Sie sirren und summen durch die Luft und begeistern immer mehr Technik-Liebhaber im ganzen Land: Drohnen. Rund 474 000 der Minihubschrauber sind laut einer Studie des Verbandes für unbemannte Luftfahrt bereits in Deutschland unterwegs, bis 2020 werden es voraussichtlich 1,2 Millionen sein. Dass die Welt der Drohnen aber noch viel mehr zu bieten hat als die alltagstauglichen Exemplare für Hobby-Filmer, zeigt die neue Sommerausstellung des Zeppelin-Museums.

Video: Svenja Graf

Ob zur Überwachung, im Transport oder in der Landwirtschaft: Die unbemannten Flugobjekte werden mittlerweile in den unterschiedlichsten Bereichen eingesetzt – in Kombination mit künstlicher Intelligenz gelten sie sogar als die wichtigste Kriegstechnologie seit der Erfindung der Atombombe. Diese Gegensätze spiegeln sich auch in der Ausstellung „Game of Drones“ wider: Die Exponate reichen von historischen Drachen über Fotografen-Multikopter bis hin zu militärischen Kampf- und Aufklärungsdrohnen.

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Das Sirren und Surren im Zeppelin-Museum kommt vor allem von Film-Installationen, die im Ausstellungsraum laufen. Selbst zu Drohnen-Piloten werden können die Besucher zwar nicht, aber sie dürfen ganz nah an die Flugobjekte heran. Außerdem erfahren sie auch interessante Fakten über die Geschichte, die Nutzung und die technischen Details der einzelnen Drohnen.

Video: Svenja Graf

Das erwartet die Besucher

Von Fotodrohne Claire bis zur Rakete Harop – wir stellen Ihnen einige der ausgestellten Flugobjekte etwas genauer vor.

Beginnen wir mit Claire. Bei ihr handelt es sich um das Modell DJI Mavic 2 Pro – ein Quadrocopter, der im freien Handel erhältlich ist. Claire ist mit einer Hasselblad L1S-20c Videokamera ausgerüstet und ist nicht nur ein Exponat, sondern auch Mitglied des Museumsteams. Sie macht regelmäßig Ausflüge im und um das Museum und zeichnet Eindrücke auf, die die „Game of Drones“-Besucher auf einer großen Leinwand verfolgen können.

Bild: Markus Tretter

Etwas größer als Claire ist die Intel Falcon 8+. Wegen seiner acht Propeller ist der Octocopter sehr wendig und wird vor allem für professionelle Datenerhebungen, Vermessungen, Kartierungen oder 3-D-Rekonstruktionen großer Bauwerke eingesetzt. Schwer zugängliche Kirchtürme, Brücken oder andere hohe Bauwerke können so genau inspiziert werden.

Bild: Markus Tretter

Im militärischen Bereich kommen seit einigen Jahrzehnten verstärkt Aufklärungsdrohnen zum Einsatz, die Soldaten bei Bodeneinsätzen einen Lageüberblick verschaffen sollen. So eine Mikro-Aufklärungsdrohne ist Mikado. Die Bundeswehr setzt sie seit 2009 unter anderem in Afghanistan ein, um Personen, Waffen, Sperren oder Sprengsätze zu orten und zu identifizieren. Sie wird im Koffer oder Rucksack transportiert und ist in wenigen Minuten zusammengebaut.

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Eines der größten Exponate der Ausstellung ist Harop. Das von der Israel Aeropspace Industries hergestellte System ist eine Kombination aus Aufklärungsdrohne und Rakete. Harop kann mehrere Stunden in der Luft bleiben, bevor sie angreift. Dabei löst sie keine Munition aus, sondern wird selbst als Geschoss ins Ziel gesteuert.

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Zur Ausbildung der Luftabwehrkräfte werden Kleinzieldarstellungsdrohnen wie die FM Q2 genutzt. Sie wird von einer Startrampe in die Luft katapultiert und fliegt dann in einem Umkreis von zwei Kilometern. Die FM Q2 war in den Achtzigerjahren bei der Bundeswehr im Einsatz. Neuere Modelle können deutlich weiter fliegen und dabei das Flugverhalten von unterschiedlichen Gegnern imitieren.

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Eine deutlich größere Version der Flugzieldarstellungsdrohne ist die Do-DT 25 von Airbus. Sie wird als Ziel eingesetzt, auf das in der Ausbildung der Luftverteidigungseinheiten scharf geschossen wird. Airbus hat diese Drohne entwickelt, um eine reale Bedrohung aus der Luft im Training kostengünstig simulieren zu können.

