Die „Herbstbrüder“, das sind Cihan Morsunbül und Markus Bremm, zwei unbekannte melancholische Straßenmusiker aus Berlin und gleichzeitig die Vorgruppe von „Radio Doria„. „Radio Doria„ würde man bei uns vermutlich auch nicht kennen, wäre da nicht der berühmte Frontmann Jan Josef Liefers. Den wiederum kennt fast jeder, als Professor Boerne im „Tatort„ aus Münster. Dort allerdings mit Bart und Brille, mit „Radio Doria„ tritt Jan Josef Liefers rasiert und mit schwarzem Hut auf.

Traurige Texte, die nachdenklich stimmen

Zurück zu den „Herbstbrüdern“, die melancholisch sind, weil sie sich bei jedem Wetter mit schlecht gelaunten Ordnungshütern herumschlagen müssen. Weshalb aber die Lieder von „Radio Doria„ keine fröhlichen Pop-Songs sondern traurig, nachdenklich und überwiegend lyrisch sind, das musste Jan Josef Liefers dem Häfler Kulturuferpublikum am Samstag erst erklären. „Als wir angefangen haben eigene Songs zu schreiben, ging es zum ersten Mal wieder rau zu in Deutschland„, sagte Liefers. „Die Flüchtlinge kamen und es ging ein Riss durchs Land. Man war entweder ein unverbesserlicher Gutmensch oder ein Nazi“, sagt er. Liefers hat sich für den Gutmenschen entschieden und ist mit Freunden und einer Lastwagenladung Milchpulver nach Aleppo gefahren. Die Kriegs-Eindrücke aus Syrien hat er im Song „Unbeschreiblich“ verarbeitet.

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In Friedrichshafen hat Liefers seine musikalische Reise mit zwei großen roten Koffern angetreten, die später für eine furiose, vom Publikum gefeierte Perkussionsnummer herhalten mussten. Ansonsten ging es im großen Zelt bei schlichten Melodien und schwierigen Texten wie „Ne Medaille hat drei Seiten, wir balancieren auf dem Rand“ eher ruhig zu. Beim „Oh, oh, oh“ war im großen Zelt aber wieder alles klar und aus dem ansonsten wenig textsicheren Publikum wurde ein großer Chor, der sogar muhte und krähte.

Professor Boerne und „Alberich“ im Jux-Duett

Dann entdeckte Liefers seine kleine „Tatort„-Kollegin „Alberich“ im Publikum. Er holte Christine Urspruch für ein Jux-Duett auf die Bühne und das Glück der „Tatort„-Fans war vollkommen. „Fehlt nur noch der kleine Dicke“, scherzte Liefers und der Jubel verriet, dass man Musik und Schauspiel nicht trennen kann.

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