauft werden sollte“, seitdem habe er sich um das Areal bemüht.

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An der Bergkante soll ein Gehweg geführt werden.
An der Bergkante soll ein Gehweg geführt werden. | Bild: Mardiros Tavit

Spektakuläre Spazierwege bis zur Hangkante

Der Bebauungsplan der Gemeinde weist das Grundstück als ein Mischgebiet mit Wohnen, gewerblicher Nutzung im Dienstleistungsbereich, Gastronomie und Hotel aus. Mit der Fertigstellung wird das Hotel dabei das größte Gebäude. Ein öffentlicher Gehweg führt dann an der Bergkante vor den zwei Wohngebäuden vorbei. Von der Aussichtsterrasse auf dem oberen Plateau kommen Spaziergänger und Wanderer über eine Treppenanlage dorthin und finden zum Beispiel Anschluss an den Freundschaftshöhenpfad.

Blick über das Salemer Tal. Einen baumfreien Blick auf die Alpenkette und den Sonnenuntergang gibt es später vom obersten Stockwerk des Hotels.
Blick über das Salemer Tal. Einen baumfreien Blick auf die Alpenkette und den Sonnenuntergang gibt es später vom obersten Stockwerk des Hotels. | Bild: Mardiros Tavit

Geplant ist auch eine Aussichtsterrasse mit Bewirtung und ein Sky-Walk über die Bergkante. Dabei handelt es sich um einen Steg über die Kante, so dass man quasi in der Luft steht. Höhepunkt wird höchstwahrscheinlich die Sky-Bar in der obersten Etage des Hotels mit freiem Blick über das Salemer Tal hinüber zum Bodensee und die majestätische Alpenkette. Man muss kein Prophet sein, um hier einen populären Treffpunkt zum Sonnenuntergang vorherzusagen.