Nägel, Scharniere aus Stahl, Draht – unbrennbare Materialien, die vom Funkenfeuer übrig blieben: Markus Kiefer vom Heiligenberger Narrenverein Wolkenschieber siebt das Metall aus einem Aschehaufen, er säubert den Funkenplatz auf der Amalienhöhe. Doch nicht nur rostige Nägel bleiben nach dem Funkensonntag 2019 übrig, sondern auch mächtig viel Ärger. "Ich finde es schade, wenn dadurch eine Tradition kaputtgemacht wird", sagt Kiefer, Narrenpolizist des Narrenvereins. Die Wolkenschieber veranstalteten das Funkenfeuer auf der Amalienhöhe, beziehungsweise wollten es am Sonntag dort veranstalten. Durch einen mutwilligen Angriff brannte das Feuer schon in der Nacht auf Sonntag und wurde so zu einem Fall für die Kripo.

Auffälliges Fahrzeug beim Aufkircher Funken

Die Polizei ermittelt gegen die Zündler, die in den vergangenen Tagen teils komplett aufgebaute Funken in der Region in Brand steckten. Donnerstagnacht zündeten Unbekannte den Funken in Hagnau an. In der Nacht auf Sonntag wurden die Funken in Heiligenberg und Nußdorf entfacht. In Heiligenberg fing zudem eine denkmalgeschützte Linde durch den Funkenflug Feuer. Ermittelt wird derzeit unter verschiedenen Ansätzen. Polizeisprecherin Karina Urbat bestätigt, dass am Funken in Aufkirch ein Auto beobachtet wurde. "Es wurde durch einen Funkenbuben ein Fahrzeug gemeldet, das am Samstagabend auf einem landwirtschaftlichen Weg in Aufkirch stand. Die Überprüfung durch die Polizei dauert an", berichtet Urbat. Im Fall des Funkens in Heiligenberg werde wegen des Verdachts der Sachbeschädigung ermittelt, da hier ein denkmalgeschützter Baum beschädigt worden sei.

Die größte Linde dieser Baumgruppe auf der Amalienhöhe Heiligenberg, links im Bild, fing Feuer, als der Funken vorzeitig abgefackelt wurde. Die Feuerwehr verhinderte mit viel Wasser, dass der denkmalgeschützte Baum abbrannte. Ein Gutachter soll nun klären, ob der Baum einen ernsthaften Schaden erlitt.
Die größte Linde dieser Baumgruppe auf der Amalienhöhe Heiligenberg, links im Bild, fing Feuer, als der Funken vorzeitig abgefackelt wurde. Die Feuerwehr verhinderte mit viel Wasser, dass der denkmalgeschützte Baum abbrannte. Ein Gutachter soll nun klären, ob der Baum einen ernsthaften Schaden erlitt. | Bild: Hilser, Stefan

Derzeit handele es sich um eine Anzeige wegen Gemeinschädlicher Sachbeschädigung durch Veränderung des Erscheinungsbildes des Naturdenkmals. Laut Paragraf 304 des Strafgesetzbuches ist diese mit einer Freiheits- oder Geldstrafe zu ahnden. In allen anderen Fällen sind die Funken nach Angaben der Polizei kontrolliert heruntergebrannt. Es sei kein weiterer Schaden entstanden, so die Polizeisprecherin. Nach der Haftung befragt, sagte Urbat: "Sollten ein oder mehrere Täter ermittelt und verurteilt werden, so können diese für den Schaden und die Einsatzkosten haftbar gemacht werden."

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Der Schaden an der Linde auf der Amalienhöhe könnte nach den mehrstündigen Löscharbeiten dramatisch sein. Funken fachten das Feuer in dem Baum, der wohl im 19. Jahrhundert auf der Amalienhöhe gepflanzt wurde, immer wieder an. Die Wetterverhältnisse mit viel Wind taten ihr Übriges. Heiligenbergs Bürgermeister Frank Amann teilt zum weiteren Vorgehen mit: "Es wird ein erfahrener Baumgutachter beauftragt, die Schäden zu untersuchen, zu dokumentieren und uns danach über mögliche erforderliche Schritte zur Baumsanierung zu informieren." Die Gemeinde habe sowohl die Polizei als auch den Grundstückseigentümer über den Sachverhalt informiert.

