Friedrichshafen – Ein seltsames Sportgerät, das Ralph Kurz da vor Seemoos ins Wasser lässt. Ein Wakeboard mit einer etwa 80 Zentimeter langen Finne, an deren unterem Ende an einer horizontalen Stange zwei Tragflächen montiert sind. Dann wird es spannend. Der Mann im Neoprenanzug mit Schwimmweste und Sturzhelm springt mit einem beherzten Köpfer hinterher, bringt seine Füße in die Schlaufen des Boards, hält die Hantel mit der langen Leine fest – und schon gibt das Motorboot Gas. "Ich mache das erst seit zwei Wochen", hat der Wakeboarder zuvor auf der Pressekonferenz zur Messe Interboot erklärt. Und beim ersten Versuch sei er gleich geflogen. Nicht übers Wasser, dafür vom Brett.

Ralph Kurz fährt als einer der ersten Sportler ein Wake-Foil-Board auf dem Bodensee.
Ralph Kurz fährt als einer der ersten Sportler ein Wake-Foil-Board auf dem Bodensee. | Bild: Anette Bengelsdorf

Doch heute klappt es zur Freude der zahlreichen Fotografen und Kamerateams so, als hätte er noch nie etwas anderes gemacht als Wake-Foilen. Zunächst gleitet das Board brav über das Wasser. Doch dann, mit zunehmender Geschwindigkeit, löst es sich von der Oberfläche, steigt durch den Auftrieb der Foils in die Höhe und zischt über den See. "Der grundlegende Unterschied zum herkömmlichen Wakeborden ist das Lenken", hat Kurz erklärt. Während man sonst die Kante des Bretts belaste, müsse man beim Foilen das gesamte Körpergewicht zum Einsatz bringen. "Das ist wie Snowboarden in unberührtem Tiefschnee", schwärmt er. Das Board gleitet jetzt ruhig, ohne die Schläge der Wellen, über den See und ermutigt den Boarder zu ein paar Showeinlagen. Das Thema Foilen, das Segeln auf Tragflächen, liegt voll im Trend und hat nach den Booten jetzt auch die Fun-Sportarten erreicht. Doch ohne Übung und ohne Wakeboard-Erfahrung dürfte sich das Erfolgserlebnis nicht umgehend einstellen. Dennoch glaubt Ralph Kurz, dass das Wake-Foilen auf dem Bodensee Zukunft hat.

Zwei Flügel, die Foils, verleihen dem Wake-Foil-Board den nötigen Auftrieb, um übers Wasser zu fliegen.
Zwei Flügel, die Foils, verleihen dem Wake-Foil-Board den nötigen Auftrieb, um übers Wasser zu fliegen. | Bild: Anette Bengelsdorf

Wassersport, der mit Sommer, Sonne, kühlen Drinks und Dolce Vita in Verbindung gebracht wird, erfreut sich hoher gesellschaftlicher Akzeptanz. Ein Grund, warum Hans Joachim Landolt, Inhaber der Michelsen-Werft in Seemoos, glaubt, keinen Mangel an tüchtigen Bootsbauer-Lehrlingen zu haben. Dabei hat der Beruf mit Dolce Vita wenig zu tun, weiß Annegret Hoffmeier, Auszubildende im vierten Lehrjahr. "Man muss sich darüber im Klaren sein, worauf man sich einlässt", sagt die 19-Jährige. Nach einem Praktikum in der Mi-chelsen-Werft entschied sie sich für die vierjährige Ausbildung. Anfangs habe sie die Außenhaut einer Holzjacht komplett von Hand geschliffen und nur mit Hobel und Stecheisen gearbeitet. Da hat ihr noch die Kraft gefehlt, abends hatte sie Muskelkater. Das ist heute vorbei. Und wenn es eine zentnerschwere Planke zu schleppen gilt, springt einer der männlichen Azubis ein.

