Es ist eine fast schon gespenstische Szene, derzeit durch Föhrenbühl zu fahren. Wo sonst fröhliches Leben auf den Wegen herrscht, da ist jetzt Stille. Das Coronavirus hat auch die Einrichtung der Camphill-Schulgemeinschaften im Griff. Wie geht eine solche Einrichtung mit der Situation um? „Geschlossen haben wir nicht“, sagt Burkhard Haus, Vorsitzender des Trägervereins für Föhrenbühl. Er fügt hinzu, dass man noch keinen akuten Fall mit einer Corona-Infektion habe und es bislang auch keinen Verdacht auf eine Ansteckung gebe. Man passe sich ständig den veränderten Situationen an.

Die Spielflächen sind ebenfalls gesperrt. Das Virus lässt kein Freizeitvergnügen zu.
Die Spielflächen sind ebenfalls gesperrt. Das Virus lässt kein Freizeitvergnügen zu. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Eingeschränktes Besuchsrecht und gesperrte Spielflächen

Für das gesamte Gelände besteht ein eingeschränktes Besuchsrecht. Ausnahmen sind nur nach vorheriger Anmeldung und eingehender Prüfung möglich. An allen Zugängen stehen Hinweisschilder. Allerdings ist die Durchfahrt eine öffentliche Straße und deshalb nicht gesperrt. Gesperrt sind jedoch die bislang öffentlichen Spielplätze auf dem Gelände. Sie werden auch von den Betreuten nur sehr eingeschränkt und unter Einhaltung der entsprechender Vorgaben genutzt. So dürfen auch sie nicht in größeren Gruppen die Spielplätze nutzen.

Internatsschüler nach Hause geschickt, wo dies möglich war

Föhrenbühl erfüllt bei den Camphill-Schulgemeinschaften eine Doppelfunktion. Es gibt Tagesschüler, die von außerhalb kommen, und Internatsschüler, die auf dem Gelände leben. „Bei den Tagesschülern haben wir bis auf zwei alle ausgeladen. Das heißt, sie sind zu Hause und werden von Angehörigen betreut. Bei den zwei Schülern, wo das nicht möglich ist, haben wir eine Möglichkeit gefunden, dass sie bei uns betreut werden können.

Normaler Schulbetrieb findet nicht statt

Ein normaler Schulbetrieb findet aber nicht statt.“ Bei den internen Schülern habe man versucht, sie nach Hause zu schicken, wo das möglich war. Die Situation wurde mit den Eltern intensiv besprochen und nach Möglichkeiten gesucht. Für zwei Drittel der Internatsschüler gab es aber keine Möglichkeit, nach Hause zu gehen, und so sind sie nach wie vor in Föhrenbühl. Es mussten Wege gefunden werden, dass eine ganztägige Betreuung möglich ist. Denn mit dem Wegfall des Schulbetriebs gibt es auch keinen Unterricht mehr.

„Körperkontakt mit unseren Schülern lässt sich nicht vermeiden“

„Körperkontakt mit unseren Schülern lässt sich nicht vermeiden“, sagt Burkhard Haus. Selbstverständlich beachte man dabei die Hygienevorschriften. Ausgesprochene Schutzkleidung, wie man sie im Umgang mit Infizierten verwendet, kommt aber noch nicht zum Einsatz. Für besonders gefährdete Kinder und Jugendliche sind die Kontaktmöglichkeiten eingeschränkt und man versucht, diese möglichst zu isolieren.

Derzeit findet das Leben in Föhrenbühl weitgehend innerhalb der Wohngruppen statt. Das Foto entstand im Jahr 2019 im Haus Cator.
Derzeit findet das Leben in Föhrenbühl weitgehend innerhalb der Wohngruppen statt. Das Foto entstand im Jahr 2019 im Haus Cator. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Bei einem Corona-Ausbruch müsste sich die Betreuung in den Wohngruppen konzentrieren

Alle Maßnahmen würden ständig der entsprechenden Situation angepasst. Sollte das Coronavirus die Schulgemeinschaft treffen, werde es keine gemischten Gruppen bei der Betreuung der Schüler im Schulgebäude mehr geben. Man müsse sich dann ausschließlich auf eine Betreuung in den Wohngruppen konzentrieren.

