Eine Freiheitsstrafe von neun Jahren und sechs Monaten mit anschließender Sicherheitsverwahrung hat die 7. Große Strafkammer des Landgerichts Ravensburg unter Vorsitz von Franz Bernhard gegen den verurteilten Mörder ausgesprochen, der im Dezember 2017 in Friedrichshafen geflohen war.

Kammer sieht in Angeklagtem Gefahr für die Gesellschaft

Die Kammer verhängte die Maßregel der Sicherheitsverwahrung, da sie den 43-Jährigen für eine Gefahr für die Gesellschaft hält. Er hatte auf seiner Flucht zwei Frauen überfallen. "Das Urteil ist für Sie schwer zu ertragen, aber nicht nur für Sie, auch für die Gesellschaft", stellte Bernhard fest.

Angeklagter war 1997 wegen Mord zu lebenslanger Haft verurteilt worden

Der Angeklagte aus Tettnang war als 22-Jähriger im August 1997 wegen eines Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Dann lernte er 2017 während eines gelockerten Vollzugs eine jüngere Frau kennen, die einen Film in der Justizvollzugsanstalt drehte. "Das war eine neue Welt für mich", sagte der Angeklagte. Er habe nach 20 Jahren Haft keinen Euro und kein Smartphone gekannt.

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Romanze zu jüngerer Frau geht in die Brüche

Es entstand eine Romanze, wie der 43-Jährige in seinem Schlusswort teilweise mit Tränen in den Augen erzählte: "Ich habe gelebt, zum ersten Mal wieder." Doch dann wurde er positiv auf Alkohol getestet und musste zurück in den geschlossenen Vollzug.

Richter: Flucht ein "brutales Haftversagen"

Am 14. Dezember sollte er seine Mutter in Friedrichshafen bei einem begleitenden Ausgang treffen. Die jüngere Frau, die sich inzwischen von ihm getrennt hatte, kam hinzu. Man schlenderte über den Weihnachtsmarkt, machte ein "Familienfoto". "Man hat ein bisschen heile Welt gespielt", fasste Verteidigerin Angela Maeß aus Karlsruhe zusammen. Beim Essen floh der Angeklagte. "Ich habe es nicht mehr ausgehalten", sagte er: "Das war zuviel." Richter Franz Bernhard kommentierte: "Die junge Frau hat verbrannte Erde hinterlassen." Seine Flucht sei eine "brutales Haftversagen".

Während der Flucht Überfall auf zwei Frauen

Drei Tage später, als ihm das Geld ausging, überfiel der Angeklagte in einem Keller eine Frau, würgte sie mit einem Seil und schlug ihren Kopf auf den Boden. Bernhard meinte, wenn das Opfer nicht so besonnen reagiert hätte, hätte er seinen zweiten Mord begangen. Anschließen überfiel der Angeklagte eine zweite Frau, um an ihr Auto zu kommen. Juristisch gesehen sei dies schwerer Raub und räuberischer Angriff auf Kraftfahrer, je mit versuchter Erpressung.

Sachverständiger sieht dissoziale Persönlichkeit

Die Kammer folgte der Beurteilung des psychologischen Sachverständigen Hermann Assfalg: Der Angeklagte sei eine dissoziale Persönlichkeit mit stark manipulativen und narzisstischen Zügen. Er sei nicht bereit zu einer Entzugstherapie von Alkohol und Drogen. Insbesondere der Alkohol ziehe sich seit seinem 16. Lebensjahr durch sein Leben und zahlreichen Straftaten.

Angeklagter: "Man sieht mich als Bestie an"

"Das Vorstrafenregister ist schon ohne die Verurteilung wegen Mordes beachtlich", sagte Erste Staatsanwältin Christine Weiß. In der Haft setzte sich das fort. Der Angeklagte beschwerte sich, in der Haft nie resozialisiert worden zu sein. Man sehe ihn als Bestie. Dem widersprach Bernhard. Er sei keine Bestie, man könne mit ihm reden. Das Problem sei, dass er nie sozialisiert worden sei.