„Der Song hätte nicht die Resonanz, wenn wir damit so falsch liegen würden“, sagte der Bassist der Band „110 Prozent“ im Gespräch über „Friedhofshafen“. Und auch die Resonanz auf den SÜDKURIER-Artikel, in dem die drei Musiker aus Friedrichshafen beschreiben, was sie zur „Ode an ihre Heimatstadt“ inspirierte, lässt erahnen: Häfler Nächten scheint irgendetwas zu fehlen. „So was von auf den Punkt gebracht“, ist zum Beispiel in einem Kommentar auf der Facebook-Seite der Häfler SÜDKURIER-Redaktion zu lesen. Manchmal werde vergessen, dass es hier auch Menschen gebe, die auch außerhalb der Saison feiern wollen, „die ihren Feierabend im Herbst und Winter genießen wollen“.

Das Lied, in dessen Refrain es unter anderem „Hier hast du deine Ruh‘, die Kneipen haben zu“ heißt, erntet viel Zustimmung und sorgt für Erheiterung – aber auch für Diskussionen. War früher tatsächlich mehr los? Wann war dieses Früher und was genau fehlt heute eigentlich?

„Egal, ob früher oder heute, Friedhofshafen bleibt tot“, ist ebenfalls bei Facebook zu lesen. Schon vor 25 Jahren habe man die Stadt umgangssprachlich „Friedlichschlafen“ genannt, kommentiert SÜDKURIER-Online-Nutzer „Andere Meinung“. Dies habe sich nicht geändert und werde sich auch nicht ändern: „Die ‚Kneipentristesse‘ hat sich in den letzten Jahren sogar noch verschlimmert.“ Andere schwelgen dagegen in Erinnerungen an „ihre Zeit“, es werden Disko- und Kneipennamen aufgeführt, die längst nicht mehr im Telefonbuch zu finden sind.

Tatsächlich sind da aber auch heute noch Kneipen und Diskotheken zu finden. So schreibt ein Facebook-Nutzer „Kneipen gibt’s genug, was fehlt, ist Charakter“. Im Zusammenhang mit einem hohen Einfluss älterer Häfler will ein anderer Nutzer das Thema nicht unkommentiert stehen lassen: „Bedenke, dass es die ‚Alten Leute‘ sind, die die Stadt aufgebaut haben“, entgegnet er auf einen entsprechenden Kommentar. Es sei die Generation von heute, die nichts nachschiebt. „Als die heutigen Alten noch jung waren, war Party satt hier in Friedrichshafen durch die ganzen Volksfeste und jede Menge legendäre Kneipen“, ist in einer anderen Reaktion zu lesen. Das Thema Ruhestörung und Regelungen dazu hätten damals keine Rolle gespielt – im Gegensatz zu heute.

Längst nicht nur Beschwerden oder Frotzeleien sind zu lesen. „Wenn man von hier kommt und auch weiß, wo man hin muss, dann hat man hier bei uns viel bessere Partys als in einer "Großstadt", schreibt ein Häfler. „Wer zum Party-Machen immer in die Großstadt abdampft, unterstützt doch damit nur noch das Kneipensterben“, heißt es außerdem. Rumnölen und Nixtun hätten noch nie etwas geändert.

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