Hans Joachim Landolt, Inhaber der Michelsen-Werft in Friedrichshafen, bildet zurzeit sechs Lehrlinge aus. Über seine Motivation spricht er mit Eleni Kugler, Referentin Kommunikation der Interboot.
Hans Joachim Landolt, Inhaber der Michelsen-Werft in Friedrichshafen, bildet zurzeit sechs Lehrlinge aus. Über seine Motivation spricht er mit Eleni Kugler, Referentin Kommunikation der Interboot. | Bild: Anette Bengelsdorf

Landolt vermittelt sechs Lehrlingen, drei Frauen und drei Männern, das vielseitige und komplexe Handwerk, das räumliche Vorstellungskraft, mathematisches Verständnis und zeichnerische Grundfertigkeiten voraussetzt. Gearbeitet wird mit verschiedenen Werkstoffen wie Holz, Metall und Kunststoff. Annegret Hoffmeier und ihr Kollege Moritz Pulter legen in der Werft eine Leiste über das Unterwasserschiff eines Holzmotorboots, einer Riva aus den 50er Jahren. Die alten Planken müssen ersetzt werden und die beiden Auszubildenden überprüfen die Form des Restaurationsobjekts. "An diesem Boot lasse ich in erster Linie die Lehrlinge arbeiten", sagt Landolt. Dabei lernen sie alle Techniken und den Umgang mit den entsprechenden Werkzeugen und sind hoch motiviert. "Wir müssen die jungen Menschen ausbilden", sagt der Meister, der seit 40 Jahren seinen Beruf ausübt. "Wenn wir es nicht tun, verschwindet dieses alte Handwerk."

Annegret Hoffmeier lernt Bootsbauerin im vierten Lehrjahr. Mit einer Straklatte überprüft sie die Form eines Unterwasserschiffs.
Annegret Hoffmeier lernt Bootsbauerin im vierten Lehrjahr. Mit einer Straklatte überprüft sie die Form eines Unterwasserschiffs. | Bild: Anette Bengelsdorf

Messe Interboot

Die 56. Interboot findet von Samstag, 23. September, bis Sonntag, 1. Oktober, statt. Parallel dazu, von 21. bis 24. September, läuft die Tauchsportmesse Interdive. 461 Aussteller aus 21 Ländern stellen in acht Messehallen und im Interboothafen direkt am Bodenseeufer aus.

  • Angebot:

Es umfasst Segel- und Motorjachten, Jollen, Katamarane und Schlauchboote, dazu Trailer, Ausrüstung und Zubehör sowie Motoren, Elektronik, Navigation und Wassersportbekleidung. Kanus, Kajaks, Wakeboards, Wasserski, Surfboards und entsprechendes Zubehör sind ebenso zu finden wie Charterangebote, ein maritimer Reisemarkt, Schulen und Verbände.

Eine stehende Welle zum Surfen, Vorträge rund um das Segeln und Reisen, ein Aktionsprogramm auf dem Messe-See mit Wakeboard und Hovercraft-Show, Schnuppersegeln und die SUP-Test-Arena laden zum Mitmachen ein. Zusätzlich sind kostenpflichtige Seminare und Kurse im Angebot. Im Interboot-Hafen liegen über 100 Boote zum Testen bereit. Wer segeln kann, nimmt an der Interboot-Trophy und der Oldtimer-Regatta teil.

  • Öffnungszeiten:

Die Messe ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, der Interboot-Hafen bis 19 Uhr. Am Donnerstag, 28. September, ist die Halle B1 zum Sunset Shopping bis 21 Uhr geöffnet.

  • Eintrittspreise:

Tageskarten kosten 12 Euro, ermäßigt 10 Euro. Die Familienkarte für Eltern mit allen Kindern von sechs bis 14 Jahren ist für 28 Euro zu haben. Kinder zwischen sechs und 14 Jahren bezahlen 5 Euro, Kinder unter vier Jahren haben freien Eintritt. Die Zweitageskarte kostet 17 Euro, Die Kombikarte Interboot und Interdive, die nur am 23. und 24. September erhältlich ist, kostet 16 Euro, für Familien 38 Euro. Der Besuch des Interboot-Hafens ist frei.

  • Anfahrt:

Ein Shuttlebus verkehrt kostenlos zwischen Stadtbahnhof, Messehafen/Fähre sowie Eingang Ost und Eingang West des Messegeländes.