„Würden Sie bitte Ihre Hände desinfizieren?“ Die Mitarbeiterin am Haupteingang des Klinikums ist freundlich, aber bestimmt. Mit Schutzmaske, Fieberkontrolle und einer Selbsterklärung, die die Gesundheit bescheinigt, werden seit gestern wieder Besucher ins Haus gelassen – allerdings nur einer pro Patient und Tag. Die neue, vom Land vorgegebene Regelung gilt allerdings nicht für stationäre Patienten, die am Coronavirus erkrankt sind.

Bitte Mundschutz auf, Hände desinfizieren und einmal Fieber messen lassen am „Besucher“-Eingang: Auch jeder Gast im Klinikum wird erfasst, protokolliert und muss als Besucher formell bescheinigen, gesund zu sein.
Bitte Mundschutz auf, Hände desinfizieren und einmal Fieber messen lassen am „Besucher“-Eingang: Auch jeder Gast im Klinikum wird erfasst, protokolliert und muss als Besucher formell bescheinigen, gesund zu sein. | Bild: Cuko, Katy

Nur: Aktuell ist das Klinikum Covid-19-frei. Nicht mal einen Verdachtsfall gibt es. Trotzdem hat das Krankenhaus gestern offiziell seine „Corona-Station“ in Betrieb genommen – halt ohne Patienten. Eine Momentaufnahme, glauben die Mediziner. „Wir gehen davon aus, dass uns dieses Virus mindestens noch bis zum Jahresende begleiten wird, wahrscheinlich sogar länger“, sagt der Ärztliche Direktor des Klinikums, Roman Huber.

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Das erklärt, warum sich die Verantwortlichen des Medizin Campus Bodensee (MCB) dazu entschlossen haben, eine in sich abgeschlossene Station im Häfler Krankenhaus nur für Corona-Patienten zu schaffen. Das liegt nicht nur daran, dass die Politik nach wie vor fordert, ein Drittel der Intensivbetten für Corona-Fälle freizuhalten. „Die Station macht es leichter, diese Patienten strikt zu isolieren und alle anderen vor einer Ansteckung zu schützen“, so Huber.

Zwei Dutzend MCB-Mitarbeiter erkranken wie der Ärztliche Direktor

Bisher habe der Bodenseekreis in dieser Pandemie insgesamt Glück gehabt, erklärte der Ärztliche Direktor, der – wie etwa zwei Dutzend MCB-Mitarbeiter – selbst an Covid-19 erkrankt ist und mit seiner Familie zwei Wochen in Quarantäne musste. 290 Infizierte bisher sind – auf 100 000 Einwohner gerechnet – so wenig Fälle wie nirgendwo sonst in Baden-Württemberg, erklärte Bernhard Kiß, Leiter des Gesundheitsamtes im Landratsamt. 42 Patienten wurden stationär in Friedrichshafen behandelt. 15 davon mussten beatmet werden, fünf starben.

Ab sofort ist die „Corona-Station“ im Klinikum Friedrichshafen im Betrieb, freilich nur im Bedarfsfall. Hier werden ausschließlich Covid-19-Patienten behandelt.
Ab sofort ist die „Corona-Station“ im Klinikum Friedrichshafen im Betrieb, freilich nur im Bedarfsfall. Hier werden ausschließlich Covid-19-Patienten behandelt. | Bild: Cuko, Katy

Bisher wurden Covid-19-Patienten auf der Infektionsstation und – die schwer Erkrankten – auf der vorübergehend eingerichteten Intensivstation im Ambulanten OP-Zentrum behandelt. Die wird gerade wieder aufgelöst. Die neue Corona-Station, die sich offiziell „Isoliereinheit Intensiv“ nennt, vereint künftig alle Patienten, die sich infiziert haben – egal, wie schwer sie erkrankt sind. In sechs Zimmern können bis zu 18 Patienten intensivmedizinisch behandelt und bei Bedarf auch beatmet werden. Dafür wurde die Pflegegruppe 24 nicht nur baulich von der Nachbar-Pflegegruppe 22 getrennt und eine Personalschleuse eingerichtet. Alle Zimmer wurden für die medizinische Überwachung auf Station neu verkabelt und technisch aufgerüstet.

Bisher einmaliges Konzept in baden-württembergischen Kliniken

Mit diesem Konzept sei das Häfler Klinikum „wieder vor der Lage“, sagte Martin Eble, Geschäftsführerende Oberarzt, gestern beim Presserundgang auf der neuen Station. Finanziell „wuppt das der MCB aus der eigenen Tasche“, erklärte Geschäftsführerin Margita Geiger, denn gefördert wird das Ganze nicht. „Aber wir sind überzeugt, dass das der richtige Weg ist.“ Die räumliche Trennung der Corona-Patienten erleichtere es auch, den Klinikbetrieb zunehmend zu normalisieren. Aktuell sei man bei etwa 60 Prozent. Ab nächster Woche will der MCB wieder auf 80 Prozent seiner üblichen Kapazitäten sein, sodass nun auch immer mehr aufgeschobene Operationen nachgeholt werden können.

Ab sofort hat das Klinikum Friedrichshafen eine „Corona-Station“ mit bis zu 18 Betten, die ausschließlich Covid-19-Patienten behandelt. Aktuell ist kein Patient mit dieser Viruserkrankung zu versorgen.
Ab sofort hat das Klinikum Friedrichshafen eine „Corona-Station“ mit bis zu 18 Betten, die ausschließlich Covid-19-Patienten behandelt. Aktuell ist kein Patient mit dieser Viruserkrankung zu versorgen. | Bild: Cuko, Katy

Und wenn es mit einer zweiten Welle doch mehr Covid-19-Patienten als Betten auf der Corona-Station gibt? „Wir haben Überlauf-Kapazitäten und können jederzeit wieder hochfahren, auch auf der Intensivstation“, nimmt Martin Eble diese Sorge. Die „normale“ Infektionsstation sei noch da. Und auch die mobile Krankenstation von Airbus zwischen Ärzte- und Krankenhaus bleibe vorerst stehen, auch wenn die Zelte samt Inventar aus Sicherheitsgründen wieder in den Container verpackt werden, so Bernhard Kiß. Das Landratsamt hat die Station für sechs Monate angemietet. Im Bedarfsfall sei sie binnen vier Stunden wieder einsatzfähig.

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