Wenn man zum Nichtstun gezwungen wird, kann das durchaus auch Kreativität fördern. Der beste Beweis dafür ist Julica Renn aus Hagnau. Die 32-jährige Hotelière führt mit ihren Eltern zusammen den dortigen Burgunderhof. In die Schlagzeilen kam sie in den vergangenen beiden Jahren allerdings durch ihre Brennkünste in Sachen Gin. Sie entwickelte eine eigene Kreation, mit der sie international Erfolg hat.

Durch die Corona-Krise ist auch sie ausgebremst worden. Zum einen muss das Hotel bis auf Weiteres geschlossen bleiben und zum anderen läuft der Vertrieb der Gin-Marke ausschließlich auf dem digitalen Weg. „Wir sind mit Ausbuchungen von Hotelgästen beschäftigt“, erklärt Julica Renn. „Das füllt uns aber keinesfalls aus.“ Auch die Gin- und Weinbestellungen seien überschaubar. Auf der Suche nach einer Beschäftigung erhielt sie einen Anruf von einem Freund.

Befreundeter Apotheker brachte sie auf die Idee

Durch die momentane große Nachfrage nach Desinfektionsmitteln rücken Destillateure immer häufiger in den Fokus. In Liechtenstein beispielsweise wurde sogar die Bevölkerung aufgerufen, ihre Schnapsvorräte zu durchforsten und sie zur Herstellung von Desinfektionsmitteln zu spenden. Matthias Maunz von der Panda- und Bären-Apotheke aus Markdorf rief seine Bekannte Julica Renn an und fragte nach, ob sie Alkohol gelagert habe. Und schon war die neue Aufgabe für die Gin-Brennerin gefunden. Mittlerweile sind auch ihre Eltern komplett mit eingebunden.

Familie erlebt Aufkommen des Coronavirus in China mit

„Wir waren im Dezember im Urlaub und haben das Aufkommen des Coronavirus in China verfolgt“, erinnert sich Mutter Andrea Renn. „Da haben wir schon geahnt, was da auf uns zukommen könnte.“ Und die Tochter fügt hinzu: „Deshalb haben wir umgehend geschaut, dass wir unseren Alkoholvorrat von Bio-Ethanol noch einmal auffüllen.“ Heute erweist sich dieser Schritt als Glücksfall, denn genau dieser Rohstoff ist momentan extrem rar. „Er ist nicht nur schwer zu bekommen, er ist auch unglaublich teuer“, erklärt Julica Renn. „Der Preis hat sich teilweise verzehnfacht.“

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Rohstoffe zu bekommen ist aktuell schwierig

Nach dem Anruf von Matthias Maunz entschied sich die Hagnauerin, aus dem Bio-Ethanol Desinfektionsmittel herzustellen. Kurzerhand machte sie sich auf die Suche nach Fläschchen, in die die Flüssigkeit abgefüllt werden kann. „Die Rohstoffe zu bekommen ist momentan das große Problem“, erzählt die 32-Jährige. „Selbst Fläschchen sind kaum zu bekommen.“ Dennoch sei sie täglich bis zu sechs Stunden mit ihrem Vater damit beschäftigt, Desinfektionsmittel zu mischen und abzufüllen.

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Nächste Idee: Desinfektionsgel herstellen

Das Bio-Ethanol mit etwa 96-prozentigem Alkoholgehalt wird dort, wo sonst Gin gebrannt wird, zu Desinfektionsmittel verarbeitet und direkt abgefüllt. „Wir machen alles von Hand“, erklärt Julica Renn. „Wir füllen das Desinfektionsmittel ab und bekleben die Fläschchen.“ Dann liefert sie diese in Markdorf ab. Dort tüftelt sie gemeinsam mit den Apothekern an einem nächsten Produkt. „Wir versuchen, Desinfektionsgel herzustellen“, verrät sie. „Das wäre deutlich ergiebiger und man könnte aus dem bestehenden Alkohol eine größere Menge herstellen.“

„Es ist einfach ein gutes Gefühl, helfen zu können“

Bis es so weit ist, konzentriert sie sich allerdings auf das Herstellen von Desinfektionsmittel. Und solange die Corona-Krise anhält, wird der Brennkeller zur Alkohol-Misch-Stube. „Es ist einfach ein gutes Gefühl, helfen zu können“, sagt Julica Renn, die betont, dass sie mit ihren Eltern die Produktion fast zum Selbstkostenpreis mache. Dazu erklärt sie: „Wenn wir das nicht machen würden, würden wir momentan keinen Alkohol bekommen.“ Dieser Tage werde sehr genau darauf geschaut, was der Käufer mit dem Bio-Ethanol mache. Und deshalb stehe im Hause Renn momentan das Helfen vor dem Profit. „Es ist definitiv besser, als nichts zu tun“, betont Julica Renn.

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