Die Branche Kunststoffverarbeitung hat viele direkte Verbindungen in unseren Alltag hinein – über Alltagsgegenstände nämlich: vom Schnuller über die Zahnbürste bis hin zum Implantat. Wir haben uns bei der Fakuma, der weltweit führenden Fachmesse für industrielle Kunststoffverarbeitung in Friedrichshafen, beim Familienunternehmen Arburg aus Loßburg im Schwarzwald umgeschaut.

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Arburg ist einer der Weltmarktführer bei Spritzgießmaschinen. Tüftler und Denker waren von Beginn an beim Schwarzwälder Familienunternehmen tätig. Alles begann 1923 mit der Produktion von chirurgischen Instrumenten aus Metall. Durch eine clevere Idee entwickelte sich die Firma zum Marktführer. Unternehmenssprecherin Susanne Palm erläutert, wie es dazu kam: "In den 50er Jahren wurden bei Arburg Blitzlichter hergestellt und nach Amerika verschifft. Durch das Salzwasser rosteten aber die Metallteile, sodass diese Stecker mit Kunststoff ummantelt werden mussten und dazu wurden bei Arburg kleine Spritzgussmaschinen entwickelt." Erst wurden die Unternehmer aus dem Schwarzwald nicht ernst genommen, aber schnell wuchsen sie zu einem der Weltmarktführer in Sachen Spritzgießen.

Aus rotem Kunststoffgranulat wird mit Hilfe einer Spritzgussmaschine der Rahmen für eine  Wasserwaage.
Aus rotem Kunststoffgranulat wird mit Hilfe einer Spritzgussmaschine der Rahmen für eine Wasserwaage. | Bild: Susanne Hogl

"Nicht alles Plastik ist einfach nur böse und verschmutzt die Meere": Auf diese Feststellung legt Arburg-Marketingchef Christoph Schumacher viel Wert. Ihm ist aber auch klar, dass seine Branche es derzeit nicht leicht hat und bei der Imagepflege sicher noch Luft nach oben ist.

Arburg sieht sich als Generalunternehmer für die Kunden aus aller Welt, die aus den unterschiedlichsten Bereichen kommen. "Wir liefern Spritzgussmaschinen mit selbst gebauten Steuerungen für die Medizintechnik, für die Automobilbranche und viele andere", sagt Palm. Erstaunlich leise schnurren in der Häfler Messehalle die hydraulisch betriebenen Maschinen, von denen eine eine komplette Wasserwaage herstellt. "Wir bauen sowohl Maschinen, die ganz geringe Stückzahlen produzieren können, aber auch für Massenware wie beispielsweise Babyschnuller, Zahnbürsten oder Getränkekisten", erklärt Palm. Wichtig, sagt Palm weiter, sind oft auch Medizinprodukte wie individuell angefertigte Implantate.

Hier wird gezeigt, was mit Hilfe von 3D-Plottern hergestellt werden kann.
Hier wird gezeigt, was mit Hilfe von 3D-Plottern hergestellt werden kann. | Bild: Susanne Hogl

Alleine bei der Fakuma sind täglich zwischen 200 und 250 Arburg-Mitarbeiter aus 30 Ländern am größten Stand auf der Messe vertreten, um neue Maschinen zu erklären, die Einsatzmöglichkeiten des 3D-Plotters zu schildern und Kunden bei bestimmten Produktwünschen beraten zu können. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt bei der Fakuma im Bereich digitale Transformation. Das für die Kunststoffproduktion notwendige Granulat, oder auch Flüssigsilikon soll, da ist man sich in der Branche einig, so weit wie möglich als Re-Granulat wieder in den Produktionsprozess eingebunden werden. "Wir bauen Maschinen, mit denen es möglich ist, auch geschredertes Kunststoffgranulat wiederverwenden zu können, soweit es beim entsprechenden Endprodukt möglich ist", erklärt Palm.

Die Fakuma dauert noch bis Samstag, 20. Oktober, und ist nur für Fachbesucher geöffnet.

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