Mitarbeiter wohnen überwiegend außerhalb der Einrichtung

Im Gegensatz zu vergangenen Zeiten wohnt der überwiegende Teil der Mitarbeiter außerhalb der Einrichtung. „Wer für das System benötigt wird, der kommt auch unter Einhaltung der entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen weiterhin zur Arbeit.“ Wer über 60 Jahre alt sei oder eine Vorerkrankung habe, der könne sich ein ärztliches Attest ausstellen lassen und dürfe zwar das Gelände betreten, aber der Kontakt zu Schülern sei ihm untersagt. „Diese Mitarbeiter machen dann andere Tätigkeiten oder, wenn möglich, auch Homeoffice“, erklärt Burkhard Haus.

Kinderarzt aus Salem steht in beratender Funktion ständig zur Verfügung

Einen eigenen Arzt hat Föhrenbühl nicht, aber ein Kinderarzt aus Salem betreut die Kinder und Jugendlichen schon seit Jahrzehnten und kennt die Einrichtung bestens. Sprechstunden hält er vor Ort derzeit nicht ab, aber steht in beratender Funktion ständig zur Verfügung.

Einsam ist es auch für die Therapiepferde auf dem Gelände der Schulgemeinschaft.
Einsam ist es auch für die Therapiepferde auf dem Gelände der Schulgemeinschaft. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Klopapier ist genug da – und Schutzkleidung ebenfalls

„Haben Sie noch Klopapier?“ Burkhard Haus lacht: „Wir haben noch.“ Man kaufe diesen Hygieneartikel in großen Mengen ein und ist überzeugt, dass die Lieferanten in der derzeit besonderen Situation sicher auch Verständnis hätten, sollte der Vorrat sehr dezimiert werden. Auch mit Schutzkleidung habe sich die Einrichtung ausgerüstet. Man habe genügend Vorlauf gehabt und entsprechend reagiert. „Wir sind für die jetzige Situation gerüstet. Wenn es aber schlimmer wird, müssen wir entsprechende Maßnahmen ergreifen.“ Das wäre dann der Fall, wenn innerhalb der Gemeinschaft eine Infektion auftreten würde und Isolierungsmaßnahmen ergriffen werden müssten. „Aber wir hoffen, dass das nicht der Fall sein wird.“

Schülern mit Assistenzbedarf fehlt ihr gewohnter Tagesablauf

Für die gefährdeten Schüler wäre dies extrem schlecht, denn viele von ihnen hätten kein Bewusstsein für die Situation. Wenn der gewohnte Tagesablauf fehle, wenn die tragenden Elemente des täglichen Lebens durcheinander kämen, dann sei es für junge Leute mit Assistenzbedarf durchaus schwierig, damit umzugehen. „Wer relativ selbstständig ist, der würde schon mal gern rausgehen oder mit dem Bus irgendwo hinfahren wollen“, macht Burkhard Haus deutlich. “Manches wird bedrohlich, bedrückend und deprimierend erlebt.“ Auch für die Mitarbeiter sei die Situation schwierig. Die Mitarbeiter in den Gruppen müssten nun ständig da sein. Überstunden seien die Regel und der Kreis der verfügbaren Kräfte habe sich bereits deutlich verkleinert.

Hoffnung auf Rettungsschirm für soziale Einrichtungen, da Einnahmen fehlen

Burkhard Haus sagt, er mache sich große Sorgen um die Menschen, aber er müsse auch an die wirtschaftliche Situation denken. Er hofft, dass es auch einen Rettungsschirm für soziale Einrichtungen geben wird. Die derzeitigen finanziellen Einbußen könne man nicht so einfach wegstecken. Beim größten Arbeitgeber der Gemeinde läuft alles weiter und verursacht Kosten. Aber: „Es fehlen jetzt Einnahmen“, macht Haus deutlich. Wie die Kostenträger für die Internatsschüler mit der Situation umgehen werden, sei noch völlig offen.

Auch der Kindergarten ist geschlossen, der Kinder aus dem ganzen Ort aufnimmt

Auch der Kindergarten ist geschlossen, der aus ganz Heiligenberg Kinder aufnimmt. Gebühren sollen ab April keine verlangt werden. Trotz aller Sorgen habe er aber die Hoffnung nicht aufgeben, dass die Situation sich wieder entspanne.