Woher hat die Salzgasse ihren Namen? Und: Warum ist sie so ungewöhnlich breit? In das kleine Sträßchen würden locker zwei, wenn nicht gar drei Innenstadtsträßchen nebeneinander passen. Zufall? „Nein“, sagt Stadtarchivar Jürgen Oellers. „Das hat einen ganz besonderen Grund. Und den kennt heute fast keiner mehr.“ Die Gasse entspricht exakt dem Grundriss des einstigen Rathauses.

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„Wir wissen nicht, seit wann dieses Rathaus existiert hat, vermutlich schon seit dem Mittelalter“, sagt Oellers. 1828 musste das Rathaus weichen. Ein Spediteur namens Johann Peter Lanz, Inhaber des Speditionsunternehmens J. P. Lanz & Cie. brauchte eine Zufahrt zum See: „Es ging um Waren aller Art, vor allem aber um das oberschwäbische Getreide, das in die Schweiz verschifft wurde“, erklärt Oellers. Als das Rathaus zum Verkauf stand, erwarb es der geschäftstüchtige Spediteur für 9500 Gulden. Wenig später ließ er es abreißen, um dort die Durchfahrt errichten lassen.

Gasse wurde nach einem Gebäude genannt

Und wie kommt die Salzgasse zu ihrem Namen? Doch nicht etwa, weil der Spediteur mit seinem Kauf den Ratsherren die Suppe versalzen hat, indem er ihnen die Möglichkeit nahm, bei Seesicht Politik zu machen? „Nein“, schmunzelt Oellers. „Das Rathaus stand ja zum Verkauf, vermutlich auch, weil der Stadtschultheiß an den repräsentativeren Marktplatz wollte. Die Gasse wurde nach dem benachbarten Gebäude benannt.“

Dort, wo heute das Medienhaus am See steht, befand sich einst der Salzstadel, in dem seit 1759 Salz und andere Waren gelagert wurden. „Er war wesentlich größer als das benachbarte Rathaus, was auch zeigt, wie wichtig die Wirtschaft im Vergleich zur Politik war“, erklärt der Historiker.

Das Buch aus dem die Geschichten sind: Geheimnisse der Heimat, Friedrichshafen.
Das Buch aus dem die Geschichten sind: Geheimnisse der Heimat, Friedrichshafen. | Bild: Bast Medien

Sechs Häuser hätten abgebrochen werden müssen, um für den Salzstadel Platz zu schaffen. Anno 1755 hatte Bayern mit der Stadt Buchhorn den Salzvertrag abgeschlossen, was zu einem starken Aufschwung des Warenverkehrs über den See in die Schweiz führte. Die vielen Menschen, die durch die Salzgasse gehen, ahnen nicht, dass dort, wo ihre Füße nun den Boden berühren, einst Politik gemacht und nebenan mit Salz gehandelt wurde.