Schon in der Nacht auf den Funkensonntag brannte der Funken auf der Amalienhöhe. Der Veranstalter, der Narrenverein Wolkenschieber, geht von Brandstiftung aus.
Schon in der Nacht auf den Funkensonntag brannte der Funken auf der Amalienhöhe. Der Veranstalter, der Narrenverein Wolkenschieber, geht von Brandstiftung aus. | Bild: Feuerwehr Heiligenberg

"Dem Grundstückseigentümer wird empfohlen, Anzeige gegen Unbekannt zu stellen – nicht wegen des 'verfrühten' Funkenbrandes – das gehört ein Stück weit auch zu unserer Funkentradition –, sondern wegen des Baumschadens", sagt Amann. Die Linden auf der Amalienhöhe seien eingetragene Naturdenkmale und daher besonders geschützt. "Sie sind in der Region weithin sichtbar und für unser Ortsbild prägend. Der Verlust eines oder mehrerer Bäume durch diesen Brand wäre sehr bedauerlich, aber leider nicht änderbar. Einzige Alternative wären Neuanpflanzungen", sagt der Bürgermeister.

Scherben in der Asche des Heiligenberger Funkens

Narrenpolizist Kiefer siebt derweil nicht nur rostige Nägel, sondern auch die Scherben einer zerbrochenen grünen Glasflasche aus dem Aschehaufen. Er vermute, dass es sich um die Reste eines Brandbeschleunigers handelt, den Unbekannte in den aufgeschichtenen Funken geworfen haben könnten. Die Uhr zeigte Sonntagmorgen, kurz nach vier Uhr. Die Funkenwache, berichtet Kiefer, habe zwar immer wieder einen Kontrollblick auf den Funken geworfen, zur mutmaßlichen Tatzeit habe sich die Wache aber im Bauwagen aufgehalten und habe von dem hinterhältigen Angriff nichts bemerkt. Kiefer: "Wir haben jetzt drei Optionen: Entweder wir bauen den Funken mit mehr Abstand zu den Bäumen, suchen einen anderen Platz, oder wir hören ganz auf."

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Ein Missgeschick, ein ordnungsgemäßer Funken und zwei Nachholtermine

Wie unvorhersehbar Feuer ist, mussten die Unteruhldinger Funkenbuben am Samstagnachmittag erfahren. Ihr fertig hochgeschichteter Funken am Hafen fing plötzlich Feuer. Verursacht wurde der Vollbrand durch einen Funken, der von einem kleinen Feuer, das traditionell während der kompletten Aufbauphase brennt, in den Bau getragen wurde. Dort entfachte dieser das Stroh, das wiederum den Funken über einen Gang und einen Kamin entzündete. "Wir haben versucht, das Feuer mit allen Mitteln zu löschen", sagt Marco Knoblauch, Chef der 36 Funkenbuben.

Doch es war nichts mehr zu machen. Ein "ordentlicher Wind" fachte das Feuer zusätzlich an. So brannte der Funken schon zwei Stunden vor dem offiziellen Termin um 19 Uhr. Verpasst haben die Bürger den brennenden Funken aber nicht. "Es war recht schnell, dass Publikum kam", sagt Knoblauch. Es sei der halbe Ort da gewesen. Es dauerte nicht lange, bis der von Hand hochgezogene Bau im Vollbrand stand und Funken schlug. Koblauch sagt im Nachhinein, dass er ihn am Abend wohl nicht entzündet hätte. Um 19 Uhr habe es zu sehr gestürmt und es seien auch zu viele Menschen da gewesen. Das Entzünden des großen Funkens durch das kleine Feuer, an dem mal Würstchen gegrillt und die Hände gewärmt werden, verzeichnet Knoblauch als Missgeschick.

Die Unteruhldinger Funkenbuben und die Bürger hatten trotzdem etwas von dem Feuer – nur eben früher als gedacht. Die Funkenbuben machten das Beste draus: Sie berichteten auf ihrer Facebook-Seite von ihrem "pünktlichst angezündeten Funken" und luden zum gemeinsamen Fest ein. Fast ordnungsgemäß verlief dagegen das Abbrennen des Funkens in Mühlhofen am Sonntagabend. Lediglich der Aufbau, inklusive Edgar-Lamm-Gedenkstein, hatte unter widrigen Bedingungen stattfinden müssen. Die Funkenfeuer in Meersburg und Stetten wurden am Montagabend nachgeholt. Sie waren im Hinblick auf vorhergesagte Windgeschwindigkeiten von bis zu 80 Stundenkilometern abgesagt worden.