Die Wege zum Erfolg führen nicht immer schnurgerade aus. Manchmal kann es sich auch als sinnvoll und vielversprechend erweisen, das sprichwörtliche Pferd von hinten aufzuzäumen. Gutes Beispiel dafür ist das Rucksack-Projekt der Caritas Bodensee-Oberschwaben, das im Auftrag der Stadt Friedrichshafen im Jahr 2007 erstmals in Häfler Kindergärten umgesetzt wurde, und gestern mit einem Fest im Haus der kirchlichen Dienste sein zehnjähriges Bestehen feierte.

Eine vernünftige Kommunikation in der Muttersprache ist die Voraussetzung für den besseren Zugang zur deutschen Sprache – so lautet die Grundidee des Projekts, das auch in verschiedenen Bundesländern erfolgreich umgesetzt wird. Gezielt werden Migrantenfamilien mit Kindern im Kindergartenalter in ihrer Muttersprache gefördert – als Basis für das Erlernen der Zweitsprache Deutsch.
 

Freude über das zehnjährige Bestehen des Rucksack-Projekts der Caritas – bei Projektverantwortlichen, Kindergartenvertretern und Stadtteilmüttern.
Freude über das zehnjährige Bestehen des Rucksack-Projekts der Caritas – bei Projektverantwortlichen, Kindergartenvertretern und Stadtteilmüttern. | Bild: Brigitte Geiselhart

Speziell beauftragte Stadtteilmütter suchen den Kontakt zu den betroffenen Familien und begleiten kontinuierlich die sprachliche Kommunikation zwischen Eltern und Kindern. Müttergruppen treffen sich einmal in der Woche, besprechen die Förderung ihrer Kinder – und nehmen eine ganz konkrete Aufgabe mit nach Hause. Beispiel: Mutter und Kind kochen einen leckeren Pudding und besprechen dabei, wie das Ganze vor sich geht und was man für Zutaten braucht. Oder man schaut zusammen eine Kindersendung an und spricht über das Gesehene miteinander. Das Rucksack-Projekt, das zunächst in Kindergärten als muttersprachliche Elternbegleitung startete, wurde mit dem Beginn des Schuljahres 2011/2012 zum koordinierten Sprachförder- und Elternstärkungsangebot in Grundschulen ausgeweitet.

"Als ich damals mit dem Rucksack-Projekt angefangen habe, hatten die Mütter wenig Kontakt zum Kindergarten. Jetzt merke ich, dass sie vermehrt auch am Kindergartenalltag teilnehmen", berichtet Hawa Özdemir, Stadtteilmutter des Familienzentrums Noadja gestern aus ihren Erfahrungen. "Außerdem haben wir in der Zeit viel mit den Erzieherinnen unternommen, zum Beispiel das gemeinsame Picknicken", sagt sie. "Uns verbindet die gemeinsame Muttersprache, aber trotzdem sind die Mütter nicht alle gleich", erzählt eine andere Stadtteilmutter. "Wir haben Frauen, die relativ neu in Deutschland sind und die deutsche Sprache noch nicht gut können. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Mütter, die hier aufgewachsen sind und dafür Probleme mit ihrer Muttersprache haben. So kann man sich gut ergänzen", verweist sie auf einen anderen Aspekt des Rucksack-Projekts.

Auch Angelika Hipp-Streicher, die am 1.Juli als Leiterin des Caritas-Dienstes Offene Familienhilfe verabschiedet wird, und Projektkoordinatorin Magdalena Hriny ziehen ein positives Zwischenfazit. "Es ist gelungen, Brücken zu bauen", sagt etwa Angelika Hipp-Streicher und ermutigt zum Weitermachen. Freude aber auch bei Natascha Garvin, städtische Integrationsbeauftragte und Leiterin der Stabstelle Integration. "Die Angebote haben sich etabliert. Deshalb stehe ich auch hundertprozentig hinter der Entscheidung, dass die Finanzierung seitens der Stadt für die kommenden zwei Jahre gesichert ist", betont sie zufrieden. Die städtische Zusage gilt neben "Rucksack – im Kindergarten und an Grundschulen" auch für die Caritas-Projekte "Griffbereit", "Mach dich stark" und "Zuhause in Friedrichshafen".

Der Vertrag wurde vor wenigen Tagen von der Stadt Friedrichshafen unbefristet für alle genannten Angebote geschlossen – bei einer Kündigungsfrist jeweils zum Ende eines Kindergarten- oder Schuljahres.

Rucksack-Projekt

Das Rucksack-Projekt der Caritas Bodensee-Oberschwaben in Zusammenarbeit mit der Stadt Friedrichshafen feiert mit zahlreichen Veranstaltungen das zehnjährige Bestehen. Kern des Projektes ist, Migrantenfamilien mit Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter in ihrer Muttersprache zu fördern, um damit die Basis für das Erlernen der Zweitsprache Deutsch zu schaffen. Beteiligte Standorte sind derzeit die Kindergärten Allmannsweiler, St. Antonius-Hofinger Esch, St. Columban, das Familienzentrum Noadja, das Montessori-Kinderhaus St. Agnes, Albert-Merglen-, Ludwig-Dürr-, Pestalozzi- und Schreieneschschule, sowie der Familientreff 22.

Am Freitag, 7. Juli, findet von 15 bis 18 Uhr das interkulturelle Sommerfest "Happy Birthday" auf der Wiese neben dem Haus der kirchlichen Dienste statt. Anmeldung: Caritas Bodensee-Oberschwaben, Projektkoordinatorin Magdalena Hriny, Telefon 0 75 41/3000-70, E-Mail: hriny@caritas-bodensee-oberschwaben.de. Zur Eröffnung der Ausstellung "Mehr ist verschieden" wird am Donnerstag, 20. Juli, um 16 Uhr ins Rathaus eingeladen. (ght)