In der Zeppelinstadt funktioniert die Hochzeitsplanung wie bei einer Online-Bestellung, „nur die Braut kann man nicht buchen“, scherzt Judith Wolf, Leiterin des Standesamts. Nach dem Heiratsantrag kann sich das Pärchen gemütlich aufs Sofa setzen und sich online seinen Wunschtermin für die Trauung reservieren – bis zu einem Jahr im Voraus. Und nicht nur das: Mit der Terminabfrage wird auch der Wunschort für die Hochzeit gecheckt. Denn in Friedrichshafen haben Paare acht verschiedene Trauorte zur Wahl – zu Wasser, zu Land und in der Luft.

Auch an Bord des Zeppelin NT können sich seit 2012 Paare das Ja-Wort geben, wie hier Michael Häflner und Tanja Röse.
Auch an Bord des Zeppelin NT können sich seit 2012 Paare das Ja-Wort geben, wie hier Michael Häflner und Tanja Röse. | Bild: Archiv

Neben den vier Rathäusern in der Stadt und in den Ortsteilen kann samstags im Graf-Zeppelin-Haus oder im Trauzimmer im Haus am See der Zeppelin-Stiftung in Fischbach geheiratet werden. Hier geben sich Paare am häufigsten das Ja-Wort. Aber auch im LuftschiffZeppelin NT oder auf einem Ausflugsschiff auf dem Bodensee können Paare in den Hafen der Ehe einlaufen.

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Diese Termine sind allerdings nicht online buchbar, sondern müssen "Hand in Hand" mit Standesamt und der Zeppelin-Reederei oder den Bodensee-Schiffsbetrieben (BSB) vereinbart werden, erklärt Judith Wolf. Die "Wasser-Hochzeit" bot die BSB 2017 das erste Mal an; eine Trauung an Bord gab es aber noch nicht. Die Premiere finde bestimmt in diesem Jahr statt, ist sich die Chefin des Standesamts sicher.

Am liebsten heiraten Paare samstags, im Sommer und im Dezember

Nach der Terminreservierung im Online-Traukalender kommt der weniger romantische Teil. Nach der Bestätigungsmail durch das Standesamt hat das Paar zwei Wochen Zeit, seine Reservierung zu bestätigen. Frühestens ein halbes Jahr vor dem Trautermin kann das Aufgebot bestellt werden, wenn alle Unterlagen da sind, erklärt Judith Wolf. Dann ändert sich der Status der Reservierung in eine Buchung. „Aber auch die kann noch verschoben werden“, erklärt die Standesamtsleiterin. Am liebsten heiraten Paare samstags, in den Sommermonaten, aber auch im Dezember. Denn mit einer Trauung am Jahresende gilt steuerrechtlich der "Versorgungsstatus" rückwirkend für das gesamte Jahr.

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Seit der Traukalender online geführt wird, stieg nicht nur die Zahl der Hochzeiten, sondern auch der Anteil der Paare, die den Termin digital planen. Nutzten im Startjahr 2013 rund 40 Prozent (112) von 281 angemeldeten Traupaaren den Online-Kalender, so waren es 2016 erstmals rund 90 Prozent (319) der 354 Heiratswilligen. Auf diese Größenordnung haben sich die Zahlen eingependelt.

Im Schnitt 30 Trauungen für die zwölf Standesbeamten

Das macht im Jahresdurchschnitt 30 Trauungen für die zwölf Standesbeamten in der Stadt. Mit dem Angebot stieg auch die Zahl der Traupaare, die ihren Wohnsitz nicht in Friedrichshafen haben, um das Dreifache. "Vor allem Schweizer buchen sich gern bei uns ein, aber auch Pärchen, die im Ausland leben und ihre Familie hier am See haben", erzählt Judith Wolf. Der Hochzeitstourismus habe sicher auch damit zu tun, dass es attraktive und außergewöhnliche Trauorte in der Stadt gebe.

Standesamtsleiterin Judith Wolf und ihre Mitarbeiter haben den Traukalender in Buchform weggelegt und führen ihn seit 2013 digital. Seither ist die Zahl der Trauungen deutlich angestiegen.
Standesamtsleiterin Judith Wolf und ihre Mitarbeiter haben den Traukalender in Buchform weggelegt und führen ihn seit 2013 digital. Seither ist die Zahl der Trauungen deutlich angestiegen. | Bild: Cuko, Katy

Amtsleiter brachte Idee aus Filderstadt mit

Auch für das Standesamt ist die Terminbörse im Internet eine segensreiche Einrichtung. Die Idee für den Online-Traukalender habe der Amtsleiter mal aus Filderstadt mitgebracht, wo Brautpaare im Internet beim Standesamt nachschauen konnten, ob ein Termin schon belegt ist, erzählt die Standesamtsleiterin. Die dort angebotene Ampelregelung ohne Möglichkeit der digitalen Reservierung gefiel den Mitarbeitern im Standesamt aber nicht. „Wir wollten mehr Service bieten“, sagt sie. Und auch das Modell vom Rechenzentrum war zu unflexibel.

Projektgruppe der Stadtverwaltung entwickelte Plattform selbst

So entwickelte eine Projektgruppe der Stadtverwaltung das Anforderungsprofil selbst und ließ die Lösung von der FN Dienste GmbH umsetzen, ein Tochterunternehmen der Stadt. So wurde der digitale Traukalender zum wesentlichen Bestandteil der Digitalisierungsstrategie im Standesamt.

Das Beispiel hat seither Schule gemacht. Mehrere Standesämter sind diesem Modell gefolgt, so beispielsweise in Darmstadt, Essen, Wiesbaden, Offenburg oder Kassel.