Bild: Svenja Graf

Eine der ersten Aufklärungsdrohnen war die CL-89. Sie wurde in den Sechzigerjahren im Auftrag von Kanada, Großbritannien und Deutschland entwickelt und von der Bundeswehr zu Ausbildungszwecken genutzt. Unter der Bezeichnung „Midge“ wurde das System 1991 von Großbritannien im zweiten Golfkrieg eingesetzt.

Bild: Markus Tretter

Was es sonst noch zu sehen gibt

Neben den verschiedenen Drohnen zeigt die Ausstellung noch viele weitere Exponate und Installationen rund um die Flugobjekte. Zur Mikado-Drohne gehört beispielsweise eine Fernsteuerung mit GPS-Navigation.

Bild: Svenja Graf

Außerdem ist die Minidrohne für den Betrieb bei Nacht mit einer Infrarot-Kamera ausgestattet. Über das angeschlossene Notebook kann die Einsatzgruppe die Bilder live abrufen.

Bild: Svenja Graf

Zu den Exponaten gehört auch eine Funkfernsteuerung des unbemannten Solarluftschiffes Lotte. Das Steuergerät war Anfang der Neunzigerjahre eine für den Flugmodellsport übliche Anlage, die den besonderen Anforderungen der Lotte angepasst wurde.

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Beim Einsatz von Drohnen geht es meistens um sehen und gesehen werden. Wer für die Flugobjekte unsichtbar bleiben möchte, benötigt die sogenannte „Stealth Wear“ – eine Kleidung, die aus speziellen Metalllegierungen gefertigt wird und verhindert, dass menschliche Körperwärme nach außen dringen kann. Dadurch ist die Erkennung durch Infrarot-Kameras nicht möglich.

Bild: Markus Tretter

Bauen, schminken, diskutieren: Hier dürfen die Besucher selbst ran

Begleitend zur Ausstellung bietet das Zeppelin-Museum einige Veranstaltungen, bei denen die Besucher selbst aktiv werden dürfen

  • Graffiti-Schnitzeljagd: Bei der Aktion „Drone Shadows – Die Drohnen kommen!“ sind Kinder im Alter von sieben bis elf Jahren am 12. und 19. Juni dazu eingeladen, an einer Grafitti-Schnitzeljagd teilzunehmen. Bewaffnet mit einem Stück Kreide und dem „Drone Shadow“-Handbuch des Künstlers James Bridle verfolgen sie Drohnen-Schatten durch die Stadt bis ins Museum. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung bis zum 11., beziehungsweise 18. Juni ist erforderlich.
  • Schneidern und schminken: Am Sonntag, 7. Juli, dreht sich im Zeppelin-Museum alles um das Thema Drohne. In einem Workshop lernen die Teilnehmer, wie man Anti-Drohnen-Kleidung anfertigt. Außerdem zeigen Experten ein spezielles Make-up, das Gesichtserkennung unmöglich machen soll.
  • Drohnen selbst bauen: Wie schwierig ist es eigentlich, selbst eine Drohne anzufertigen? Das erfahren die Teilnehmer der „#drone-it-yourself“-Workshops, die am 31. Juli, 5. August und 4. September jeweils von 10 bis 13 Uhr stattfinden. In Kooperation mit der Wissenswerkstatt wird der Bauweise der Flugobjekte auf den Grund gegangen und die Elektronik hinter der Maschine erklärt. Dann dürfen die Teilnehmer selbst Hand anlegen und ihre eigene Drohne bauen, die sie hinterher mit nach Hause nehmen können. Der Workshop ist für Jugendliche im Alter von zwölf bis 16 Jahren, eine Anmeldung auf www.wiwe-fn.de ist erforderlich. Die Teilnahme kostet 25 Euro.
  • Café International: Rund um das Thema Drohnen gibt es jede Menge zu erzählen und zu diskutieren, wozu das Museum am 21. Juli und am 15. September, jeweils ab 15 Uhr, einlädt. Bei der ersten Veranstaltung geht es um die Drohne als Alltagsheld, der Pakete liefert, Menschen aus brennenden Gebäuden rettet oder in Katstrophengebieten hilft. In der zweiten Runde wird dagegen die Überwachung durch Drohnen thematisiert. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. 

Die Ausstellung „Game of Drones“ läuft noch bis zum 3. November. Informationen und Anmeldung auf www.zeppelin-museum.de